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19. August 2013, 00:00 Music Interview

Von ABBA bis Zappa ... mit HECHT

Patrick Holenstein - Für ein weiteres ABBA-Zappa-Interview haben wir die Jungs von HECHT im Bandraum im Zürcher Kreis 5 besucht.

Von ABBA bis Zappa ... mit HECHT
In Zusammenarbeit mit Bäckstage.ch

Nach Terminkollisionen und verpassten Gelegenheiten haben wir es doch noch geschafft grosse Teile der Mundart-Indie-Band HECHT an einem Ort zum gemeinsamen Musikhören zu versammeln. So sassen Christoph Schröter (Gitarre), Rolf Furrer (Schlagzeug), Philipp Morscher (Bass) und Daniel Gisler (Tasten) gespannt in ihrem Bandraum und stellten sich der Playlist.

  • Song: Don't Look Back In Anger
  • Band: Oasis
  • Album: What’s The Morning Glory (1995)

(Alle erkennen den Song sofort. Jemand pfeift mit.)

Rolf: Logisch - Oasis. Damit sind wir natürlich aufgewachsen. Das ist der Inbegriff der Zeit, in der wir angefangen haben, Musik zu machen. Ich weiss aber nicht, wie es der Winterthurer Fraktion geht. (Zeigt auf Philipp und Daniel).

Christoph: Das stimmt und ich liebe die Band bis heute. Es gibt eine super Anekdote zu Oasis. Ich bin mit Stefan (Sänger von HECHT, Anm. d. Red.) nach London geflogen, um Oasis in der Wembley Arena zu sehen. Das war damals eines der letzten Konzerte (Oasis haben sich 2009 getrennt. Anm. d. Red.). Wir hatten die Tickets damals im Internet gekauft. Insgesamt wurden nur ungefähr 12'000 Billette verkauft. In London hiess es dann, wir sollen die Tickets an einer bestimmten Stelle abholen. Es war ein Hin und Her. Also sind wir dort hin, hatten die Buchungsbestätigung dabei, aber die hatten keine Tickets. Wir sind komplett verarscht worden. Also haben wir dort ein Theater gemacht und erklärt, dass wir extra aus der Schweiz angereist seien und die Band unbedingt sehen wollen. Irgendwie hatten sie dann plötzlich doch zwei Tickets, die offenbar jemand nicht abgeholt hatte. Die Tickets haben ungefähr fünfmal weniger gekostet, als wir im Internet bezahlt haben. Aber wir hatten unsere Tickets und konnten das Konzert doch noch sehen.

Philipp: Aber ihr musstet die Tickets nochmals kaufen?

Christoph: Ja, logisch. Das waren überhaupt keine offiziellen Tickets. Das war einfach ein Trick auf den wir im Internet sauber reingefallen sind. Das war eine Lehre für das Leben.

Philipp: Ich muss zugeben, ich habe sie damals gehasst. Als sie die ersten Videos veröffentlichten, hatte ich gerade meine Punkphase und dachte: «Was sind das für komische Typen?»

Habt ihr damals den «Battle» zwischen Blur und Oasis mitgemacht?

Christoph: Man hat natürlich mitbekommen, dass es in den Medien stattfindet. Aber für uns selbst war das kein Thema. Blur fanden wir zwar auch cool, aber Oasis waren uns immer näher. Also ich fand Oasis immer cooler, obwohl Blur natürlich Riesensongs haben.

Rolf: Blur ist irgendwie natürlicher, nicht anspruchsvoller ...

Christoph: ... aber intellektueller.

Rolf: Genau, sie haben intellektueller gewirkt und geklungen.

Christoph: Und wir waren damals fast noch zu jung, um das zu kapieren.

Rolf: Wir habe die Qualität von Blur nicht geschätzt, weil halt der Zugang zu Oasis viel leichter war, weil sie grosse Hymnen haben.

  • Song: Radioactivity
  • Band: Kyasma
  • Album: Symphony for Technology (2012)

Philippe: Ja, «Radioactivity» von Kyasma. Natürlich.

