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31. August 2011, 17:22 Konzert Music

Cloud Control wieder in der Hafenkneipe

Katharina Bornhauser - Die Australier von Cloud Control planen zwar nicht gerne, touren aber ab Herbst fleissig durch die Lande. Mit ihrem Album „Bliss Release“ machen sie Halt in der Schweiz, wo sie anhand ihres elegisch-folkigen Rock zeigen, wie man Gegensätze zu einem gehaltvollen Ganzen verschmelzt.

Cloud Control wieder in der Hafenkneipe
Eigentlich ist es nichts Neues: Folk, Pop und Weltschmerz fusionieren et voilà, man wird das „next big thing“ genannt. Bei Cloud Control ist es aber etwas anders.

Cloud Control, das sind Alister Wright, Jeremy Kelshaw und das Geschwisterpaar Heidi und Ulrich Lenffer. Ihr Debütalbum „Bliss Release“ versetzte Musikkritiker in einen entzückten Zustand der Atemlosigkeit, der dem Anfall eines Asthmatikers nach einem Marathon gleichkommt. Cloud Control erhielten den renommierten Australian Music Prize, gewannen „Best Independent Album“ an den Independent Music Awards, wurden für den angesehenen J Award nominiert und erhielten einen Preis von BBC. Die vier Australier traten mit bedeutenden Bands wie Vampire Weekend, Arcade Fire oder The Temper Trap auf. Und das alles, ohne es geplant zu haben. Denn Cloud Control fanden sich nicht aus geltungsbedürftigem Ehrgeiz nach dem Rampenlicht, sondern begannen ihre Karriere mit einem Jux. Heidi Lenffer meldet sich und ihre an einer Theaterprobe getroffenen Zufallsbekanntschaften an einem Bandcontest an. Den die vier dann auch gewannen. Aus Spass an der Freude machten sie gleich weiter – und veröffentlichten 2008 ihre EP „Cloud Control“. 2010 erscheint ihr erstes Album „Bliss Release“, auf dem die Australier Rock, Folk und Pop zu einem gehaltvollen Ganzen verschmelzen lassen.

Das hört sich zuerst etwas alternativ an, nach Birkenstock Sandalen und Tofuwürstchen, erst recht bei einem so nebelhaften Namen wie „Cloud Control“. Aber so hippiesk ihre Musik auch klingen mag, Cloud Control halten nichts von der Blumenkinder-Verwahrlosung, sondern gucken so mürrisch in die Welt, dass ihre bunten Röhrenhosen das einzig Frohe im Bild sind. Vielleicht mögen Cloud Control keine Fotoshootings. Vielleicht vereinbaren sie aber als Band zwei eigentlich entgegengesetzte Philosophien: Die inszenierte Unbeeindrucktheit der modernen Rockbands in der Attitüde und die tief empfundene Sensibiliät in der Musik.Da zupft Gitarrist Alister Wright wehmühtig in die Saiten, während ein Arsenal von Schellen und Rasseln den Songs eine Weichheit verleiht, die man in der Sparte „Independent Rock“ oft vermisst. Da hört man bluesige Gitarrenvorlagen und elegische Gesänge, die beinahe hypnotisch wirken. Da wechseln sich beschwingte Klavierpassagen mit melancholischen Folkmomenten ab. Cloud Control hören sich so authentisch gefühlvoll an, zwischen Trübsinn und Hochgefühl schwankend, dass sich das oft angewandte Rezept „Rock+Folk“ plötzlich ganz neu und vor allem anders anhört. Die Songs von Cloud Control wirken niemals konstruiert oder durchorganisiert. Vielmehr klingt es nach einer sehr gelungenen Jamsession von vier überdurchschnittlich begabten, aber dennoch lässigen Musikern. Cloud Control planen eben nicht gerne.

19.09.2011 19 Uhr Hafenkneipe Zürich

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