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25. Juli 2012, 13:39 Kultur Movie

Kino: The Dark Knight Rises

Gregor Schenker - Mit "The Dark Knight Rises" findet Christopher Nolans "Batman"-Trilogie ihren krönenden Abschluss. In mancher Hinsicht ist der Film ein Meisterwerk, in mancher Hinsicht ist er völlig misslungen. Über den Fall und Aufstieg des dunklen Ritters.

Spoiler-Warnung. Zentrale Punkte werden nicht verraten, aber wer sich den Film völlig unvorbelastet ansehen will, sollte aufpassen.

Der neue Bürgermeister von Gotham lässt Harvey Dent an seinem Todestag hochleben. Acht Jahre ist es her, dass der beliebte Staatsanwalt von Batman ermordet wurde. Seit den Ereignissen in The Dark Knight hat sich viel verändert. Die Strassen sind so sicher wie nie zuvor, der Korruption wurde der Riegel vorgeschoben, die Gangsterbosse von einst stecken im Gefängnis. Die Stadt blickt in eine strahlende Zukunft. Der Märtyrer-Tod des leuchtenden Vorbilds Dent und der Dent Act haben es möglich gemacht.

Das Vorgehen von Bruce Wayne (Christian Bale) scheint damit entschuldigt. Die illegalen Abhöraktionen, das Lügengebäude um Harvey Dents Ende. Der Zweck heiligt die Mittel. Batman ist der George W. Bush von Gotham, der im Kampf gegen den Terroristen Joker vielleicht das Gesetz übertreten, aber eine bessere Welt geschaffen hat.

Aber bei diesem Frieden handelt es sich bloss um die Ruhe vor dem Sturm. Unter der Oberfläche zeigen sich Risse, wortwörtlich: Das Verbrechen ist nicht verschwunden, sondern hat sich in unter die Erde verlagert. Dort hat der groteske Bösewicht Bane (Tom Hardy) die Randständigen von ganz Gotham versammelt, um zum grossen Schlag gegen Gotham auszuholen – und gegen Bruce Wayne.

Wayne hat sich vor Jahren in sein Anwesen zurückgezogen und führt das Leben eines zerfilzten Einsiedlers. Bis Selina Kyle (Anne Hathaway) in sein Leben tritt und eine Halskette seiner Mutter stiehlt. Um sich die Kette von der Meisterdiebin zurückzuholen, kommt Wayne das erste Mal seit Jahren wieder aus seiner Höhle gekrochen. Und er stellt fest, dass es höchste Zeit ist: Wayne Enterprises steckt in der Krise und hat derartige Verluste eingefahren, dass das Unternehmen seine Zahlungen für wohltätige Zwecke einstellen musste. Viele der Armen und Ärmsten, die dadurch getroffen wurden, wurden in Banes Arme getrieben. Dieser konnte von Superhelden unbehelligt seinen Plänen nachgehen.

Mit anderen Worten: Indem Wayne meinte, genug für Gotham getan und geopfert zu haben, und der Welt den Rücken kehrte, hat er sich aus der Verantwortung gestohlen. Und damit den Untergang seiner Stadt heraufbeschworen.

Als er endlich wieder als Batman in Erscheinung tritt, ist es zu spät: Bane und seine Armee besetzen ganz Gotham und errichten ein anarchistisches Regime. Er gibt den Armen und Machtlosen die Gelegenheit, sich an den Reichen und Mächtigen zu rächen. Millionäre und Politiker stehen plötzlich vor dem Volksgericht und werden zum Tode oder Exil verurteilt – wie in der Sowjetunion. Der Aufstand der 99%. Der Endsieg der Occupy-Bewegung.

Batman hat seine Stadt dem Untergang geweiht und dafür muss er Busse tun. Dies geschieht in einer Art Doppelwegschema, wie man es aus mittelalterlichen Artusromanen kennt. Der dunkle Ritter macht einen doppelten Aufstieg durch. Zuerst kämpft er sich aus seinem inneren Exil zurück an die Öffentlichkeit und stellt sich seinem persönlichen Riesen, Bane.
Diese erste Konfrontation endet mit einem tiefen Fall, dem ein zweiter Aufstieg folgt: Wayne wird in ein Gefängnis geworfen, ein Gefängnis, das nicht viel mehr als ein gewaltiges Loch in der Erde darstellt. Aus diesem Loch muss er ans Sonnenlicht klettern, wenn er das Böse aufhalten will. Er muss eine wahre Läuterung erreichen. Sein Weg ist steinig.

