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21. Oktober 2011, 00:27 CD / Vinyl Music

Coldplay – Mylo Xyloto

Eray Müller - Coldplay veröffentlichen ein Konzeptalbum, das eine Liebesgeschichte mit Happy End darstellt. Mylo und Xyloto, die beiden Protagonisten, wachsen in einem urbanen Umfeld auf, treffen sich in einer Gang namens „The Lost Boys“ und verlieben sich. Das Album überzeugt und missfällt gleichermassen.

Coldplay – Mylo Xyloto
Drei Jahre ist es her, seit die britische Band ihr letztes Album Viva la Vida or Death and All His Friends veröffentlicht hat. Nach einer knapp zweijährigen Tour gönnte sich die Band eine kurze Auszeit, um danach Mylo Xyloto aufzunehmen. Entstanden ist ein vielseitiges Album, das einerseits überrascht, aber gelegentlich auch Fragen aufwirft. Während Coldplay auf dem letzten Album das Leben feierten und positive Pophymnen lieferten, wird auf „Mylo Xyloto“ die eher düstere Geschichte der beiden jugendlichen Protagonisten erzählt. Die Texte sind reifer geworden und die Musik experimenteller. Hinzugekommen sind elektronische Spielereien. Doch ist das wirklich auch besser? Die Berner Zeitung beschrieb Coldplay jüngst ziemlich treffend. Coldplay zu hören sei wie einen Champions-League-Final schauen: Man freue sich darauf, habe eine klare Meinung zum Geschehen, auch wenn man nur zum Spass mitfiebere, und sei am Schluss ein wenig enttäuscht, dass nicht mehr passiert ist. Genauso ist es auch mit dem neuen Album. Es ist nicht schlecht, im Gegenteil, „Mylo Xyloto“ hat einige sehr schöne Momente zu bieten. Trotzdem ist die Euphorie nicht mehr dieselbe wie noch vor einigen Jahren. Zweifelsohne werden die Briten zwar auch mit diesem Werk die Hitparaden der Welt stürmen, aber ist damit das Ziel erreicht?

Nach dem sphärischen instrumentalen Titelsong folgt mit Hurts like Heaven ein eher fragwürdiger Song. Hastig und stressig erinnert der Song eher an Mika als an Coldplay. Das Rezyklieren bereits vorhandener Musik ist ja nicht neu, aber sollte man sich nicht an „besserer“ Musik orientieren? Der Titel ist Programm, der Song schmerzt in den Ohren. Dafür überzeugt Paradise umso mehr. Die ersten Sekunden erinnern sehr an den Lord of the Rings-Soundtrack, dann folgt ein bombastischer Einstieg à la Hurts. Der Refrain könnte auch Paro-paro-parody heissen. Der Song ist trotz aller Kritik einer der Highlights des neuen Albums, ebenso Charlie Brown. Und auch Us Against the World steigert sich vom simplen Akustiksong zur grossartigen Ballade.

Das instrumentale M.M.I.X eröffnet den zweiten Teil des Albums, bevor mit Every Teardrop is a Waterfall wieder einer der schwächeren Songs folgt. Der fürchterliche Discobeat steht der Band nicht. Sowieso ist das Album teilweise hoffnungslos überproduziert, Ecken und Kanten gibt es keine. Auch Major Minus ist wie der Titel bereits sagt ein „grösseres Minus“. Glücklicherweise bremst U.F.O. die Talfahrt. Doch offenbart Chris Martin in der ersten Zeile Lord, I don’t know which way I am going eine musikalische Verzweiflung? Weiss die Band, welche über 50 Millionen Alben verkauft hat, plötzlich nicht mehr weiter? Musikalisch könnte man das meinen. So lustlos und inkongruent hat man Coldplay selten gehört. Sollte das Album nicht ein Konzeptalbum werden, bei welchem ein roter Faden zu erkennen ist? Dass sogar Rihanna als Gastsängerin eingeladen wurde, unterstützt diese Annahme. Tun Coldplay wirklich alles, um Erfolg zu haben? Schöne Zukunftsaussichten! Ist das eine musikalische Horizonterweiterung oder eine wirtschaftliche Expansion? Natürlich können so noch mehr Fans erreicht und der Gewinn noch weiter maximiert werden, trotzdem ist es schade, dass Coldplay noch weiter vom Kommerzstrudel eingesogen wurden. Andererseits fällt der Song gar nicht so auf, haben Coldplay den Schritt vom kleinen Indie-Act zur stadionfüllenden Megaband doch längst vollzogen. An der musikalischen Darbietung des Duetts gibt es hingegen nichts auszusetzen. Sowohl Chris Martin als auch Rihanna singen ihre Zeilen ordentlich. Up in Flames wird vor allem die langjährigen Fans freuen. Der Song lebt von der Leere zwischen dem Klavier und der Stimme und ist am ehesten noch vergleichbar mit den Songs vom Debütalbum Parachutes oder vom zweiten Album A Rush of Blood to the Head. Hier sind die grossen Melodien und Emotionen, welche ab dem dritten Album X&Y breiten Gitarrenwänden und epischen Soundteppichen weichen mussten.

Der dritte Teil wird von A Hopeful Transmission eröffnet, bevor das durchzogene Album mit Don’t Let it Break your Heart, welches sehr an U2 erinnert, und der Ballade Up with the Birds ein Ende findet. Zurückbleibt ein etwas schaler Nachgeschmack. War’s das schon? Mit Wehmut kommen Erinnerungen an Yellow, Trouble oder In My Place hoch. Das waren noch Zeiten. Auch wenn der viel zitierte Satz „Früher war alles besser“ nicht immer stimmt, zumindest bei Coldplay ist es so.

Gerüchten zufolge werden Coldplay im nächsten Jahr in der Schweiz spielen. Ob es sich dabei um eine Hallen- oder Stadionshow handelt, ist noch nicht bekannt. Im Dezember spielt die Band zuerst einmal einige ausgewählte Konzerte in Spanien, Grossbritannien, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden und Belgien.

Weitere Informationen:
Coldplay

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