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16. August 2013, 00:00 Kultur International

Schweiz bezwingt Brasilien mit viel Herzblut

Christina Uebelhart - Die Schweizer Nationalmannschaft errang in Basel einen überaus wertvollen und prestigeträchtigen 1:0-Sieg gegen den fünffachen Weltmeister Brasilien. Dani Alves unterlief kurz nach der Pause das entscheidende Eigentor. Die Hauptprobe für die WM 2014 in Brasilien ist somit geglückt.

Schweiz bezwingt Brasilien mit viel Herzblut
Siege gegen grosse Nationen sind für die Schweiz gar nicht mehr so selten. Sie hat vor drei Jahren an der WM Spanien geschlagen und vor 14 Monaten Deutschland bezwungen. Aber ein Sieg gegen Brasilien ist immer noch etwas ganz Grosses für die SFV-Auswahl. So stark wie in diesem Test gegen WM-Gastgeber Brasilien sah man die Schweiz aber selten. Das Team von Weltklassentrainer Ottmar Hitzfeld spielte als Einheit leidenschaftlich Fussball auf höchstem Niveau.

Nach Anlaufschwierigkeit engagierte erste Halbzeit
Die Schweizer begannen sehr abwartend, leisteten sich zu viele Fehlpässe und fanden kaum den Weg zum gegnerischen Tor. Die Schweizer hatten Mühe anfänglich Mühe ins Spiel zu finden. Das Heimteam waren in den ersten Minuten vor allem mit Defensivaufgaben beschäftigt. Neymar und Marcelo präsentierten ihre Dribbelkünste, wirbelten die gegnerischen Abwehrreihen durcheinander und strebten den Sieg an. Erst nach knapp einer Viertelstunde als Hulk mit seinem Schuss an Keeper Benaglio scheiterte, wurden die Eidgenossen wachgerüttelt und wurden zunehmend gefährlicher.
In der 23. Minute zückte der Unparteiische Deniz Aytekin aus Deutschland zwei mal Gelb. Ein unkontrollierter Neymar holte Lichtsteiner von den Beinen, der trat nach und erhielt von Marcelo eine leichte Ohrefeige. Behrami zeigte dem Schiri einen Vogel und erhielt wie Neymar dafür den gelben Karton.
In der 27. Spielminute versuchte es Granit Xhaka mit einem Distanzschuss, doch Torwart Jefferson konnte im Nachfassen die Gefahr entschärfen. Kurz vor der Pause hatte Paulinho Pech bei seinem Kopfball, als er die Querlatte traf.
Immer wieder angeführt von den hervorragend aufspielenden Flügeln Xherdan Shaqiri und Valentin Stocker kombinierte sich die Mannschaft von Ottmar Hitzfeld schon in der ersten Halbzeit immer wieder vors gegnerische Tor. Die besten Chancen vergaben Blerim Dzemaili mit einem Schuss aus 15 Metern sowie Stocker aus halblinker Position nach 30 Minuten.
Auch Brasilien spielte sich in einer animierten und auf gutem Niveau geführten Partie immer wieder in aussichtsreiche Position. Die neuformierte Schweizer Defensive um Philippe Senderos und Timm Klose zeigte sich aber meist auf der Höhe. Und kam Brasilien doch zum Abschluss, rettete Keeper Diego Benaglio (17.) gegen Hulk, danach die Oberkante der Torumrandung (38.) gegen einen Kopfball von Paulinho.

Dani Alves - sein Herz schlägt für die Schweiz
Während die Schweizer mit Tranqillo Barnetta für Valentin Stocker und Fabian Schär für Philippe Senderos gleich zwei Wechsel in Anspruch nahmen, begann Brasilien die zweite Halbzeit ohne Wechsel. Mit Vollgas legten die Eidgenossen los. Valon Behrami liess nichts anbrennen und eroberte jedenen Ball. Ein Blackout von Dani Alves bescherte der Heimmannschaft in der 48. Minute das 1:0. Völlig unbedrängt köpfte der Brasilianer in Diensten des FC Barcelona ins Lattenkreuz. Goalie Jefferson hatte keine Chance, der Ball war unhaltbar.
Die Schweiz tanzte Samba und war nicht mehr zu stoppen. Ihr leidenschaftliche vollengagierte Spielweise verunsichert der Gastgeber der WM 2014 je längers je mehr. Haris Seferovic hätte in der 52. Minute fast das 2:0 erzielt. Mit einer Wechselorgie hofften die Samba-Kicker wenigstens noch ausgleichen zu können: Jo für Fred, Maxwell für Marcelo, Fernando für Luiz Gustavo, Hernanes für Oscar, Lucas für Hulk und Jean für Pechvogel Alves sollten das Blatt noch wenden.

Ottmar Hitzfeld zeigte viel Mut
Dass es bei diesem Spiel in erster Linie um einen Test geht beweist Weltklassencoach Ottmar Hitzfeld. Ihm ging es in erster Linie darum zu testen, welches System und welcher Spieler die Schweiz beim nächsten Qualifikationsspiel für die WM 2014 am besten zum angestrebten Sieg führen wird. Mit seinen weiteren Wechsel wie Michael Lang für Stephan Lichtsteiner, Mario Gavranovic für Haris Seferovic, Pirmin Schwegler für Blerim Dzemaili und Admir Mehmedi für Xherdan Shaqiri nahm Hitzfeld sogar in Kauf Unruhe ins Spiel zu bringen und den Sieg zu risikieren. Die vielen Wechsel nahmen den Schwung aus der Partie, die Fehlpässe häuften sich auf beiden Seiten. Die Schweizer standen kompakt, waren nun die klar dominierende Mannschaft. Den Stars um Neymar gelang es nicht mehr, gefährlich vor Benaglio aufzutauchen. Gegen entfesselt aufspielende Schweizer ging die Partie aus Sicht des fünffachen Weltmeisters mit 0:1 verloren.

Schweizer Nati mit Superstars
Für einmal hiessen die Superstars des Abends nicht Neymar, Dante oder Alves sondern Valon Behrami und Shaqiri. Die beiden Führungsspieler sind aus der Schweizer Nationalmannschaft nicht mehr wegzudenken. Auch Behramis Klubkollege Blerim Dzemaili, der Captain Gökhan Inler beim nächsten Qualifikationsspiel gegen Island ersetzen wird, lief zu Bestform auf.

Der Nationalcoach zum Sieg
Ottmar Hitzfeld analysierte den Sieg gegen Brasilien wie gewohnt nüchtern: "Ich gratuliere meinem Team. Natürlich ist es ein glücklicher Erfolg. Brasilien hat technisch zwar etwas versierter agiert. Aber wir haben immer besser in die Partie gefunden und toll dagegen gehalten. Auf einem solchen Sieg kann man aufbauen. Das gibt Selbstvertrauen. Aber gegen Island wird der Druck wieder ein ganz anderer sein."
Obschon er es nicht mag über einzelne Spieler zu reden, liess er es sich nich nehmen und lobte den Mann des Spiels: "Valon Behrami hat einmal mehr überragend gespielt. Er ist aus dieser Mannschaft nicht mehr wegzudenken."Nachdem er den Sieg nicht überbewerten wollte, wurde Hitzfeld doch noch euphorisch. Angesprochen ob der Sieg gegen Brasilien mit dem WM-Erfolg von 2010 gegen Spanien zu vergleichen sei, meinte er stolz: "Nein. Wir sind weiter als damals und haben uns entwickelt."



Titelfoto: Mattihas Uebelhart
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