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4. April 2012, 11:32 Kultur Movie

Kino: Iron Sky

Gregor Schenker - "Iron Sky" handelt von Nazis, die sich 70 Jahre auf der Rückseite des Mondes versteckt haben und sich nun anschicken, die Erde zu erobern. Leider ist der Film nicht halb so lustig, wie das klingt.

Kino: Iron Sky
Während Hollywood die Felle davonschwimmen sieht und in der Panik mit allen Mitteln gegen Internetpiraten und illegale Downloads vorgeht, nutzen aufstrebende Jungfilmer die Möglichkeiten des World Wide Web für ihre Zwecke. Bestes Beispiel hierfür ist der Finne Timo Vuorensola, der mit ein paar Kumpels die Raumschiff-Enterprise-Parodie Star Wreck: Star Wreck: In the Pirkinning auf die Beine stellte und dank Gratisupload weltweit Aufmerksamkeit gewinnen konnte. Es war die Unterstützung der internationalen Fan-Community, die es Vuorensola schliesslich ermöglichte, das Folgeprojekt zu stemmen: Ein Film über Nazis, die nach 70 Jahren auf der Rückseite des Mondes zurückkehren, um die Erde zu erobern.

Die Geschichte setzt im Jahre 2018 an. Sarah Palin, Präsidentin der USA, schickt zwei Astronauten auf den Mond, um mit dem resultierenden Werbeeffekt ihre Wiederwahl zu sichern. Dort stossen die beiden auf eine Kolonie der erwähnten Nazis. Während nun die Bösewichte unter Leitung des zukünftigen Führers Klaus Adler (Götz Otto) versuchen, sich auf der Erde ein Smartphone zu beschaffen, um damit den Computer des Kriegsraumschiffes Götterdämmerung zu ersetzen, verguckt sich die junge Lehrerin Renate Richter (Julia Dietze) in den schwarzen Astronauten James Washington (Christopher Kirby). Mit der Zeit merkt sie, dass die Naziideologie womöglich gar nicht so toll ist, wie sie immer dachte.

Fast schon wichtiger als diese Handlung sind jedoch die Spezialeffekte und Kulissen, denn Vuorensola und Co. machen sich einen grossen Spass daraus, riesige Bauwerke, fliegende Reichsflugscheiben oder Zeppelin-Raketen zu entwerfen. Das Finale ist eine gigantische Materialschlacht, in der sich Nazi-Raumschiffe und UN-Shuttles gegenseitig eins auf die Mütze geben, Meteoriten auf die Erde stürzen und der halbe Mond weggeschossen wird. Angesichts des Mini-Budgets, das der Produktion zur Verfügung stand, ist das Ergebnis doch ziemlich beeindruckend.

Aber man merkt halt trotzdem, dass hinter dem ganzen Aufwand bloss ein Fanprojekt steckt, das ausser Kontrolle geraten ist. Die Entwicklungen der Story und die Handlungen der Figuren bleiben oftmals rätselhaft und wirr, viele Szenen wirken seltsam fehlplatziert, das Drama bleibt pure Behauptung – die Liebesgeschichte zwischen Renate und James zum Beispiel wirkt stets aufgesetzt und künstlich. Es scheint deutlich durch, dass aufgrund der unsicheren finanziellen Situation jahrelang massiv an Iron Sky herumgedoktort wurde, und dass die Filmemacher keinen Plan hatten, wie man aus ein paar durchgeknallten Einfällen eine zusammenhängende Geschichte fabriziert. Nichtmal Udo Kier als Obernazi tröstet darüber hinweg.

Und schliesslich gibt es für jede clevere Idee und jeden grandiosen Spezialeffekt mindestens einen idiotischen Moment, bei dem man sich nur an den Kopf fassen kann. Peinlicher Humor und platte Pseudo-Satire machen viel kaputt. So ist es ziemlich lustig, wenn sich die Präsidentin die Propaganda-Expertise der Nazis für ihren Wahlkampf zunutze macht, andererseits ist es ärgerlich, wenn Vuorensola immer und immer wieder darauf herumhackt, dass Palin die Wiederwahl wichtiger ist als alles andere. Haha, Politikern geht's nur um die Karriere! Das ist zu keinem Zeitpunkt witzig oder einfallsreich, sondern Stammtischgeschwätz, zu dem jeder Depp mit dem Kopf nicken kann. Politisch korrekte Satire auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner, die niemandem weh tut und schon vergessen ist, bevor das unerträglich moralinsaure Ende kommt.

Angesichts der schrägen Grundidee ist es erschreckend, wie betont brav und anbiedernd Iron Sky daherkommt. Vuorensola und Co. hatten offenbar Angst vor der eigenen Courage. Bei einem Film über Mondnazis ist das fatal.


Bewertung: 2 von 5


Offizielle Website

  • Titel: Iron Sky
  • Land: Finnland/Deutschland/Australien
  • Regie: Timo Vuorensola
  • Darsteller: Julia Dietze, Götz Otto, Christopher Kirby, Udo Kier
  • Start: 5. April 2012
Fotos von Polyband
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