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26. Oktober 2013, 17:47 Bücher Kultur

«Zürich liest»: Karl der Grosse und Zürich

Claudia Maag - Wie gross war Karl der Grosse? Was verband ihn mit der Schweiz? War er ein Weiberheld und wo hallen seine Reformen nach? Wir waren bei einem Workshop für Kinder und Familien dabei und spürten diesen Fragen nach.

«Zürich liest»: Karl der Grosse und Zürich
«Gab es damals noch Heiden?», fragt ein Knirps mit brauen Haaren eine der Leiterinnen des Workshops zum Thema «Karl der Grosse. Mächtigster Kaiser des Mittelalters.»
Zwei Handvoll Kinder und etwa zwei Dutzend Erwachsene lauschen in der standesgemässen «Palazzo Pestalozzi-Castelvetro»-Prunkstube von 1585 im Obergeschoss des Landesmuseums den Legenden und Fakten von Karl dem Grossen.

Nicht nur im Namen spiegelt sich seine Grösse wieder. Anhand von Knochenfunden schätzen Forscher seine Körpergrösse auf ungefähr einen Meter neunzig. Damit mass er einiges mehr als seine Zeitgenossen, welche meist einen Meter sechzig gross wurden. Er war ein Visionär und ein Wissbegieriger. Er berief Theologen, Wissenschaftler, Schriftgelehrte und Baumeister an seine Residenz in Aachen. Nicht zuletzt war er ein Weiberheld. Mit seinen (offiziellen) vier Ehefrauen und fünf Konkubinen zeugte er achtzehn Kinder. So viel Gerechtigkeitssinn man Karl dem Grossen auch nachsagt, bei seinen zehn Töchtern war er nicht sehr gnädig. Er erlaubte ihnen wegen der Erbteilung nicht zu heiraten – daher gingen die meisten in Klöster.

Schrift und Buchkunst

Quelle: Landesmuseum Zürich

Doch warum wissen wir so viel über einen Mann, dessen Geburtstag sich am 2. April 2014 zum 1’200sten Mal jährt? Eines der zentralen Themen für ihn war seine Bildungsreform. Die europäische Schriftkultur im 7. Jahrhundert erreichte ihren Tiefpunkt. Das Latein der Theologen, Mönche und Priester war verwildert und kaum lesbar. Karl der Grosse initiierte eine neue Schrift: die karolingische Minuskel. Dank ihrer starken Normierung und leichter Lesbarkeit wurde sie vom späten 8. bis 12. Jahrhundert verwendet. Diese Schrift ist die Basis unserer heutigen Druckschrift – sie wirkt heute in den Druckschriften «Times» oder «Antiqua» nach. Der Kaiser liess seine Schreiber (Mönche) einerseits mit der Feder schreiben und andererseits die Buchseiten kunstvoll bemalen. Zur Verzierung benutzte man Farbpigmente - oft in Rot, das von Zinnober stammte und im Mittelalter «Minium» hiess. Diese Miniaturzeichnungen prägten den Begriff der «Miniatur».

Neue Münzen
Nebst der Bildungsreform vereinheitlichte er auch das Münzsystem im ganzen Reich. Bei der karolingischen Münzreform im 8. Jahrhundert setzte er den silbernen Denar als alleinigen Münzwert durch.
Das Pfund führte er 793/94 ein. 1 Pfund waren 20 Schillinge, 1 Schilling waren 12 Denare. Pfund und Schillinge fungierten nur als Rechengrössen. Geprägt war nur der Denar (auch Pfennig genannt). 793 wurde dessen Vorderseite mit kaiserlichem CAROLUS-Monogramm versehen

Mythen und Legenden Zürich
Zahlreiche Legenden und Mythen erzählen von seiner Beziehung zur Schweiz. So etwa die Zürcher Gründungslegende vom Hirsch und der Erbauung des Grossmünsters. Die am Boden sitzenden Kinder lauschen gespannt auf die Geschichte, in der Karl der Grosse einen prächtigen weissen Hirsch gejagt haben soll. Er folgte ihm bis zu einer Stelle, an der sein Pferd sich auf der Grabstelle der Zürcher Stadtheiligen Felix und Regula niederkniete. Der Legende nach hat der Kaiser dort die ursprüngliche Grossmünsterkirche bauen lassen.

Bevor die Kinder ins Museum entlassen werden, stürzen sie noch zum Welcome Desk – um sich ihr Heft mit Fragen und Rätseln für den Ausstellungsbesuch zu schnappen.

Veranstaltungsausblick:
Zürich Liest bei Karl der Grosse
Samstag, 26.10., 24.00 Uhr, Grosse Reden im Karl IV, Restaurant Karl

Sonntag, 27.10., 14.00 Uhr, Skriptorium: ein Skriptor (Schreiber) ist zu Gast und gibt Einblicke in ein altes Kunsthandwerk.

Weitere Informationen zum Thema
http://www.karl.landesmuseum.ch/
http://www.karldergrosse.ch/veranstaltungen

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