Die Band trifft man immer wieder, wenn man sich mit den Mitgliedern von HECHT beschäftigt. Irgendwie findet ihr die Band zum Beispiel bei Facebook alle gut.

(Alle lachen).Philipp: Sollen wir das Geheimnis lüften? Wir waren ja zu dritt für den Best Talent Award bei den Swiss Music Awards nominiert. Und das war reine Betriebsspionage. (Alle lachen herzhaft). Wir wollten natürlich schauen, was die so machen, weil wir wirklich bis zur letzten Sekunde geglaubt haben, dass Kyasma den Preis holen werden. Darum wollten wir wissen, ob die sich auch vorbereiten.

Christoph: Wir wollten wissen, was sie so posten und wie viele Likes sie bekommen.

Rolf: Kyasma stammen ja aus der Westschweiz und so wurde mir stark bewusst, dass wir in der Deutschschweiz einfach so überhaupt nicht mitbekommen, was dort passiert. Es gibt so viele gute Acts. Am Montreux Jazzfestival sieht man das immer wieder. Zum Beispiel fragst du eine Band: «Where are you from?» Und sie antworten: «Nous sommes des Vevey». Irgendwie haben wir das nicht auf dem Radar und das macht es für uns Deutschschweizer oft schwierig, Bands aus der Westschweiz einzuschätzen.

Christoph: Aber um zurück zum Song zu kommen, es ist einfach ein geiler Song. So etwas hat die Schweiz schon lange nicht mehr gehört, muss man schon ehrlich sagen.

Was habt ihr denn gedacht, als ihr den Preis schliesslich gewonnen habt?

Daniel: Wir haben nur noch sehr kurz gedacht und dann ausgesetzt.

Christoph: Der Monat im Vorfeld, in dem die Abstimmung war, war eine riesige Anspannung. Wir haben uns so viel Mühe gegeben und versucht, das Beste aus der Situation zu machen, und dann hat sich auf einen Schlag alles gelöst und die Dämme sind gebrochen.

Rolf: Dann haben wir nur noch gefeiert.


  • Song: It’s the end of the World as we know it
  • Band: R.E.M.
  • Album: Document (1987)

Stefan hat in einem Interview gesagt, dass er den Song gerne covern würde.

Christoph: Machen wir.

Echt?

Daniel: Wir spielen den bei jedem Konzert.

Rolf: Immer als letzten Song im Set.

Damit oute ich mich, dass ich noch nie an einem HECHT-Konzert war.

Christoph: Ja, komm mal vorbei. Bei uns heisst der Song dann «S Endi vo dere Wält.»

Rolf: Der Text ist im letzten Jahr im Dezember entstanden, als das Ende der Welt ja langsam näher kommen sollte. Da haben wir diesen Song gemacht und ihn «S Endi vo dere Wält» genannt. Wir haben ihn an Radios geschickt, haben auch eine kleine Radiotour gemacht, auf der wir ihn promotet haben und waren bei SRF in der Glasbox von «Jeder Rappen zählt.»

Christoph: Das war wie eine Art kleines Projektchen, nachdem wir das Album aufgenommen und live gespielt haben. Also haben wir den Song aufgenommen und unter die Leute gebracht.


  • Song: New Logic
  • Band: The Jamborines
  • Album: Single (2011)

(Alle hören konzentriert zu, diskutieren, wer das sein könnte.)

Christoph: Mal den Refrain abwarten.

Ich erlöse euch. Es sind The Jamborines.

(Gelächter und gelöstes Durcheinandergerede).

Mit The Jamborines wart ihr auf der Radar Tour (Newcomer-Tour zwischen Weihnachten und Sylvester 2011, Anm. d. Red.).

Philipp: Legendär.

Christoph: Die Radar-Tour ist eines meiner HECHT-Highlights.

Philipp: Absolut.

Christoph: Wir hatten damals noch nicht so viel live gespielt und konnten mit The Jamborines und noch zwei weiteren Bands auf diese Tour gehen. Es war ungefähr das zweite Konzert ...

