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19. September 2013, 13:22 Movie

Kino: Riddick

Gregor Schenker - Nach „Pitch Black“ und „The Chronicles of Riddick“ spielt Vin Diesel nun zum dritten Mal den übermenschlichen Antihelden Riddick. Beim neuen Film handelt es sich um einen angenehm bodenständigen Actionthriller zwischen Robinsonade, Spaghetti-Western und Alien-Horror.

Kino: Riddick
Ein glatzköpfiger Muskelprotz schleppt sich mit schweren Verletzungen durch eine unendliche Wüste, riesige hundeartige Raubtiere sind ihm dicht auf den Fersen. Wie zum Teufel ist er dort gelandet? Um das herauszufinden, werfen wir einen Blick zurück in die Vergangenheit.

Der Überraschungshit Pitch Black (2000) bedeutet für Vin Diesel den Durchbruch als Actionheld (einen Status, den er mit The Fast and the Furious, xXx – Triple X und natürlich Der Babynator zementieren wird). Er verkörpert darin Riddick, einen Schwerverbrecher mit übermenschlichen Fähigkeiten, der an Bord eines Gefangenentransporters auf einem verlassenen Planeten bruchlandet. Die Überlebenden sehen sich mit einer undurchdringlichen Dunkelheit konfrontiert, in deren Schutz sich wüste Monster tummeln.

Pitch Black ist ein simpler Actionthriller, gekonnt geskriptet und spannend inszeniert von David Twohy (damals bekannt als Drehbuchautor von The Fugitive oder Waterworld). Beim Nachfolgefilm gehen ihm und Diesel jedoch die Pferde durch: The Chronicles of Riddick (2004) ist plötzlich ein grossangelegtes Science-fiction-Epos à la Dune, in dem sich Riddick mit dem Volk der Necromonger anlegt und es am Ende zu ihrem neuen Oberboss bringt. Das überladene und pathosgetränkte Spektakel ist höchstens als Trash geniessbar.

Knapp zehn Jahre später versuchen es Twohy und Diesel erneut und besinnen sich glücklicherweise auf die Stärken von Pitch Black zurück.
Riddick strandet dieses Mal auf einem verlassenen Wüstenplaneten, nachdem ihn seine Offiziere hinterlistig verraten. Da er als Lord Marshal der Necromonger ohnehin unzufrieden war, legt er bereitwillig die Fesseln der Zivilisation ab (indem er bei Mondschein nackt auf einen Felsen klettert) und macht einen auf Robinson Crusoe. Er zieht sich sogar einen der erwähnten Raubhunde als treuen Begleiter heran.

Die Idylle trübt sich, als eine gewaltige Regenfront anrollt. Die bringt zwar Wasser, aber auch unüberschaubare Massen von tödlichen Monstern mit.
Riddick schafft es, ein Notsignal zu senden, lockt damit aber bloss zwei Banden von Kopfgeldjägern an. Diese muss er gegeneinander ausspielen, bevor der Regen kommt.

Riddick ist ein bodenständiger Actionthriller, der sich organisch und ohne Zeitverlust von der Robinsonade zum Spaghetti-Western und schliesslich zum Alien-Horror entwickelt. Genau so wie die Handlung sind auch die Protagonisten aufs Nötigste reduziert: Der schweigsame Antiheld, der schmierige und der ehrenhafte Kopfgeldjäger, die Kampflesbe, der gottesfürchtige Jüngling, etc.

Im Grunde ist der Film nichts anderes als eine Ansammlung von Klischees (die man zum grössten Teil schon von Pitch Black kennt), aber gerade das macht seinen Reiz aus. Im Gegensatz zu den Regisseuren von Big-Budget-Schrott wie Man of Steel, Pacific Rim oder The Lone Ranger, die zwar grosse Ambitionen haben, daran aber schmählich scheitern, setzt Twohy auf erprobte Methoden und setzt diese effektiv ein. Riddick mag ein unorigineller und vorhersehbarer Film ein, aber überraschenderweise zittert man tatsächlich mit den Protagonisten mit.

Man wünschte sich bloss, Twohy wäre in der Reduktion der Mittel noch etwas konsequenter gewesen, denn die Dialoge sind weitgehend überflüssig. Riddicks Off-Kommentar während des Robinson-Crusoe-Teils existiert offensichtlich nur deswegen, weil den Filmemachern derart viel Laufzeit ohne Gerede nicht geheuer war.
Und die ganzen sexistischen Macho-Sprüche späterhin sind nicht halb so cool wie gedacht, sondern öfters schmerzhaft peinlich (Riddick kündigt zum Beispiel an, die erwähnte Lesbe zur Heterosexualität konvertieren zu wollen).
Aber dennoch: Riddick ist der beste Actionfilm des Kinosommers.


Bewertung: 4 von 5


Offizielle Webseite


  • Titel: Riddick
  • Land: USA/England
  • Regie: David Twohy
  • Drehbuch: David Twohy
  • Darsteller: Vin Diesel, Jordi Mollà, Matt Nable
  • Verleih: Rialto Film AG
  • Start: 19. September 2013
Fotos von Paterson-Entertainment AG
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