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14. Dezember 2011, 03:23 Konzert Music

Chili Peppers zeigen Kür mit Hits aus drei Dekaden

Patrick Holenstein - Das Warten auf die Red Hot Chili Peppers hatte am Dienstagabend endlich ein Ende. Nach fünf Jahren rockte die Kulttruppe aus Kalifornien wieder im Hallenstadion. Kaum verwunderlich, dass es grossartig war. Eine Frage stellte sich allerdings: Würde der Abgang von John Frusciante auffallen?

Chili Peppers zeigen Kür mit Hits aus drei Dekaden
Gerne hätte ich auch einige Wort zu FOALS geschrieben, denn die quirlige Elektro-Band aus England, die das Vorprogramm bestritt, soll durchaus sehenswert sein. Leider verpasst, weil ein Medieneingang offenbar nicht vorhanden war, ich von einem pickelharten Security zur Schlange verwiesen wurde und so eine Dreiviertelstunde in der Kälte den Einlass erstehen musste. 17 Jahre Konzerterfahrung, aber so lange stand ich noch vor keiner Halle. Ob dieser Aufwand mit den gefälschten Konzerttickets zu tun hat, die beim Rihannakonzert am Samstag aufgetaucht sind? Geschenkt. Geärgert hat sich jedenfalls auch ein Paar aus England: «The worst Organisation ever», wetterten sie. So weit würde ich dann doch nicht gehen.

Der Missmut war sicher auch bei den fluchenden Weitgereisten schnell verflogen, als um 21.10 Uhr das Licht löschte. Sofort flackerten hunderte Handy-Displays auf. Die Red Hot Chili Peppers starteten mit einem Jam ins Set und verwandelte diesen nahtlos in «Monarchy Of Roses». Was danach folgte, war reiner Zunder für das eh schon lodernde Feuer im Publikum. «Dani California», «Scar Tissue» und der Klassiker «Can’t Stop» bildeten ein hochexplosives Trio. Spätestens jetzt saß keiner mehr in der Halle und auch die Stimmbänder einer bei jedem Song exzessiv kreischenden jungen Frau, die wenig Plätze neben mir komplett ausrastete, zeigten erste Abnutzungserscheinungen. Als Sänger Anthony Kiedis kurz darauf zum größten Chor der Welt anstimmte, gab sie aber nochmals alles. Leider traf sie nur wenige Töne, aber das ist egal, sie steht als Beispiel dafür, wie sehr die Chilis begeistert haben.

 Die Red Hot Chili Peppers. Fotografiert von Ellen von Unwerth
Die Red Hot Chili Peppers. Fotografiert von Ellen von Unwerth

Acht bewegliche Monitore und ein riesiger Screen im Rücken der Band fingen das Geschehen ein und lenkten die Aufmerksamkeit hin und wieder durch geschickte visuelle Fokussierungen auf die Fingerspiele der Saitenmänner. So wurden die vielen konsequenten und auf den Punkt gebrachten Instrumentaleinlagen, sprich die Musik gewürdigt. Und da gibt es wirklich kaum etwas zu bemängeln. Chad Smith haute wie ein Berserker auf sein Schlagzeug, allerdings zeigte er dabei sehr viel Gefühl. Flea und der Neue an der Gitarre, Josh Klingenhoffer, konterten und stimmten mit in das Crossover-Funk-Feuerwerk ein, das die Chili Peppers während fast zwei Stunden abbrannten. Kein Hit hat gefehlt, Songs wie «Under The Bridge» oder «Californication» vermochten restlos zu begeisterten und so wurde die Show für die Red Hot Chili Peppers zu einer Kür, die sie durch Hits aus fast drei Dekaden führte.

Bleibt noch die Frage nach Frusciantes Ersatzmann. Klingenhoffer hat seinen Job sehr gut gemacht, dass darf ruhig gesagt werden. Immerhin hatte er nicht irgendwen zu ersetzen. John Frusciante, der die Chili Peppers nach der letzten Tour verlassen hat, gilt als Gitarrist, der nicht nur sein technisches Handwerk exzellent beherrscht, sondern auch eine unverkennbare Persönlichkeit in seinem Spiel besitzt. Der Neue an der Gitarre hat sich sauber ins Spiel der Band eingebracht und – so ungern das wohl Anhänger von Frusciante hören – sein Vorgänger dürfte kaum vermisst worden sein.

Für die Zugaben kehrt Flea im Handstand auf die Bühne zurück, bevor die gesamt Band mit «Meet Me At The Corner», «Give It Away» und einem minutenlangen Jam einen würdigen Abschluss für ein grossartiges Konzert bot.



Bildcredits: Promobilder von Ellen von Unwerth

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