Daniel: Nein, da hatten wir schon die Shows mit Baschi gemacht. Aber es war ungefähr das fünfte Konzert.

Also als Hauptact?

Christoph: Nein, überhaupt nicht. Da waren alle Bands gleichberechtigt und die Reihenfolge hat jeden Tag gewechselt. Mit dabei waren noch My Heart Belongs To Cecilia Winter und We Love Machines, die jeweils am Schluss noch eine DJ-Set gemacht haben. Für uns war es das erste Mal, dass wir das Tourleben kennengelernt haben. Fünf Tage nacheinander in der Schweiz unterwegs zu sein, war super.

Philipp: Das war zwischen Weihnachten und Neujahr. Das ist eh die beste Zeit, um Konzerte zu spielen, finde ich.

Rolf: Angefangen hat die Tour ja in Lausanne.

Christoph: Wo wir mit Mundart ja perfekt hinein gepasst haben.

Philipp: Und die haben richtig Rock `n`Roll. Ich glaube, die waren damals ähnlich früh dran mit ihrer Karriere, wie bei uns, aber die hatten schon eine eigene Lichtshow und sind mit Entourage gekommen. Die haben das so richtig zelebriert.

  • Song: Learning To Fly
  • Band: Tom Petty
  • Album: Into the great wide open (Petty & Heartbreakers) (1991)

Philipp: Logisch, Tom Petty.

Christoph: Ja, ein Klassiker. Der ist aber eigentlich auch für Stefan. Ich weiss noch, als ich ihn kennengelernt habe, hatte er nicht so viele CDs. Er hatte Matthias Reim, Züri West und ein Greatest-Hits-Album von Tom Petty. Also eine recht komische Mischung. Irgendwie ist das bis heute geblieben, bist Tom Petty dann in einem unserer Songs verarbeitet wurde.

Rolf: Hat er sich nicht vor ein paar Jahren den Bubentraum erfüllt und Tom Petty in London angesehen?

Christoph: Nein, das war in San Franciso im Golden Gate Park. Da fand ein Festival statt und Tom Petty war Hauptact. Petty ist in Amerika etwa wie Polo Hofer in der Schweiz. Da drehen alle durch.

Dann ist die Anspielung im Refrain von «In See springe» auch klar.

Daniel: Genau, aber Tom Petty hat Riesenhits, die jeder kennt.

Christoph: Diese Anspielung ist nicht aus der Luft gegriffen, da steckt schon eine Geschichte dahinter.


  • Song: Göteborg
  • Band: Züri West
  • Album: Göteborg (2013)

(Bei den ersten Anschlägen der Gitarre).
Daniel: Klar, «Göteborg», Züri West.

Wieso singt ihr in Mundart? Waren englische Texte überhaupt ein Thema?

Christoph: Rolf, Stefan und ich haben lange zusammen Musik gemacht, vom Teenageralter bis heute, und immer englische Texte gehabt. Als wir nach Zürich sind, um zu studieren, haben wir die alte Band aufgelöst, aber immer noch weiter zusammen Musik gemacht. Irgendwann kam Stefan mit einem Song, der einen Mundart-Text hatte. Das war «Tänzer». Das war quasi der erste HECHT-Song und er hat uns das gezeigt ...

Rolf: ... Stefan meinte damals, dass es gerade als Sänger schwieriger sei, in Englisch eine Geschichte zu erzählen. Du kannst unglaublich geile Musik machen, aber den Leuten wirklich etwas erzählen kannst du weniger. Gerade in der Schweiz. Also hatte er die Idee und die Vision, nochmals ein Stück näher an die Leute heranzukommen. Damit wollte er die Leute nicht nur musikalisch sondern auch textlich berühren. So ist das entstanden.

Christoph: Er hat aber, ehrlich gesagt, gar nicht gross vorher darüber gesprochen, sondern für sich probiert und dann kam er mit dem Song. Wenn er im Vorfeld zur Probe gekommen wäre und gesagt hätte: «Jungs, probieren wir doch mal Mundart» - ich weiss nicht, ob wir das mitgemacht hätten. Aber als ich den Song hörte, wusste ich genau, wie er sich das vorstellt.

