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21. September 2012, 18:04 Kultur Movie Zurich Film Festival

Oh Boy @ Zurich Film Festival

Gregor Schenker - Schon am ersten Tag wartet das Zurich Film Festival mit einem Highlight auf: „Oh Boy“ ist eine Tragikomödie, die die Balance zwischen Witz und Ernst grossartig meistert. Und dabei braucht es einige Zeit, bis man mit dem Film warm wird.

Oh Boy @ Zurich Film Festival
Gedreht in Schwarz-weiss. Jazz als Filmmusik. Die Hauptfigur ist ein notorischer Nichtsnutz. Oh Boy schreckt zu Anfang ab. Versöhnlich stimmt, dass dieser Hauptfigur viele schlimme Dinge zustossen: Niko (Tom Schilling) wird von seiner Freundin verlassen. Wegen Trunkenheit am Steuer wird ihm die Fahreignung abgesprochen. Der aufdringliche Nachbar bekommt in Nikos neuer Wohnung einen Nervenzusammenbruch. Sein Vater findet heraus, dass er sein Studium schon vor zwei Jahren abgebrochen hat – und dreht ihm den Geldhahn zu. In ganz Berlin ist kein Kaffee zu kriegen. Und das ist noch lange nicht das Ende. Einziger Lichtblick ist sein Kumpel Matze (Marc Hosemann), ebenfalls ein Verlierer, ein Möchtegernschauspieler, der seine Karriere nicht auf die Reihe bekommt.

Aber nach und nach entwickelt man, ohne dass man es will, Sympathien für Niko – und schliesslich trifft es einen wie aus heiterem Himmel: Niko ist nicht irgendein Idiot, er ist ein Idiot, wie wir alle Idioten sind. Wir alle bauen ständig Scheisse. Wir alle geraten immer wieder in blöde Situationen. Wir alle werden einmal bei der Fahrscheinkontrolle aufgegriffen. Wir alle verhauen Prüfungen an der Uni und wissen nicht, was wir mit unserem Leben anfangen sollen. Wir alle sind Idioten.

Der deutsche Jung-Regisseur Jan Ole Gerster streift in seinem Langfilm-Debüt mehr als einmal die Klamotte und schreckt vor Klischees nicht zurück: Die komplizierte Auswahl im Kaffeeshop; von einem Bettler klauen, weil man kein Geld mehr hat; eine unverständliche Kunst-Performance. Aber jedes Mal arbeitet er auch das Menschliche heraus, die alltägliche Tragik. Oh Boy wird nie blöde, weil uns der Film zu Herzen geht.

Aber wieso zum Teufel ist das Ding nun in Schwarz-weiss gedreht?


Weitere Vorstellungen:

  • Sa, 22. Sept, 21.00, Arthouse Le Paris
  • Do, 27. Sept, 15:15, Arena 8 (mit dem Regisseur)
  • Fr, 28. Sept, 19:15, Arena 8 (mit dem Regisseur)

Oh Boy läuft im deutschsprachigen Spielfilmwettbewerb.

Kommentare
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Argosasas
Argosasas 24.09.2012 um 01:04
Ich weiss genau, was du meinst. Nur wurde ich mit dem Film erst warm, als er schon fast zu Ende war. Dafür kann ich mit dem körnigen Schwarz/Weiss-Stil viel anfangen.