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8. März 2012, 17:09 Movie

Kino: Shame

Gregor Schenker - Michael Fassbender spielt einen sexbesessenen Geschäftsmann und hält seinen Pimmel in die Kamera. Ein grosses Kunstwerk oder auch bloss ein Skandal ist "Shame" trotzdem nicht.

Anonyme One-Night-Stands, Prostituierte, Pornos, Wichsen auf der Geschäftstoilette – das Leben von Brandon (Michael Fassbender) dreht sich einzig um die Triebabfuhr. Dennoch findet er nebenher die Zeit, ein erfolgreicher Geschäftsmann zu sein und sich ein teures Appartement mitten in New York zu leisten.
Seine Schwester Sissy (Carey Mulligan) zieht ungefragt bei ihm ein, weil sie wieder einmal Probleme mit einem Liebhaber hat. Während ihr Bruder ein knallharter Geschäftsmann ist, ist sie eine leidenschaftliche Sängerin: Sie lässt einfach ihr Zeug herumliegen, schläft mit Brandons Chef und trinkt Orangensaft direkt aus der Tüte. Ist denn das zu fassen! "Shame" soll übrigens ein Drama sein, keine Komödie.

An einer Stelle singt Mulligan (die im grandiosen Drive richtig gut war) eine stark verlangsamte Version des Sinatra-Hits "New York, New York". Eine Szene, die den ganzen Film charakterisiert: Hochgradig ästhetisch und schön anzusehen, aber seelenlos und langweilig. Der Zweitling des Regisseurs und Drehbuchautors Steve McQueens (schon sein Regiedebüt Hunger zeigte Fassbender in der Hauptrolle) ist voller wunderschöner Bilder von New York, modernen Appartements und Kopulationen. Aber jenseits davon hat er nichts zu bieten als gepflegte Langweile.

Wenn Fassbender zu Klängen klassischer Musik durchs Geschäftsviertel joggt oder im Regen demonstrativ emotional zusammenbricht, merkt man schnell, dass Shame bei allem Kunstanspruch vor allem aus Klischees zusammengebastelt ist. Eine gemächliche Inszenierung und lange Einstellungen müssen nicht schlecht sein, betonen hier aber die inhaltliche Leere dieses rührseligen Lehrstücks. Hinzu kommen überraschungsfreie Handlungsentwicklungen und bescheuertes Soap-Opera-Drama. Dafür entschädigen weder nackte Brüste noch Fassbenders Penis.

Apropos: Shame will ein Skandal sein, erschreckt aber höchstens Theologiestudenten. Die ganze Handlung dreht sich um Brandons Sexsucht, deren Problematik zu keiner Zeit nachvollziehbar ist. Sie hält ihn nicht davon ab, im Beruf erfolgreich zu sein, und das geistige Leiden bleibt reine Behauptung. Der Film ist viel zu zahm und harmlos, um tatsächliche Exzesse zeigen zu können. Dass sich Brandon am Schluss in einer Schwulenbar einen blasen lässt, soll schockieren. Der Moment entlarvt bloss die verklemmte Moralität des Regisseurs.

Vielleicht war es ja Absicht, dass Shame so hohl und leer wie das Leben seiner Hauptfigur ist. Aber wieso soll sich der Zuschauer das antun?


Bewertung: 2 von 5


  • Titel: Shame
  • Land: USA
  • Regie: Steve McQueen
  • Darsteller: Michael Fassbender, Carey Mulligan
  • Verleih: Frenetic Films
  • Start: 8. März 2012
Fotos von Frenetic Films
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