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22. Januar 2012, 18:43 Kultur

Ganz im Gegenteil II

Junges Schauspielhaus - Das Welterfinden geht weiter - Neue Perpsektiven in der zweiten Probenwoche von "Der Hund mit dem gelben Herzen oder Die Geschichte vom Gegenteil" am Jungen Schauspielhaus Zürich

Ganz im Gegenteil II
„Ist ja nur so eine Idee von mir, aber es müsste irgendein Gegenteil geben.“, lässt Jutta Richter die Figur Lobkowitz in ihrem Roman „Der Hund mit dem gelben Herzen oder Die Geschichte vom Gegenteil“ sagen. Das haben wir uns in der zweiten Probenwoche zu Herzen genommen und gewissermassen die Seiten gewechselt. Am Dienstag wurde Probenzeit einmal anders genutzt und wir sind alle gemeinsam nach Bern gefahren, um selbst ins Theater zu gehen. Denn Judith steht dort momentan in „Triumph der Liebe“ auf der Bühne. Die Theatermacher sind also plötzlich Zuschauer. Und die Schauspieler, die sonst mit Judith auf der Bühne stehen, sehen ihre Kollegin aus dem Publikum mal aus einem ganz anderen Blickwinkel.

Und weil sich oft ganz neue Eindrücke und Perspektiven ergeben, wenn man das Gegenteil von dem tut, was man sonst immer macht, nehmen wir uns diese Woche noch mehr Zeit zum Zuschauen und Zuhören. Die Geschichte um den Erfinder G.Ott, seinen ehemals besten Freund Lobkowitz und ein Geschwisterpaar, das sich ein seltsames Haustier zugelegt, nimmt zwar schon langsam Form an, wir wissen aber immer noch nicht genau, was es bedeutet wie G.Ott eine Welt zu erfinden. Deshalb beschliessen wir, einen Experten einzuladen. Adrian Berger natürlich! Er hat vor einigen Monaten schon bei der Produktion „Remember me“ mitgewirkt, kennt das Theater etwas genauer von seiner Dramaturgiehospitanz bei „Merlin“, arbeitet aber sonst als Spitalpfarrer. Er kennt sich also von Berufs wegen mit dem Schöpfen und Welterfinden aus.

Während wir Adrian bei seinem Besuch Ende der Woche zuhören, zeigt er uns ganz neue Sichtweisen auf. Jutta Richter beziehe sich viel auf die Bibel, sagt er. Außerdem lege die Geschichte eine sehr neutestamentarische Interpretation der Schöpfung dar. Unseren G.Ott verstehe er als eine anthropomorphe Vorstellung des Schöpfers. Und den Schöpfer könne man als das verstehen, worüber hinaus nichts Grösseres gedacht werden kann. Dass Jutta Richters Buch so eng mit dem „Buch der Bücher“ verknüpft ist, hätte ich nicht gedacht. Judith, Fabian, Olli, Peter (im Probenkostüm, im Gegensatz zur Arbeitskleidung unseres Gastes, dem schwarzen Anzug) gucken sehr ernst, als würden sie sich fragen, wie man genau das spielerisch auf der Bühne umsetzen kann.

In welchem Verhältnis der verstossene Freund Lobkowitz zu G.Ott steht und welche Rolle er beim Welterfinden spielt, kann Adrian nicht genau erklären, das müssen wir bei den Proben selbst herausfinden. Ein gefallener Engel eventuell? Eine Art Luzifer? „Ist doch klar“ sagen wir ganz eindeutig nach unseren Erfahrungen in der letzten Woche, „er ist ganz einfach sein Gegenteil!“ Wie das dann auf der Bühne aussieht, werden wir unserem begleitenden Experten beim nächsten Mal zeigen.

Fortsetzung folgt nächste Woche...

Von Sinja Marie Krüger

Kommentare
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mensch2012 23.01.2012 um 11:19
Eigentlich ist es viel einfacher mit G.ott als der Herr Spitalpfarrer meint:
Wenn wir die Abbilder sind steckt der G.ott sowieso in uns.
Herzlich
Jutta Richter