Rolf: Darum ist Züri West ein gutes Beispiel, weil sie im Grunde das verkörpern, was wir auch machen möchten. Mit cleveren Texten und guter Musik, ohne irgendwie cheesy und billig sein zu wollen.

Philipp: Ausserdem sind Züri West von den bisherigen Songs schon der grösste gemeinsame Nenner, auf den sich alle einigen können.

Ihr werdet oft mit Züri West verglichen. Wie ist das?

Christoph: Natürlich schön, aber diese Fussstapfen sind ja riesig. Da müssen wir noch einiges leisten, bis wir nur annährend in deren Nähe sind.

Rolf: Aber wir bewegen uns sicher in der gleichen Ecke, von der Idee her.

Philipp: Letzten Sommer konnten wir ja als Vorband von Züri West am Open Air Greifensee spielen. Das war für uns alle natürlich riesig.

Christoph: Sie waren da der Hauptact und du kannst dir vorstellen, dass das Publikum auch wusste, was wir machen und das war wirklich ein super Konzert.


  • Song: She Moves In Her Own Way
  • Band: The Kooks
  • //Album: Inside in / Inside out (2007)
{{http:www.youtube.com/watch?v=pquhYpGHrlw}}

The Kooks sind auch eine Band, die man im Zusammenhang mit euch antrifft.

Christoph: Es ist aber lustig, ich nehme an, du sprichst ... wie heisst es bei uns schon wieder?

Rolf: «Beckenhof»

Christoph: Genau. Das ist ja ein Cover, aber du glaubst nicht, wie viele Leute das lange, lange Zeit nicht merken.
Philipp: Ich habe das Gefühl, wenn wir das live spielen, checkt niemand, dass es ein Cover ist.

Rolf: Aber das muss man erstmal so gut spielen wie The Kooks.

Christoph: Vielleicht spielen wir es einfach viel zu schlecht. (Alle lachen).

Philipp: Und jetzt, in der neuen Version hat es nicht mehr soo viel Ähnlichkeit mit dem Original. Das Oohlala im Refrain vielleicht.

Aber eigentlich haben wir den Song nicht deswegen gewählt. Wir wussten gar nicht, dass ihr The Kooks covert.

Philipp: Wieso stolpert ihr dann über The Kooks?

Ich war auf euren Facebook-Profilen und alle haben The Kooks geliket.

Rolf: Also wieder Industriespionage. (Gelächter).

Christoph: «Beckenhof» ist wirklich ein «Ooh La»-Cover und um es auf das Album zu nehmen, brauchst du die Erlaubnis der Band. Stell dir mal vor, wenn du als Band kommst, die kein Mensch kennt. Aber irgendwie hat das geklappt. Wir haben denen geschrieben und lange kam nichts zurück. Irgendwann kam als Antwort «Viel Spass». So quasi, haut es raus, ihr könnt es brauchen.

Rolf: Es war gar nicht so einfach, denen zu erklären, um was es in unserer Mundart-Version geht.

Christoph: Genau. Wir haben ja den Song mit geschickt und einen kurzen Abriss, um was es im Song geht.


  • Song: 47 Millionaires
  • Band: 77 Bombay Street
  • Album: Up in the sky

(Synchron nach wenigen Takten): Klar, 77 Bombay Street.

Auch eine Band, die euch ein wenig gestreift hat.

Philipp: Mehr als gestreift. Das war direkt nach der Radar-Tour, als wir zweimal die Vorband für 77 Bombay Street machen durften.

Christoph: Eines davon war im Z7 in Pratteln. Ausverkauft.

Daniel: Das war bis heute der grösste Gig ever für uns.

Christoph: Also der grösste Clubgig.

Philipp: Das waren 1700 Leute.

Christoph: Wir sind am Nachmittag in diese Halle gekommen und es war einfach riesig und am Abend war es voll, auch schon als wir gespielt haben. Das war ein Hühnerhautmoment.

