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8. April 2007, 00:00 CD / Vinyl

Neil Young - Live at Massey Hall 1971

Christina Ruloff - Artist: Neil YoungAlbum: Live at Massey Hall 1971Release: 30.03.2007Label/Vertrieb: WarnerLeonard Cohen ist bekanntlicherweise der „grösste Poet Kanadas“. Dass man ihm diesen Titel zugeschasst hat, liegt wohl vor allem daran, dass man ihn kaum als den „grössten Sänger Ka...

Neil Young - Live at Massey Hall 1971
Artist: Neil Young

Album: Live at Massey Hall 1971

Release: 30.03.2007

Label/Vertrieb: Warner

Leonard Cohen ist bekanntlicherweise der „grösste Poet Kanadas“. Dass man ihm diesen Titel zugeschasst hat, liegt wohl vor allem daran, dass man ihn kaum als den „grössten Sänger Kanadas“ bezeichnen kann: Dieser Titel gebührt nämlich einem, der vor langer Zeit gen Süden abgewandert, aber natürlich noch immer Kanadier ist: Neil Young.

Nachdem er in Los Angeles Ende sechziger Jahre seine ersten grossen Erfolge mit Folk Rock gefeiert hatte, erfüllte er sich den grossen Traum eines jeden Folksängers und kaufte eine Ranch in Kalifornien. Wer Young etwas kennt und weiss, dass bei ihm zu Hause und in den Kellern von Warner noch ein ganzes, noch unveröffentlichtes Lebenswerk vor sich hinschlummert, der ahnt, dass der freiwillige Rückzug nicht lange dauerte. Young begann sich – zum Glück – zu langweilen, schrieb eine Menge inzwischen zu Klassikern avancierten Songs und ging auf Tour. Die Aufnahmen aus der Massey Hall, Toronto stammen aus dieser Zeit und sind einfach grossartig.

Neil Young steht allein auf der Bühne, sitzt am Klavier oder spielt Gitarre. Ab und dann erzählt er, wie dieses oder jenes Lied entstanden ist, woher es stammt und warum es ihm wichtig ist. Vor allem aber singt Young. Und seine Stimme ist hell und von einer Klarheit und Intensität, wie man es sich bei Live-Auftritten nur erträumen kann. Er beginnt mit dem Klassiker On the Way Home, kommt bald zu seinen neune Liedern. In Old Man singt er „Old man take a look at my life / I'm a lot like you / I need someone to love me / the whole day through“ und man sofort gebannt. „ Helpless, helpless, helpless /Baby can you hear me now? /The chains are locked /and tied across the door, /Baby, sing with me somehow“ heisst es in Helpless und man sieht diese Situation, von der Young vor sich, spürt sie, erlebt sie mit. Es ist offensichtlich und warum Neil Young einer der ganz Grossen im amerikanischen Folk ist. Er zeichnet in kurzen Liedern und wenigen Zeilen intensive Bilder und Stimmungen, irgendwo weit weg in diesem fast mythischen Amerika und doch ganz nah bei uns und mag sie unvergesslich zu interpretieren. Es folgen A Man needs a Maid, Cowgirl in the Sand, Down by the River und Dance, Dance, Dance, ein Song, der einfach glücklich machen muss. Und obwohl mehrere hundert Leute dagesessen haben müssen, ist es leise, ja still im Saal –ein respektvolleres, ja verehrenderes Publikum wurde auf eine Live-Aufnahme wohl kaum erlebt – und man glaubt hin und wieder für einen winzigen, magischen Moment, dass Young nur für einen singt.

Neil Young gehört sicherlich nicht zu den zugänglichsten Musikern; seine Musik und seine Lyrics brauchen wie alle wirklich schönen Dinge Zeit, Aufmerksamkeit, Hingabe und Leidenschaft; einmal schnell beim Abwaschen im Hintergrund hören, das wird für Young nicht reichen und wird ihm auch nicht gerecht. Wenn man aber mal mit von der Partie ist, rettet Young den Hörer durch unendliche Zugfahrten. „Some are bound for happiness /some are bound to glory /Some are bound to live with less / who can tell your story?“ singt er in See the Sky about to Rain. Live at Massey Hall 1971 ist eine hervorragende Gelegenheit mit auf den Tender zu springen und Young kennen zu lernen. Für alle Fans ist die Platte ohnehin ein Must.

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