Christopher Nolan rührt für das Finale seiner Batman-Trilogie mit der ganz grossen Kelle an. Sein Bruce Wayne ist ein Atlas, der das ganze Gewicht des Planeten auf den Schultern trägt. Eine Erlösergestalt, die Folter und Verachtung erträgt, um der Menschheit zu dienen. Eine Jesusfigur, die aus dem Dunklen der Hölle hinauf zum Himmel steigt, um die Welt zu retten. Nolan überhöht den Superhelden-Mythos konsequent.
Sein Batman verkörpert ein riesenhaftes Ideal. Das Ideal der Selbstüberwindung und der Überwindung des Bösen. Das Ideal vom Guten im Menschen und der Demokratie. Das Ideal des Einzelnen, der sich seiner Verantwortung für die Gesellschaft stellt. Ein Ideal, das über das Individuum Wayne hinausgeht und in Batman ein überdauerndes Symbol findet. An einer Stelle singt ein unschuldiger kleiner Junge die amerikanische Nationalhymne. Soviel Patriotismus und Pathos muss man erst einmal ertragen.

The Dark Knigh Rises ist nicht das (durchaus fehlerbehaftete) Meisterwerk, das der Vorgängerfilm war. Bane, diese brutale und unbarmherzige Kampfmaschine mit dem scharfen Verstand und dem englischen Akzent, ist trotz allem kein Joker. The Dark Knight war auf einen Zweikampf fokussiert, der unmöglich zu überbieten war. The Dark Knight Rises bietet nicht dieselbe Fokussiertheit, ist mehr ein Ensemblefilm, ja er enthält dem Publikum sogar die finale Konfrontation vor, auf die die Handlung hinzuarbeiten scheint. Stattdessen muss sich das Publikum mit einem ärgerlichen Twist begnügen.

Ärgerlich ist auch der Umgang mit Gewalt. The Dark Knight Rises ist ein gewalttätiger Film, aber aus Angst vor der Altersfreigabe wird immer wieder weggeblendet und abgeschwächt. Batmans unbedingter Grundsatz, niemanden umzubringen, wirkt oft lächerlich, besonders angesichts der vielen, vielen Toten, die nicht nur die Bösen, sondern auch die Guten auf dem Kerbholz haben. Besonders heuchlerisch und feige wird es, wenn Batman nur deswegen ums Töten herumkommt, weil es jemand anderes für ihn übernimmt. In The Dark Knight wurde das Thema noch verhandelt, hier vermeidet Nolan es nach Kräften.

In anderer Hinsicht nehmen sich die beiden Werke nicht viel. Schon The Dark Knight war ein geschwätziger Film, der seine Themen in endlosen Dialogen plump zerredete. Und schon der Joker war ein unglaublicher Umstandskrämer, dessen Pläne nur aufgehen, weil ihm ständig der Zufall zu Hilfe kommt und die Guten immer wieder geistige Totalausfälle haben. Und schon dort täuschte der heilige Ernst, mit dem Nolan ans Werk geht, nicht darüber hinweg, dass Batman mit seinem Fledermauskostüm und der Reibeisenstimme etwas Lächerliches an sich hat.

Und dennoch würde ich einen fehlerbehafteten, aber intelligenten Film wie The Dark Knight Rises einem spassigen, aber etwas doofen Spektakel wie The Avengers jederzeit vorziehen.


Bewertung: 4 von 5


  • Titel: The Dark Knight Rises
  • Land: USA
  • Regie: Christopher Nolan
  • Darsteller: Christian Bale, Tom Hardy, Anne Hathaway, Gary Oldman
  • Start: 26. Juli 2012
Fotos von Warner Bros. Pictures/Twentieth Century Fox
Kommentare
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bluecrystal
bluecrystal 26.07.2012 um 13:34
Yup, toller Film, absolut empfehlenswert!