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26. Juli 2011, 18:15 Bücher Kultur

Nein! Ich geh nicht zum Seniorentreff!

Claudia Maag - Erneut setzt sich Virginia Ironside mit dem Thema Alter auseinander. Diesmal geht es vor allem um Zipperlein, Freiheiten und Möglichkeiten des Alters. Die Autorin kann nicht an ihren letzten Erfolg anknüpfen.

Nein! Ich geh nicht zum Seniorentreff!
Wie in ihrem letzten Buch „Nein! Ich will keinen Seniorenteller!“, setzt sich Virginia Ironside in ihrem neuen Buch „Nein! Ich geh nicht zum Seniorentreff!“ mit dem Thema Alter auseinander. Ironside springt in kurzen Kapiteln quer durch die Themenbereiche älterer Menschen. Diese reichen von „herrlichen“ Beerdigungen („warme, gefühlvolle Veranstaltungen) über das langsam verschwindende Gedächtnis; warum man nicht Sport treiben sollte, dafür lieber stricken, bis zum Thema Sex im Alter („Matratzensport“).

Erleichtert vernehmen wir, dass Ironside nicht mit dem Strom schwimmt, wenn es um den Jugendwahn im Alter geht. Sie rüttelt am Tabuwort „Alt“, findet gar, das Alter sei ein Grund zum Feiern. Sie will nicht „durch die Mongolei radeln“ oder sich „an einem Gummiband in die Tiefe stürzen“. Hat da jemand das Rezept für ein zufriedenes Altern entdeckt? Doch es wird rasch klar, dass dem nicht so ist. Hätte ich nicht gelesen, dass Virginia Ironside heute 65-jährig ist, ich hätte sie zehn Jahre älter geschätzt. Einerseits hinterfragt sie (berechtigterweise) das Verhalten ihrer Altersgenossen, andererseits ist die Autorin selbst oft erstaunlich unreflektiert und intolerant. Sie versucht nicht panisch, sämtliche verpassten Träume und Ziele innert weniger Jahre nachzuholen, sondern scheint gar keine Träume mehr zu haben. Ironside verplempert lieber ihre Zeit mit Nichtstun (was auch mal schön ist), als die Tage auszukosten.

Störend ist der unreflektierte Medikamentenkonsum („Ich sage nur: gebührenfrei! Und lasse mich ins Koma fallen.“). Interessant sind die Kapitel über das Wissen, wie man in einer Rezession wirklich sparsam lebt; als im Jahre 1944 Geborene kann sich Ironside noch an Lebensmittelkarten erinnern. Sie spart Heizkosten, in dem sie in Pudelmütze, Strickjacke und Wollhandschuhen in der Küche steht; kann „aus Knöpfen eine nahrhafte Suppe kochen“ und schrubbt vom Schweinefleisch mit Wasser das Grün ab.

Das Buch beinhaltet einige schöne Gedichte und Zitate. Es bietet oftmals ein Grund zum Schmunzeln, letztlich sind die Gags und Themen aber eher lahm. Der erwartete englische Humor war nicht auffindbar. Leider ist es Virginia Ironside mit „Nein! Ich geh nicht zum Seniorentreff!“ nicht gelungen, ihre wortgewandte, freche Sicht auf das Alter aufrecht zu erhalten.

Infobox

Virginia Ironside begann ihre berufliche Laufbahn als Journalistin und veröffentlichte im Alter von zwanzig Jahren ihr erstes Buch. In den Sechzigern schrieb sie eine Rockmusik-Kolumne für die "Daily Mail" und wechselte später als Kummerkastentante zur Zeitschrift "Woman". Sie arbeitete für den „Sunday Mirror“ und „Today“ und hat eine wöchentliche Kolumne mit Ratschlägen für alle Lebensfragen im „Independent“. Die Autorin lebt und arbeitet in London. Ihr Buch steht auf der SPIEGEL-Online-Bestsellerliste.

Nein! Ich geh nicht zum Seniorentreff!, Virginia Ironside. Aus dem Englischen von Gertrud Wittich, CHF 28,90, gebunden, 256 Seiten, Goldmann Verlag

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