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2. Oktober 2013, 00:00 Kultur Movie

Filmbulletin – Wo noch für Film gelebt wird

Patrick Holenstein - Seit 1958 existiert das Filmbulletin. Heute ist es die einzige Filmzeitschrift in der deutschsprachigen Schweiz. Das Magazin setzt sich aber nicht nur mit dem aktuellen Filmgeschehen auseinander, sondern nutzt die zeitgenössischen Inputs oft für Abstecher in die Geschichte der bewegten Bilder.

Filmbulletin – Wo noch für Film gelebt wird
Beim neugierigen Blättern in einer Ausgabe des Filmbulletin fällt zuerst auf, dass sich das Blatt einen Luxus leistet. Nämlich Platz. Da darf eine Abhandlung zu Martin Scorsese gerne über sieben Doppelseiten ausgebreitet werden, der Meister in den Kontext zu New York und dem Männerbild in seinen Filmen gestellt und ein Aspekt seines Werkes in aller Ruhe analysiert werden. In einer anderen Ausgabe wird in ähnlichem Umfang das amerikanische Kino der 80er-Jahre beleuchtet.

Diese beiden Beispiele machen deutlich, um was es einem Magazin, das „Kino auf Augenhöhe“ im Titel trägt, gehen muss. Um den Blick, die Perspektive auf das Kino und letztlich um den respektvollen Umgang mit dem Medium, über das sich so herrlich diskutieren lässt. Auf Augenhöhe bezieht sich aber auch auf den Anspruch, den das Magazin stellt. Die Sprache des Filmbulletin bewegt sich auf einem etwas höherem Niveau, ist aber durchaus verständlich und nicht konstruiert. Die Texte richten sich offensichtlich an ein filminteressiertes Publikum, das schon ein wenig Vorwissen mitbringt. Also ein Magazin für Cineasten, die sich nicht vor Texten scheuen, die Filme sorgfältig betrachten und auch mal eine etwas anderen Blickwinkel einnehmen.

Schönes Magazin für die Schweiz

Ähnlich wie das berühmte cahiers du cinema, das seit 1951 regelmässig erscheint und berühmte Regisseure der späteren französischen Nouvelle Vague als Kritiker beschäftigte, geht es auch dem Filmbulletin nicht darum, vollständig zu sein. Die Redaktion stellt den Themenkatalog so zusammen, wie sie ihn für wichtig hält und nimmt sich die Freiheit, Filme auszuklammern. Das dabei der Fokus auf dem Arthaus- und Autoren-Kino liegt, ist ein wenig in der Natur der Sache begründet. Hoch anzurechnen ist dem Filmbulletin allerdings, dass das Holywoodkino nicht per se ausgeklammert wird, dem Tenor des Hollywood-Bashings nicht nachgegeben wird. Am einfachsten bringt es das Magazin selbst auf den Punk: „Wir betrachten Film als Kunstform.“

Das Magazin erscheint seit 1958 achtmal im Jahr. Das sind vierhundert Seiten anspruchsvolle, interessante und lehrreiche Texte rund um das Medium Film. Die Redaktion befindet sich in Winterthur und erklärtes Ziel ist es, eine Plattform zu bieten, die sich kritisch, aber auch fair, historisch sowie zeitgemäss und theoretisch fundiert mit dem Medium Film auseinandersetzt. Man merkt beim Lesen förmlich, wie sehr der Redaktion die bewegten Bilder auf der Leinwand am Herzen liegen und diese Liebe wird direkt an die Leser weitergegeben. Schön, dass es so eine Publikation in der Schweiz noch gibt.

Für Studierende bietet das Filmbulletin 40% Rabatt auf Jahresabonnements an. Alle Informationen gibt es auf der Webseite des Filmbulletin.

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