Philipp: Und es hat einfach funktioniert. Das Publikum hat alles mitgemacht, was wir verlangt haben.

Christoph: Hände in die Höhe! (Alle lachen).

Philipp: Man sieht im «Tanze, tanze“-Video noch Aufnahmen vom Z7-Konzert.

Habt ihr denn mit der Band noch Kontakt?

Rolf: Wir sind beim gleichen Label, dadurch haben wir hin und wieder Kontakt. Wir sehen uns aber auch sonst hin und wieder. Als wir den Swiss Music Award gefeiert haben, sind Mitglieder der Band zum Anstossen gekommen.

Christoph: Man trifft sich immer wieder und wirklich, Chapeau vor den Jungs. Erstens, was sie geleistet haben und zweitens, dafür, dass sie uns die Plattform gegeben haben. Das war nicht selbstverständlich, dass sie die Bühne freimachten und wir die Vorband sein durften.


  • Song: Serenata Rap
  • Band: Jovanotti
  • Album: Lorenzo 1994 (1994)

Daniel: Jovanotti, oder? Ich habe gerade letztens wieder einmal eine Jovanotti-CD komplett durchgehört.

Ich habe Jovanotti gewählt, um musikalischen Bezug zu euerem Song «Italie» zu schaffen. Es geht ja bei euch um Ferienstimmung und bei Jovanottis Musik eben auch. Habt ihr Feriensongs? Lieder, die ihr direkt mit Ferien verbindet?

Christoph: Ich habe meistens ein Ferienalbum. Oft habe ich ein Album, dass ich in den Ferien immer höre und im Nachhinein ist es wie eine Erinnerung an diese Zeit. The Kooks ist zum Beispiel mein New-York-Album, das habe ich dort immer gehört, Counting Crows in San Francisco. Ich habe wirklich zu jeder Destination an der ich war, ein Album.

Rolf: Stimmt, das geht mir auch so. (Fragt Daniel und Philippe). Habt ihr das auch?

Christoph: Mir geht es ähnlich mit der Musik, die in den Sommerlagern lief. Deshalb kann ich ziemlich genau sagen, aus welcher Zeit ein Lied stammt. Vor allen aus den Neunziger. Wenn jemand sagt, das ist doch 94 oder 95 erschienen, kann ich sagen, nein, das lief im Sommerlager 93. Dann wird meist nachgeschaut und oft stimmt es dann.


  • Song: Canada
  • Künstlerin: Heidi Happy
  • Album: On The Hills (2012)

Christoph: Die Stimme kenne ich irgendwie. Klingt total gut.

Es ist Heidi Happy.

(Alle zusammen). Ahhh.

Habe ich aber mehr wegen dem Bezug zu Luzern gewählt.
Christoph: Da gibt natürlich einen sehr nahen Bezug.

(Gelächter).

Christoph: Nicht so! (Schaut gespielt empört). Aber die Anekdote zu Heidy Happy ist Rowena. Bei unserer früheren Band hatten wir eine Bassistin, eben die Rowena. Sie war die Mitbewohnerin von Heidi Happy und deshalb haben wir hin und wieder ein Bier mit Heidi Happy getrunken. Es ist halt eine schöne Erinnerung an Luzern.

Wie ist denn Luzern musikalisch? Wie ist der Zusammenhalt? Es gibt ja doch ein paar Bands aus Luzern?

Rolf: Damals war es mega spannend. Sehr intensiv, weil es viele Bands gab.

Christoph: Wir waren auch Teil dieser Bands.

Phillipp: Rock City Luzern hiess das ja.

Rolf: Damals war natürlich die Schüür das Flagschiff, heute zwar auch noch, aber damals gab es noch den Werkhof, eine Live-Location, die es heute nicht mehr gibt. Es gab auch in unserem Umfeld so viele Bands.

Christoph: Die Szene hat sich wirklich gekannt und ausgetauscht. Fast mehr als in Zürich. Wahrscheinlich gibt es diese in Zürich auch, aber wir sind irgendwie kein Teil davon und kennen sie nicht. Du, Philippe, vielleicht noch eher.

