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25. Oktober 2013, 16:38 Bücher Kultur students.ch

Du streust Licht wie Sand in mein Auge.

Annekatrin Kaps - Die Buchbasel hat angefangen, hier kommen die ersten Impressionen von der Lesung mit Peter Stamm und einer eher ungewöhnlichen Lyrik-Performance auf dem Rhein.

Du streust Licht wie Sand in mein Auge.
Der Festsaal des Volkshauses in Basel ist um elf Uhr am Freitagmorgen schon fast voll. Erstaunlicherweise sind es fast nur junge Leute, die Peter Stamm erleben wollen. Um mich herum sitzt eine ganze Schulklasse. Genauer gesagt, das Gymnasium von Weil am Rhein, erklärt mir meine Sitznachbarin. Sie würden über ihn in der Matura schreiben und wären deshalb hier.

Einige halten sogar das neue Buch „Nacht ist der Tag“ in den Händen. Ein Mädchen vor mir stellte fest, dass „er auf dem Foto besser aussieht“. Dann wird es ruhig, Sandra Leis stellt den Schriftsteller vor. Mittlerweile ist er ein Bestseller-Autor, mit seinem letzten Werk schaffte er es sogar als erster Schweizer auf die Shortlist des Man Booker International Prize. Dabei hatte er einen schwierigen Start, für seine ersten drei Romane fand er keinen Verlag. Erst mit „Agnes“ gelang ihm der Durchbruch.

Die Moderatorin verwickelt Stamm in ein Gespräch über Schönheit, Äusserlichkeit und Innerlichkeit. Zentrale Themen von „Nacht ist der Tag“. Dann beginnt Peter Stamm zu lesen. Seine unaufgeregte, klare Stimme passt gut zu den schnörkellosen Sätzen, in denen kein Komma zu viel zu sein scheint.

Später geht es in der Diskussion um die Schwierigkeiten der Dramaturgie. Der Autor erzählt von der literarischen Sackgasse, in die er sich mit der Heilungsgeschichte von Gillian (der weiblichen Hauptfigur im Buch) geschrieben hatte. Und von seinen Erfahrungen im Robinsonclub im Engadin „eigentlich ein Paradies, andererseits furchtbar, weil man dort nichts zu tun hat“. Auf jeden Fall wäre es wieder ein Buch mit Happy End, aber das wären seine Bücher eigentlich alle. Dabei wäre der Erkenntnisgewinn genauso typisch.

Szenenwechsel. Sanft plätschert der Rhein, ich sitze auf der Rheinfähre, mir gegenüber an einem Tisch Svenja Herrmann. Sie wird uns ihre Lieblingsgedichte aus der Lyrikanthologie „Moderne Poesie in der Schweiz“ vorlesen, aber auch eigene Gedichte vortragen. Die Gedichte von Sonja Sekula, Flurin Spescha oder Albin Solinger passen perfekt zum milden Herbsttag und machen glücklich, wie auch eines der Poeme von Zollinger lautet.

Bei der zweiten Überfahrt wird es eng, die letzten bekommen nur noch Stehplätze. Urplötzlich stürzt der Fährmann zum Ruder in der Kabine und verhindert in letzter Minute eine Kollision mit einem schwer beladenen Lastschiff. Wer hätte gedacht, dass Lyrik so spannend sein kann?

Mit einem feinen Lächeln liest die junge Lyrikerin mit den langen roten Haaren, welche ihr malerisch, fast wie die Loreley über die Schultern fliessen, eines ihrer Werke. „Das Gedicht ohne Druckerschwärze, dieses Atmen in Weiss müsste es geben“. Und entlässt uns mit dem wunderbar poetischen Spruch „Du streust Licht wie Sand in mein Auge.“

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