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22. April 2012, 00:25 Kultur

Theaterstück "Der Richter und sein Henker"

- Die meisten haben das Buch "Der Richter und sein Henker" von Friedrich Dürrenmatt wohl als Schullektüre in Erinnerung. Eben dieses Stück wurde nun auf der Bühne des Stadttheater Bern in Szene gesetzt. Ein Theaterabend, der einen zufrieden nachhause gehen lässt.

Theaterstück "Der Richter und sein Henker"
Das Stadttheater Bern ist ausverkauft, die Zuschauer sitzen auf ihren Rängen, schmöckern noch im Programmheft, die Bühne wird durch einen rot schimmernden Vorhang verdeckt. Um 19:30 Uhr geht das Stück "Der Richter und sein Henker" (geschrieben von Friedrich Dürrenmatt, hier nach der Fassung von Matthias Kasching) los.
Der Vorhang gleitet zur Seite, der Blick wird frei auf das schlicht gehaltene Bühnenbild: Einen Kubus mit Holzvertäfelung, in der Mitte der Decke prangt ein viereckiges Licht, der Boden ist übersät mit Papier, auf der Bühne stehen zwei Pulte und ein Schlagzeug, dahinter die Musiker.
Zwei Frauen und vier Männer stürmen auf die Bühne, reihen sich auf und - nun ja - verblüffen. Mit überzeugender Mimik erzählen sie das Stück, viel gespielt wird zunächst nicht.
Doch das ändert sich bald. Die Schauspielerinnen und Schauspieler schlüpfen in verschiedene Rollen, Gesagtes wird oft durch Gesten unterstrichen, die Musik untermalt die verschiedenen Szenen. Was bleibt, ist die Erzählform; die direkte Rede wird nur selten verwendet. Manche Textpassagen wirken wie Regieanweisungen, die Figuren reden von sich selbst in der "Er-Form", was zugegeben manchmal verwirrend wirken kann.
Das Bühnenbild verändert sich durch drehende Wände: es gibt die Holz-, die Papier- und die Schwarzvariante. Zweitere dürfte zusammen mit dem am Boden liegenden Papier ein Anstoss an die Schweizerische Bürokratie sein. Es braucht Fantasie um sich die Räume und Szenarien vorzustellen. Doch durch die Musik und das schauspielerische Können der DarstellerInnen wird das locker wett gemacht.

Inhalt des Stückes

Im Stück "Der Richter und sein Henker" steht der Mord an einem Polizisten im Vordergrund. Der Vorgesetze des Toten, Kommissär Bärlach, übernimmt den Fall, gibt die Hauptverantwortung aber dem Polizisten Tschanz ab. Dieser hat schon lange auf diese Gelegenheit gewartet - endlich kann er sein Können unter Beweis stellen. Vorher stand er immer im Schatten des ermordeten Kollegen. Die Ermittlungen nehmen ihren Lauf und man merkt, wie die Hirarchien greifen und welchen Unmut das in den Untergeordneten auslösen kann. Die Suche nach Anerkennung, das Spiel mit der Macht und die Frage nach der Schuld sind in diesem Stück vordergründig.
Wie meist in Dürrenmatts Büchern, vermag der Schluss einen zu überraschen. Deshalb möchte ich an dieser Stelle auch nicht zu viel verraten. Aber wie im Lead erwähnt, kennen die meisten die Geschichte wahrscheinlich bereits.

Mit viel Witz und starker Mimik gespielt

Die Schauspielerinnen und Schauspieler sowie auch die Musiker haben durchs Band eine wirklich gute, solide Leistung erbracht. Heidi Maria Glössner, die unter anderem den Gastmann darstellt, spielt mit einer kühlen Raffinesse. Sie hat den Part der sachlichen Darstellerin, die einen Kontrast bietet. Mona Kloos spielt sehr ausdrucksstark und mit viel Witz. Philip Hagmann, der die Rolle des Tschanz inne hat, gab seiner Rolle viel Eitelkeit und etwas selbstdarstellerisches, was sehr gut zum Charakter passt.Jonathan Loosli vermag besonders in der Rolle als welscher Polizist zu überzeugen und entlockte dem Publikum einige Lacher. Ernst C. Sigrist ist in der Hauptrolle besetzt als Bärlach, der den Ruhepol im Stück ist. Stefano Wenk erinnert mich ein wenig an Mr. Bean - von der Mimik her zeigt er sein humoristisches Können und das ist super.
Die Inszenierung von "Der Richter und sein Henker" ist einen Theaterbesuch wert. Als Beweis möchte ich die Dame, die vor mir sass zitieren: "Ich habe schon lange nicht mehr so gelacht im Theater."

  • Inszenierung: Matthias Kaschig
  • SchauspielerInnen: Heidi Maria Glössner, Mona Kloos, Philip Hagmann, Jonathan Loosli, Ernst C. Sigrist, Stefano Wenk
  • Musik: Micheal Frei und Franz Rüfli
  • Foto: Annette Boutellier, Stadttheater Bern
http://www.stadttheaterbern.ch/865-der-richter-und-sein-henker.html
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