Philipp: Aber in der Zeit, von der ihr redet, war das irgendwie nicht so. Wir waren hier in Zürich und haben Musik gemacht, dabei aber immer auf Winterthur geschaut und gedacht, was die für eine coole Szene haben. Luzern haben wir nicht so gekannt, vielleicht ab und zu mal eine Band, die in Zürich gespielt hat. Wie diese erzählt haben, muss aber der Zusammenhalt riesig gewesen sein und ihr bestätigt das ja auch. Aber in Zürich gab es das nicht so. Wir haben die anderen Städte darum beneidet.

Rolf: Luzern war insofern super, als dass du eine grosse Szene an Musikern hattest, aber es war auch für Bands, die in Luzern spielten, eine gute Plattform. Eine Zeitlang konntest du in Luzern die besten Bands sehen. Gerade in der Schüür.

Christoph: Stimmt, damals konnte man an jedem Wochenende ein geiles Konzert schauen gehen. Und die Leute haben sich die Konzerte natürlich auch angeschaut.

Wieder in Luzern wohnen wäre keine Möglichkeit für euch? Gerade im Song «Buebe» hat man das Gefühl, dass es eher negativ über die Stadt Zürich getextet ist.

Rolf: Nein, nicht negativ, aber es setzt sich halt damit auseinander, dass in Zürich auch nicht alles lässig ist. Wenn du von Luzern kommst, findest du es sicher super, dass du die Leute nicht so kennst. Es ist halt irgendwie Fluch und Segen zugleich. Zurück nach Luzern zu gehen ist ähnlich. Es ist zwar mega schön, aber um halb eins stehst du auf der Strasse und kannst nirgends mehr ein Bier trinken. Wenn du aber am Samstag, morgens um 4 Uhr, durch die Langstrasse läufst, findest du das auch nicht so lässig, wie in Luzern am See entlang zu schlendern.


  • Song: Hemmige
  • Künstler: Stephan Eicher
  • Album: Hotel S (2004)

Wie wichtig ist ein Mani Matter heute für eine junge Mundart-Band?

Daniel: Ganz im Ernst, ich habe kürzlich auch wieder viel Mani Matter gehört. Nicht nur Jovanotti. Er ist einfach unglaublich super.

Rolf: Wobei ich zugeben muss, dass ich ihn nicht so extrem auf dem Radar habe.
Christoph: Ich schon. Meine Eltern hatten eine Platte.

Philipp: Meine auch.

Christoph: Ich habe die Platte stundenlang gehört und auch das Cover bestaunt.

Philipp: Welche denn?

Christoph: Es war ein weisses Platten-Cover mit schwarzen Zeichnungen. Sicher ist das «Zündhölzli» dort drauf.

Philipp: Wir hatten die CD, wo er auf dem Cover im Tram sitzt.

Christoph: «Ir Ysebahn“, stimmt. Die hatten wir auch.

Daniel: Die hatten wir in der Ferienwohnung.

Christoph: Ich kenne seine Songs alle sehr gut.

Philipp: Das waren Songs, «Dr Hansjakobli u ds Babettli», die hörte früher meine Mutter und das ist doch heute Allgemeingut.

Rolf: Und zum Teil haben sich Songs in die Alltagssprache eingefügt und wenn du das schaffst, ist das schon legendär.

Philipp: Ich kann fast nicht sagen, ob ich das musikalisch gut finde, aber es gehört einfach zur Familie.

Daniel: Ich finde ihn textlich grandios. Der schafft es in eineinhalb Minuten mehrmals, dir die Welt zu erklären. Und das auf eine sehr sympathische Art. Das ist schon krass.

Ja, dann sind wir am Ende angekommen. Ich hoffe, ihr hattet Spass.

(Die ganze Band): Ja, sehr viel Spass.

Philipp: Hast du nicht noch ein paar Lieder?

Nein, das waren leider alle Songs.



Die weiteren Ausgaben: ABBA bis Zappa ...



Interview: Patrick Holenstein und Selina Berner
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