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18. Oktober 2011, 14:16 Wahlen 2011

Occupy Paradeplatz - eine Replik

students Redaktion - In seinem letzten Blogbeitrag vom 11. Oktober 2011 forderte der Präsident der Jungen Grüne Schweiz, Martin Neukomm, zum Protest gegen die Finanzwelt auf. Das ist falsch. Ich befürworte die Fortsetzung der Erfolgsgeschichte Schweiz und rufe Wählerinnen und Wähler zur Teilnahme an den Wahlen auf.

Occupy Paradeplatz - eine Replik
Die Anti-Wall Street Bewegung hat am vergangenen Wochenende die Schweiz erfasst. Demonstranten besetzten von Samstag bis Montag früh den Paradeplatz. Währenddessen der normale Steuerzahler zur Arbeit geht, verschieben sich die Aktivisten auf den Lindenhof. Der ganze Aufstand gilt dem Finanzsystem und der politischen Elite. Derweil wird von linker Seite die Verstaatlichung der Banken gefordert, die Abschaffung des Kapitalismus und gleicher Lohn für alle – oder besser: weniger für alle!

Diese Forderungen sind nicht nur realitätsfremd, sondern absurd. Die Wut über die exzessiven Bonizahlungen an einzelne Banker ist verständlich und stossend. Die Etatisten in unserem Land, also das ganze Spektrum von SP bis GLP, scheinen allerdings rund um die Diskussion Bonizahlungen einen vernebelten Blick zu erhalten. Statt Objektivität und Sachlichkeit walten zu lassen, poltern sie lieber gegen ein paar einzelne schwarze Schafe. Tatsache ist nämlich, dass ein Vergleich der Schweiz mit dem Ausland nicht angebracht ist. Nachfolgend eine Abhandlung am Beispiel Griechenlands.

Die Schweiz trotzt der Krise bisher erfolgreicher als jedes andere Land. Das Eidgenössische Parlament hat mit Annahme der „too big to fail“ Vorlage die Zeichen der Zeit erkannt. Mit den neuen Eigenkapitalvorschriften ist ein erster Schritt in die richtige Richtung vollzogen. Und die Arbeitslosenquote ist nirgends so tief wie in der Schweiz. Griechenland hingegen kämpft täglich gegen den unvermeidbaren Staatsbankrott. Die Griechen zeigen sich trotz Krise reformunwillig. Stattdessen folgen Strassenschlachten. Und in Brüssel wird die hohle Hand gemacht. Zahlen dürfen andere. Geht man der Sache auf den Grund, ist alles ganz einfach. Im Jahre 1981 kam Andreas Papandreou als erster sozialdemokratischer Premierminister Griechenlands an die Macht. Seine Popularität erkaufte er sich mit staatlichen Mindestlöhnen, Arbeitsplatzgarantien und dem Ausbau der Bürokratie. Dies mit fatalen Folgen. Die Staatsverschuldung stieg während seiner Amtszeit von 20% auf 80% des Bruttoinlandsproduktes. Kein Wunder. Verwundern muss vielmehr, dass die Forderungen nach staatlichen Mindestlöhnen, Arbeitsplatzgarantien und mehr Bürokratie bis heute ganz oben auf der Traktandenliste der Sozialisten stehen.

Und der Rattenschwanz zieht sich fort. Die französisch-belgische Großbank Dexia ist wegen ihres starken Griechenland-Engagements in die Bredouille geraten. Vor diesem Hintergrund ist der einzig berechtigte Vorwurf an die Adresse der Banken, dass diese in Anleihen von Sozialisten regierten Staaten investiert haben.

Das liberale Wirtschaftssystem und die indirekten Demokratie macht unser Land einzigartig. Das Volk ist der Souverän. Der Protest am Paradeplatz ist daher verfehlt – Protest ist am 23. Oktober 2011 an den Urnen angebracht. Die Erfolgsgeschichte Schweiz, deren Aufbau seit über 163 Jahren die Handschrift des Freisinns trägt, ist noch nicht zu Ende. Deshalb wähle ich am kommenden Sonntag FDP und Jungfreisinnige – aus Liebe zur Schweiz!

Die Autorin: Tamara Lauber ist 30 Jahre alt, von Beruf Juristin. Sie war sechs Jahre lang im Vorstand der Zürcher Jungfreisinnigen, davon präsidierte sie zwei. Heute ist sie FDP Gemeinderätin der Stadt Zürich.
www.tamaralauber.ch

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Kommentare
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raphaelrueck89 21.10.2011 um 09:00
Ganz deiner Meinung Dr_von_und_zu_Guttenberg. Vielleicht wird es Frau Lauber beruhigen zu lesen, dass die nächste Occupy Demo auf dem Paradeplatz von der Zürcher Polizei offiziell bewilligt wurde. Ich werde am Samstag auch teilnehmen und am Montag wie "der normale Steuerzahler zur Arbeit" gehen...
Oli_4D 18.10.2011 um 15:29
Hier scheint jemand die Augen vor der Realität völlig zu verschliessen.
In den letzen Jahren ist die Schere zwischen den normal Verdienern (welche in den letzen 10 Jahren kaum reale Lohnerhöhungen erhalten haben) und den wenigen paar Prozent Kader und Topmanagement, deren Löhne geradezu explodiert sind, massiv auseinander gegangen.

Vor 20 - 30 Jahren sind die Banken noch nicht völlig unkalkulierbare Risiken eingegangen. Heute tun sie es. Mit fatalen Folgen. Nicht in erster Linie für sich selbst, sondern für die Realwirtschaft.

Des weiteren wetten Spekulanten mit unvorstellbaren Summen gegen Währungen und nehmen es in Kauf, ganze Volkswirtschaften an den Abgrund zu reissen.
Selbst auf Agrarrohstoffe wird rücksichtslos gewettet. Dass das Reis, Mais und weiteres für hunderttausende von Menschen damit unbezahlbar wird und Hungersnöte sich verschlimmern, spielt offenbar keine Rolle.

Warum erwähnen Sie all dies mit keinem Wort, Frau Lauber?