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25. Juli 2011, 16:49 CD / Vinyl Music

Keine Etiketten: Foster the People-Torches

Katharina Bornhauser - Das erste Album des Trios Foster the People oszilliert zwischen rauer Elektronik und kindlicher Romantik. Obwohl das Trio um Mark Foster zu ausgefallenen Mitteln greift, bleiben die Überraschungen auf dem Album aus. Überzeugen tut es trotzdem.

Keine Etiketten: Foster the People-Torches
„Helena Beat“ heisst der erste Track des Erstlings von Foster the People. Es beginnt mit Perkussion, danach folgt ein Abschnitt verzerrte Elektronik, danach verwandelt sich der Track in ein Klangkonstrukt à la Ratatat. Zwischen all diesen Polen hin und hergerissen, wird dem Hörer schon jetzt klargemacht, dass sich stromgewonnene Härte und gurrende Romantik in der Welt von Foster the People nicht widersprechen.Um diese klanglichen Dimensionen zu beschreiben suchen Musikkritiker und Fans noch immer nach dem richtigen Wort. „Indie Dance“ oder „Neo-Psychedelia“ sind nur zwei der vielen Etiketten, die Foster the People angetackert werden wollen. Der musikalische Stil des Trios, angeführt von Multiinstrumentalist Mark Foster, aus L.A. lässt aber vermuten, dass es genau diese Etiketten umgehen will.

Ein weiterer Anhaltspunkt: Der schalkhafte Bruch mit Erwartungen. „Pumped Up Kicks“ etwa verheisst dem Namen nach ein markerschütternder beatlastiger Track, entpuppt sich aber als friedlich dahinplätschernder Song, der das ultimative Sommerfeeling mit eingängigem Refrain und kindlich-unschuldigen Pfeifeinlagen einzufangen vermag. Es ist nicht überraschend, dass gerade dieser Track Foster the People zum Durchbruch verhalf. Zwischen der Veröffentlichung des Songs und dem Plattenvertrag mit Columbia lagen „nur“ unzähligen Airplays von „Pumped Up Kicks“. Bevor auch nur ein Album vorlag, traten Foster the People am Über-Musikfestival Coachella in Kalifornien auf und von da an konnte – den Naturgesetzen der Musikindustrie folgend – nichts mehr schief gehen. Aber: Auch wenn Foster the People gerne als solche tituliert werden, sind sie keine echten Avantgardisten. Ihre Verbindung von folkiger Seventies-Reverenz, Handclaps und gläsernem Elektropop wirkt frisch und aus einem Guss, ist jedoch trotz einiger Spielereien nicht wirklich experimentierfreudig oder neu. Da wird das Trio von Phänomenen wie den Crystal Fighters oder MGMT überflügelt.

Das heisst nicht, dass „Torches“ nicht auch ein brilliantes Stück Musik ist. „Don’t Stop (Color on the Walls)“ etwa klingt wie die Indie-Interpretation eines Las Ketchup-Songs, aber mit vielschichtiger Exzentrik und quäckenden Lyrics. „I would do anything for you“ besticht mit Mundharmonika-Einlage und zauberhaften „Ooh-la-la“-Singsang, unterlegt von einer düster-hektischen Klaviertonfolge. „Life on the Nickel“ ist mit Glockenspiel und elektronisch quietschenden und blubbernden Details eine Freude für Ohr und Herz. Ja, „Torches“ ist eine Album voller hippiesker Songperlen und erhält ganz viele Sterne für übertroffene Erwartungen und geistreich-unterhaltsame Einfälle. Aber epochemachend ist es nicht.

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