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13. September 2012, 16:19 Kultur

Theater: Unaufhaltsam

Gregor Schenker - "Ich will alles und ich will es jetzt, aber ich weiss nicht was!" Drei junge Frauen machen Lebenspläne, regen sich auf und fetzen über die Bühne. Ein assoziativer Theaterabend als Kraftakt.

Theater: Unaufhaltsam
Nach der Aufführung gehen wir an der Bühne vorbei. "Hast du dir mal den Boden angesehen? Das ist echter Rasen." - "Tatsächlich!"

Unaufhaltsam, ein Masterprojekt der ZHdK-Studentin Anja Lina Egli, ist voller Überraschungen. Schon der Anfang kommt unerwartet: Ein Strauss tänzelt herum. Ein riesiger Schildkrötenpanzer schleicht übers Gras. Im nächsten Moment stellen sich drei junge Frauen ans Mikrofon. Eine Deutsche, eine Österreicherin und eine Schweizerin Lisa-Katrin Mayer, Johanna Berger und Corina Keller). Sie erzählen davon, wie sie sich ihren Tod mit 99 Jahren vorstellen.

Später rennen sie unaufhaltsam über die Bühne, hängen sich ans Trapez, tanzen zu Popsongs oder winden sich auf dem Boden. Man sieht sie öfters erschöpft schnaufen. Die theatralen Schwerstarbeiterinnen sind getrieben von Lebensfragen. Werde ich einmal auf ein erfülltes Leben zurückbringen? Will ich Kinder? Was soll ich aus all den Möglichkeiten machen, die mir offen stehen? Wie gehe ich mit den Erwartungen um, die mein Umfeld an mich stellt? Muss ich mir echt diesen ganzen verdammten Lifestyle-Quatsch kaufen?

"Das Stück ist persönlich, nicht privat", betont die Regisseurin. Unaufhaltsam ist keine Nabelschau, wirft aber Fragen auf, die die Beteiligten beschäftigen. Die man sich als junger Mensch auch selbst stellt.
Eglis Gebiet ist die Theaterpädagogik. Sie setzt kein fixfertiges Stück um, sondern erarbeitet es mit den Darstellern, in wochenlanger intensiver Beschäftigung.

Aus den erarbeiteten Texten und Episoden ein Ganzes zu formen, war unter anderem Aufgabe des Dramaturgen Albrecht Lehmann. "Wir erzählen keine Handlung, sondern bieten dem Publikum eine Reihe von assoziativen Bildern an", erklärt er. Die Zuschauerin, der Zuschauer ist zur Interpretation angehalten. Den roten Faden muss man sich selbst zusammenspinnen. Man hat wahrlich genug, womit man arbeiten kann.

Die Abwechslung ist gross. Neben den körperlichen Kraftakten, dem Tanzen und Singen, der Interaktion mit den Zuschauerinnen und Zuschauern, der verblüffenden Situationskomik macht sich immer wieder Ruhe breit. Einmal verlassen die Schauspielerinnen den Raum und lassen das Publikum allein mit der Zeit, die unaufhaltsam verstreicht. Eine Achterbahn, ein Nebeneinander von Rennen und Warten.

Mit der Zeit erschöpfen sich diese Überraschungsmomente allerdings ein wenig. Die Abfolge von Choreographien, Songs und Ruhemomenten droht repetitiv zu werden. "Wiederholungen sind langweilig. Aber ab dem siebten Mal wird es wieder interessant", heisst es einmal. Der Theaterabend findet gerade noch ein Ende, bevor er ermüdend wird.

Schliesslich haben wir erfahren, was es mit dem Rasen auf sich hat: "Ich wollte etwas, das lebendig ist", sagt Egli. "Etwas, das wächst und sich mit der Zeit abnutzt. Das die Zeit spürbar macht."


Das Stück wird zurzeit in der Roten Fabrik aufgeführt. Die weiteren Spieldaten:

  • Do 13.9. 20 Uhr
  • Fr 14.9. 20 Uhr
  • Sa 15.9. 20 Uhr
  • So 16.9. 20 Uhr
Für Studis beträgt der Eintritt 15 Franken


Foto: Timo Orubolo

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