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20. Oktober 2011, 21:37 Kolumnen Kultur students.ch

Transparenz

- In Zeiten der absoluten Informationsflut, werden die Töne nach Transparenz lauter. Welche Hindernisse diese Forderung mitsich bringt und welche Problematik sich dahinter verbirgt, blieb vielen verborgen. Ein Einblick.

Transparenz
Die Diskussion mit der Transparenz ist immer ganz nett und hört sich toll an, nur wer hat denn wirklich effektiv die Möglichkeit diese ganzen Informationen zu verwerten? Also ich hatte gestern Abend nach einem 12h Uni-Tag, nicht die Zeit, Lust und Laune rund 60 E-Mails zu lesen.

Nun könnte ich mir jemanden nehmen, der das aus seiner Weltsicht heraus zusammenfasst. Bringt mir aber nichts, bin ja eh anderer Meinung. Also, wenn schon Transparenz, dann bitte auch über die Tools reden, die es überhaupt erst ermöglichen, an dieser Transparenz teilzuhaben und auch damit wird man eines nicht verhindern, nämlich dass die Zweit-Wiedergabe von Informationen die original Informationen verändert.

Ähnliches passiert auch bei den von Wikileaks zur Verfügung gestellten Informationen. Sie sind da, sie sind sogar bekannt, sie haben nur keinen spürbaren Effekt, da die Zuführung der Informationen (ob der Darstellungsweise) dann doch nur wieder ein paar Wenigen direkt zur Verfügung steht und die Masse hier nicht die Aufarbeitung betreibt, die sie hätte betreiben müssen. Dadurch sind diese Informationen trotz aller Offenheit, monopolisiert und die Medien haben nur ein Interesse am Skandal, nicht an den Folgen. Während die paar wenigen Internetaktivisten keinen Zugriff auf die Massen haben.Analog zum Thema Gender, wird auch hier zunächst der zweite Schritt gefordert, ohne den ersten Schritt gegangen zu sein. Kann man alles machen, man wird dann nur genau auch an diesem Punkt scheitern, sprich die Gesellschaft zieht nicht mit. Sie kann es aus ihrer Lebensrealität heraus auch gar nicht. Ich halte das für kontraproduktiv. Im Fazit: Transparenz, ja bitte. Aber nur im Einklang mit konkreten Formen der Ermöglichung von Teilhabe. Auf Nachfrage, wie genau das nun gemeint sei, ergänzte ich:

Je mehr Informationen vorhanden sind, je weniger Möglichkeit hat der Einzelne diese zu verarbeiten und desto mehr ist er auf andere angewiesen. Durch das nutzen anderer Personen, liefert man sich aber auch der Interpretation und Fähigkeit anderer aus. Wir landen eigentlich nur da, wo wir herkommen. Beim Journalismus oder abgewandelten Formen davon.

Nennen wir sie mal Informationsverarbeiter. Diese Informationsverarbeiter monopolisieren den Zugang zu Informationen dahingehend, dass Leser an sich binden und Informationen für diese nach Wichtigkeit aussuchen, nach ihrem eigenen Weltbild kategorisieren oder und auf Basis ihrer eigenen Qualität aufbereiten.Welche Relevanz das Thema Qualität der Aufbereitung hat, kann man anhand der BILD oder, ein Beispiel des Internets, anhand von SPON bewundern. Das der Einzelne eine theoretische Möglichkeit hat, ist nicht relevant, weil er sie nicht in sein Leben integrieren kann. Das beweist sich schon länger am Kapitalmarkt, denn hier ist die Masse an Informationen in den letzten Jahren extrem angestiegen, was zu starken Vorteilen für “personell ausreichend besetzte” Marktteilnehmer führte und die Möglichkeiten für kleinere Gesellschaften oder gar Einzelpersonen erheblich einschränkte. Die Information funktioniert an dieser Stelle wie eine Markteintrittsbarriere. Es bedarf ohnehin schon eines recht hohen Wissensstands und musst dann man noch Informationsmassen bewältigen, die zur Lebensaufgabe werden. Als Gegenreaktion darauf bildeten sich vermehrt Anlaufstellen für private Anleger, die teilhaben wollen, und trieben sie nicht selten in Aktien und andere Produkte, die eine tolle Story hatten, aber mehr auch nicht. Zum Nachteil der Betreffenden. Ein simples Informationsdefizit.

Das ist noch nicht mal ein Paradox, sondern urmenschliches Handeln. Jeder hat eine persönliche Agenda. Der Unterschied ist immer nur, wie weit der Einzelne geht, um diese umzusetzen. Daran bemisst sich dann die Höhe des Schadens, wenn sich jemand durchsetzt. Es setzt sich immer jemand durch. Der Gegenpart zu diesem „jetzt“, der postuliert wird, ist die Weisheit der Massen. Sie führt aber zwangsläufig nur zum Durchschnitt. Also, selbst wenn man irgendwann an diesem Punkt landet, wird man nie das beste Ergebnis erzielen können.

Jango

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