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10. August 2011, 22:13 Konzert Music

Energiewalzen an den Summer Sounds.

Patrick Holenstein - Ein Redaktionskollege hat kürzlich geschrieben, dass Ansprüche bei Konzerten unter der Woche normalerweise geringer seien. Nach der Show von Dead Bunny und den Monotales kann man dem nur vehement widersprechen. Was die beiden Newcomer gezeigt haben, war monumentales Kino.

Energiewalzen an den Summer Sounds.
"Sucht euch jemanden, um euch festzuhalten. Was jetzt kommt, ist nämlich eine Energiewalze", kündigt der Speaker an, bevor Dead Bunny auf die Bühne treten. Die Band wirkt entspannt, klingt gar im positivsten Sinne ziellos. Wie wenig dieser Eindruck allerdings zutrifft und wie detailliert die toten Hasen ihre Songs tatsächlich durchdenken, zeigt sich während der Show zum Beispiel daran, dass der Sänger Thomas Schmidiger teilweise punktgenau an der Verzerrung seiner Stimme schraubt. Clever gedreht quasi. Genau so präzise sitzen die Gitarrensoli und die brachial-energetischen Drumbeats - womit das Versprechen vom Anfang gehalten wäre. 

Die musikalische Identität der Band fasziniert rasch. Erzeugt sie doch unzählige Assoziationen zu Bands der Vergangenheit. Da ein Riff, das Erinnerungen weckt, dort ein Drumbeat, den man aus den Tiefen des Gedächtnisses zu kennen glaubt. Die Luzerner Band lockt einen in ein Wechselbad der Referenzen, in ein Ratespiel der Alternativeinflüsse, scheint sich im Eklektizismus zu winden und doch präsentiert sie sich im Ergebnis als absolut eigenständig. Dead Bunny zeigen sich als brutal starke Band, die genau weiss, was sie will und von der man gern noch mehr hören möchte. Da steigt auch gleich die Vorfreude auf das Debütalbum, das demnächst erscheinen soll.

 Monotales in action. Bild: Partyguide.ch
Monotales in action. Bild: Partyguide.ch

Bei der zweiten Band liegt der Hase wo anders begraben. Das Debüt ist bereits in den Läden und die Erwartungen in die Höhe geschraubt. Die Band hätte ihm versprochen, erst einmal eine Ballade zu spielen, damit sich alle vom Auftritt von Dead Bunny erholen könnten, meinte der Speaker. Die Band hält ihr Versprechen und startet mit einer wunderbar ruhig perlenden Countryballade ins Set, wie sie Wilco in ihren sanften Momenten nicht besser bringen könnten. "Vielen Dank für das Ausharren, viele müssen ja morgen wieder früh raus", sagt Sänger Mauro Guarise und fügte mit gespielt frustriertem Gesichtsausdruck hinzu, dass dies auch für ihn gelten würde. Da ist es bereits deutlich nach elf Uhr. Also viel zu früh, um Schluss zu machen.

Als Unterstützung bei If Your Love Had Made Me Strong gesellt sich die Sängerin Rita Peter zu den Monotales. Mauro Guarise greift zu einer Mundharmonika, entlockt ihr im mäuschenstillen Festsaal ein wunderschönes Intro und zaubert einen Moment für die Ewigkeit - die Zeit scheint kurz still zu stehen -, bevor er mit Rita Peter ins Duett startet. Es macht ganz den Anschein, als hätten die Monotales es geschafft, aus Country, Folk, Americana und Blues die edelsten Ingredienzien zu isolieren und daraus ihren betörend schönen Sound zu kochen. Egal, ob die Orgel wunderbar klagt, die Steel Guitar singt oder die Gitarren klimpern. Da haben eine Handvoll Schweizer tatsächlich verstanden, wie geil amerikanische Musikströmungen klingen sollen. Hut ab! Monotales - ein Name, den man sich merken muss. Die Erwartungen haben die Monotales jedenfalls problemlos übertroffen.


Die Summer Sounds laufen noch bis zum 31. August. Navel, King Pepe oder Pamela Mendez stehen bereits in den Startlöchern. Students verlost für alle Shows Tickets. Folgt einfach dem weissen Kaninchen ... ähm, nein ... diesem Link.

Titelbild: Promo-Pics der Bands

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