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1. August 2011, 00:00 Music Festivals

Marina & The Diamonds am Blue Balls

Jacqueline Passos - Die heisserwartete Beth Ditto sagte aus familiären Gründen den Auftritt am Blueballs ab. Der Abend gehörte ganz der Waliserin Marina & The Diamonds.

Marina & The Diamonds am Blue Balls
Gleich am Eingang des KKL wurden die Besucher informiert, dass Beth Ditto leider ihren Auftritt kurzfristig aufgrund einer “Familien-Tragödie”, welche sich am Freitagmittag ereignete, absagen musste. Näheres wurde aber nicht bekannt gegeben. Eingefleischte Fans wurden aber nicht ganz entäuscht: da Beth’s DJ und Tänzer bereits vor Ort waren, verwandelten sie kurzum den Luzerner Saal nach dem Opening-Act zur Tanzfläche. Der Abend und die Bühne gehörte somit ganz Marina & The Diamonds. Mit einer etwas schrillen Sonnenbrille, neuer blonden Mähne, US-Shirt und Plateau-Schuhen betrat Marina & The Diamonds und ihre vierköpfige Band die Bühne. “Good evening Lucerne!”, sagte sie euphorisch nach den zwei Opening-Tracks, darunter Girls. Etwas ruhiger wurde es dann mit The Outsider. Als Marina das Publikum fragte Are You Satisfied, antwortete es stillschweigend mit einem grossen Nein. Denn bis dahin, war vom Publikum kaum was zu vernehmen, obwohl nebst Marina auch der Schlagzeuger recht abgingen. Um das müde Publikum zu wecken, setzte sich Marina lässig auf die Bühne und stellte die kecke Frage: “Who have already seen me here?”. Einige Fans meldeten sich, worüber sich die Indie-Pop-Sängerin freute, denn sie entgegnete überrascht: "Oh really!?". Sie war etwas nervös, gab sie lächelnd zu: “I always talk to much when I’m nervous”. Der kleine Smalltalk gefiel dem Publikum, welches jubelte und klatschte. Aber zu Tanzbären mutierte es nicht. So knallte Marina I’m Not a Robot? in einer Up-Tempo-Version hin. Das Publikum war sichtlich beflügelt und zeigte erste Lebenszeichen. Bemerkenswert ist bei der jungen Künstlerin, dass sie die Bühne für sich zu nutzen weiss. Ab und an verschwindet sie gar völlig aus dem Sichtfeld, weil sie sich gerade am Boden räkelt, oder gemütlich irgendwo hinsetzt und mit dem Publikum spricht.

Bei Living Dead glänzte Marinas Stärke besonders hervor – ihre Stimme. Bestechend klar und angehaucht von einem dunklen Timbre halte im Luzerner Saal. Gänsehautfeeling - auch dank der super Saalakoustik. Allgemein kann man sagen, dass Marinas Stimme bei den ruhigen Nummern mehr zur Geltung kam. Die anfängliche Nervösität konnte man ihr dann nicht mehr anmerken. Mit einem Glas Wein setzte sie sich ans E-Piano und hauchte dem Publikum Numb und Jealousy entgegen. Nach diesem ruhigeren Intermezzo drehte Marina & The Diamonds nochmals auf mit Oh No! und Hollywood. Mit Shampain schaffte sie es das Publikum endlich zum Tanzen und Mitsingen zu bewegen. Das Konzert beschliesst sie mit Guilty und einem Ausdruckstanz.

Fazit: Mit ihrem Pop-Indie-Mix, ihrer Performance und Stimme hat Marina & Diamonds definitiv am diesjährigen Blue Balls überzeugt. Wer aber klar entäuschte, war das Publikum. Ein Konzert “nur” zu sehen ist lahm. Mal unter uns, da kann man gleich zu Hause bleiben und sich die CD reinziehen. Für Marina & The Diamonds dürfte dieser Auftritt dank dem Publikum eine schwere Geburt gewesen sein. Für die nächsten Konzertbesuche deshalb ein kleiner Rat, oder vielleicht mehr ein Wunsch: Tanzt, schwitzt und singt (wenns sein muss auch mit schiefen Tönen und falschen Lyrics) mit dem Künstler mit. Ein gutes Konzert lebt von einer genialen Performance des Künstlers und derjenigen eines abrockenden Publikums.

  • Fotos Blue Balls Festival/ Beat Kienholz
  • Students.ch Preview zu Beth Ditto, Marina & The Diamonds und Steff La Cheffe am Blue Balls Festival
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