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2. Februar 2013, 15:31 Konzert Music

Dispatch bringen die Leute zum Ausrasten

Patrick Holenstein - Nach dem ersten Müsterchen am letztjährigen M4Music-Festival war es nur eine Frage der Zeit, bis Dispatch sich wieder in der Schweiz blicken lassen würden. Am Freitag war es so weit und die stilistisch breite Alternative-Band aus Boston hat wieder brutal überzeugt.

Dispatch bringen die Leute zum Ausrasten
"American Jam Band" steht bei Wikipedia, wenn nach Dispatch gesucht wird. Treffsicherer in Schwarze ginge nicht. Exakt bringen die drei Worte das Konzert im Komplex auf den Punkt. "Elias" heisst der Song, der am deutlichsten klar macht, was damit gemeint ist. Die Drei von Dispatch stehen am Bühnenrand, bewaffnet mit zwei Gitarren und einer afrikanischen Trommel und legen los. Der Klassiker ab "Silent Steeples", dem Debüt des Trios aus Boston, bringt den regelrecht Saal zum Kochen. Leise werden die Instrumente erst gespielt, fast als müssten sie wie ein Oldtimer langsam warm laufen. Dann steigern sich Dispatch, drehen das Tempo auf, verlieren sich zuweilen in ausgiebigen Jam-Sessions und sorgen beim Refrain für minutenlange Fangesänge, für eine Nähe, die man der grössten Band, die kaum einer kennt, so nicht zugetraut hätte.

Aber Dispatch wissen natürlich genau, was sie tun. Mit Pausen existiert die Band seit 1996 und die drei Musiker sind technisch längst den Kinderschuhen entwachsen. Treibende Bassläufe beissen sich mit schwebenden Gitarrensoli und dunklen Schlagzeuggewittern genauso sehr, wie alle Parts zusammen ein beachtlich homogenes Ganzes ergeben. Klar im Zentrum stehen bei Dispatch schon die Gitarren. Kein Song ohne Solo, die Gitarren umwerben sich oftmals förmlich. Schlagzeuger Brad Corrigan lässt sich im Komplex sogar für zwei Songs an den Fellen vertreten und spielte eine dritte Gitarre beziehungsweise bringt mit seiner Mundharmonika gar Einflüsse in Richtung Folk/Blues ein.

Um das Thema Einflüsse kommt man bei Dispatch eh nicht herum. Zu vielfältig sind sie in der Musik der Amerikaner zu finden. Angefangen beim Reggae, der gelegentlich als rhythmischer Teppich dient, über traditionelle Aspekte wie Folk und Country, ja sogar mexikanisch anmutende Gitarren sind zu finden und über allem thront der in den 90ern typische melodiöse Alternativerock. Neben dem stilistischen Mix sind auf der Bühne aber auch drei Musiker, die viel Freude an der Musik haben und die ihre Songs sorgfältig aufbauen. Ausufernde Instrumentalparts sind da keine Seltenheit. Wenn das Trio aus Boston beispielsweise bei einem Song das Tempo sukzessive steigert und den zu geschätzt zwei Dritteln gefüllten komplex fast zum Ausrasten bringt, ist das ein Paradebeispiel für das Charisma, das die Band ausmacht. Das goutiert das Publikum und belohnt Dispatch mit einer ausgelassenen Stimmung und mitreissender Euphorie. Songs werden Zeile für Zeile mitgesungen, Wellen wühlen sich durch die Menge und zum Schluss verabschiedet ein nicht enden wollender Applaus die Band, die eben ihren erste Headliner-Show in der Schweiz mit Bravour gespielt hat.

Dispatch, das ist straighter Alternative-Sound mit sehr viel Verstand und Seele, Musik, die sich nicht einschränken lässt und stilistisch extrem breit klingt. Musik, die zuweilen herrlich chaotisch wirkt, und doch aus dieser vermeintlichen Ordnungslosigkeit die Kraft bezieht, das Publikum zum Ausrasten bringt.

Dispatch - Elias (Live)


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