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19. Juni 2012, 20:39 CD / Vinyl Music

Metric - Synthetica: Spiel mit den Erwartungen

Katharina Bornhauser - Mit „Synthetica“ legt die Indie-Rockband Metric ihr fünftes Studioalbum vor. Darauf toben sich die vier Kanadier musikalisch aus: Fast scheinen sie sich einen Spass daraus zu machen, den Zuhörer mit unberechenbaren Richtungswechseln zu verwirren.

Metric - Synthetica: Spiel mit den Erwartungen
Seit ihrem Erstling „Old World Underground“ haben die vier Kanadier die Karriereleiter des Musikbusiness mit erstaunlicher Eleganz erklommen. Dabei haben sie sich von ihrem ursprünglichen, an Garagerock anmutenden Sound entfernt, zugunsten eines geschliffeneren Sounds. Das wird auch auf „Synthetica“ deutlich.

Der Einstiegstrack „Artificial Nocturne“ ist in sich ein vierminütiges Intro, an das man sich so sehr gewöhnt, dass man überrascht ist, wenn es zu Ende ist. Aber schon beim Folgetrack sind Metric auf einer völlig anderen Schiene: „Youth without Youth“ ist geradliniger, aber in gewohnter Metric-Manier keineswegs puristischer Rock. Bei „Speed the Collapse“ tritt Emily Haines lyrisches Talent zu Tage: Unterstützt von einem dominanten Klavier singt sie von Weltuntergang und Ruhm. Poesie von der feinsten Sorte. „Dreams“ heult so sehr mit Synthesizern, dass Muse sich herausgefordert fühlen sollten. Da sich der Song fast ausschliesslich auf dieses Mittel konzentriert, klingt das Endresultat sowohl spröde als auch durchgeistigt. Ein seltsames wie faszinierendes Songprodukt. „Lost Kitten“ hingegen ist eine erneute Kehrtwende: ungewohnt unbekümmert, ja richtiggehend mädchenhaft klingen Metric hier. Die Band scheint sich austoben zu wollen. Dies wird auch beim Track „The Void“ deutlich, welcher mehrmals die Richtung wechselt, mit bewundernswerter Leichtfüssigkeit. Titeltrack „Synthetica“ dagegen überrascht mit Stetigkeit. Der Track erinnert an „Gold Guns Girls“ vom Vorgängeralbum „Fantasies“, trifft aber mit ursprünglichstem Metric-Sound schnell und zielsicher mitten ins Schwarze. In „The Wonderlust“ hat Lou Reed einen Gastauftritt, ansonsten ist der Song schnell vergessen. „Nothing but Time“ schraubt sich mit elektronischen Tönen und nervösen Beats in unbekannte Höhen hinauf, um in einem Feuerwerk zu explodieren. Leider wirkt der Track überladen, erdrückend in seiner Schwülstigkeit und glänzt nur in seinen ruhigen Sequenzen. Weniger wäre hier mehr.

„Synthetica“ ist ein Spiel mit den Erwartungen. Innerhalb eines Songs können Metric mehrere Stilrichtungen ausreizen, um schon beim nächsten eine völlig andere Richtung einzuschlagen. Manchmal gelingt die schizophrene Experimentierlust mehr („The Void“), mal weniger („Nothing but Time“). Zusammengehalten wird die Konstruktion durch den typischen, schwer fassbaren Metric-Sound, der gleichzeitig rau und prätentiös klingt. Das Resultat ist ein vielschichtiges und explosives Album, bei dem man nach jedem Hören wieder Neues entdeckt.

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