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16. August 2011, 14:45 CD / Vinyl Music

Das Spiel mit der Fassade: Cults - Cults

Katharina Bornhauser - Das New Yorker Duo Cults hüllt sich erfolgreich in Geheimnisse. Auch ihr erstes Album „Cults“ ist nicht das, was es zu sein scheint…

Das Spiel mit der Fassade: Cults - Cults
Im Zeitalter der digitalen Wissensbeschaffung, MTV Cribs und Twitter ist nur weniges ein Mysterium in der Welt der Celebrities. Aber die New Yorker Band Cults hüllt Details über ihre Existenz erfolgreich in einem Schleier von Geheimnissen. Es soll sich um ein Duo handeln, bestehend aus Madeline Follin und Brian Oblivion. Die Namen klingen wie Pseudonyme und die beiden verbergen auf dem Cover ihres ersten Albums ihre Gesichter hinter wehenden Haaren. Ihre Website besteht aus einem Videoclip und einem Link zu Facebook. Wer sind Cults?

Altmodische Authenzität

Vermutlich ist das die falsche Frage. Denn viel wichtiger als die Identität der Künstler ist ihr Produkt. Und das erste Album von Cults ist ein Kunstwerk der Popmusik. Gekonnt schafft es das Duo, die sechziger Jahre durch völligen Verzicht auf moderne Basteleien musikalisch wiederauferstehen zu lassen. Ihr Album „Cults“ ist keine Collage von wehmütiger Erinnerung an frühere Zeiten und zeitgemässen Kniffen des Musikbusiness. Keine Rosinenpickerei à la „Das Beste von heute und damals“. „Cults“ ist ein Werk, das dank seinem konsequenten Hang zum Altmodischen authentisch klingt.

Getreu dem Motto der Sechziger werden auch die Instrumente eingesetzt: Glockenspiel, schlichte Gitarrenhooks und Schlagzeug, das vornehmlich mit Jazzbesen bedient zu werden scheint. Genau in dieser Bescheidenheit liegt die Magie des Albums. Denn trotz der Sechziger-Retrospektive wirkt „Cults“ niemals bieder oder repetitiv. Dies ist grösstenteils Madeline Follin zu verdanken, welche mit ihrer kindlich-zarten Altstimme die düstersten Geschichten erzählt.

Universum aus Tränen und Tabus

Cults spielen mit der Fassade. Das Xylophon, das in „Never Heal Myself“ den Ton angibt, beschwört Bilder von in den Strassen der amerikanischen Suburbs herumkurvenden Eiswagen herauf. Doch so wie hinter der kleinbürgerlichen Fassade dunkle Abgründe lauern, verbergen Cults hinter der fröhlichen Arglosigkeit ihrer Melodien ein finsteres Universum aus Tränen und Tabus. Most Wanted“ erzählt in munterster Lebhaftigkeit von enttäuschten Hoffnungen und Drogenmissbrauch. „Bumper“ könnte auch ein Hit der Supremes sein, wäre da nicht die freimütige Verbalisierung von eher unbiederen Liebesturbulenzen sowie der Verwendung von Fluchwörtern. Beinahe unschuldig schwebt Follins Stimme über den heiteren Klängen, so dass man ihr trotziges „Fuck you“ („Never Saw The Point“) fast überhört, ihre meisterhaft intonierte Verzweiflung in „Abducted“ fast als Sorglosigkeit interpretiert, den Verfolgungswahn in „Bad Things“ mit religiöser Ehrfurcht verwechselt. Im Video zu „Go Outside“ thematisieren Cults das Drama um die Sekte „People’s Temple“, das 1978 fast 1000 Menschen das Leben kostete.

„Cults“ ist nur auf den ersten Blick ein sommerlich-fröhliches Album. Viel weniger als ein Altar der Sechziger Jahre ist „Cults“ eine Dokumentation von versteckten Gefühlen und betäubtem Schmerz. Ein süsslich-bitteres Monument für die beklemmende Vielschichtigkeit des Menschseins.

Offizielle Künstlerhomepage

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Tags
Musik, CD, Cults