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2. März 2014, 00:00 Kultur Movie

Kino: Nymphomaniac 1&2

Robert Salzer - Kein Skandal, aber eine verspielte erotische Lebensreise einer Frau zeigt Lars von Trier in seinem neusten Film.

Kino: Nymphomaniac 1&2
Selten wurde über einen Film schon so viel geschrieben und gesagt wie über Nymphomaniac. Die Ankündigung von Lars von Trier einen Porno zu drehen, nahm die Presse schon lange vor Filmstart als dankbare Aufforderung auf, Werbung für den Film zu machen. Eines vorweg: Skandalös ist Nymphomaniac nicht, erotisch und höchst amüsant aber schon.

Seligman (Stellan Skarsgård) findet in einer Winternacht die ohnmächtige Joe (Charlotte Gainsbourg) in einer Seitengasse. Er nimmt sie mit nach Hause und pflegt sie gesund. Als sie wieder zu sich kommt und Seligman sie fragt, was passiert sei, erzählt sie ihm ihre Lebensgeschichte mit den einleitenden Worten: „I am just a bad human being.“ Joe meint damit ihre unbändige Sexlust, über welche sie Seligman in den folgenden acht Kapiteln und 117 Minuten (Teil 1), sowie 124 Minuten (Teil 2) genau berichten wird.

Diese Kapitel haben klingende Namen wie beispielsweise „Der versierte Angler“, in welchem Charlotte von ihrer Jugend (junge Joe: Stacy Martin) erzählt. In allen Details schildert sie eine Zugfahrt, in welcher sie gemeinsam mit ihrer Freundin um eine Tüte Schoko-Pralinen wettet, wer die meisten Männer verführen kann.

Während Joe erzählt, unterbricht Seligman immer wieder die Handlung, um wissenschaftliche und literarische Erkenntnisse in die Geschichte einzubinden. Seligman ist der Antipol zu Joe: Er ist in hohem Alter noch Jungfrau und im Gegensatz zu ihr sehr belesen. So wird das Verführen von Männern und das Angeln miteinander in Verbindung gebracht.
Diese Anlage zieht sich durch den gesamten Film. Von Trier kombiniert die Fibonacci-Zahlen, Orgelmusik bis hin zur Trennung der Ost- und Westkirche mit dem sexuellen Leben von Joe. Diese Quervergleiche sind oft an den Haaren herbeigezogen, aber gerade deshalb höchst amüsant nachzuvollziehen. So erklären Joe und Seligman einen musikalischen Dreiklang mittels dreier Liebhaber. Der Film nimmt durch diese Exkursionen vor Allem zu Beginn des ersten Teiles mächtig an Fahrt auf.

Der zweite Teil wird dann etwas melancholischer. Joe gründet mit Jerôme (Shia LaBeouf) eine Familie, welche sie aufgrund ihrer Sexsucht immer wieder vernachlässigt, und begibt sich in Therapie („I am a nymphomaniac.“ – „We prefer the term sexaddict“). Der Film kriegt auch eine gesellschaftskritische Botschaft, wenn gesagt wird, dass Joes Leben als Mann nichts besonderes gewesen wäre, sie aber als Frau geächtet wird.

Nymphomaniac ist ein besonderes Kinoerlebnis. Die Länge des Filmes nutzt von Trier, um sich auszutoben. Er zitiert seine eigene Anfangsszene von Antichrist, lässt Seligman einen kurzen Monolog über den Unterschied von Antisemitismus und Antizionismus halten (Cannes lässt grüssen...) und gibt Uma Thurman die Möglichkeit eines grandiosen Auftrittes als hintergangene Ehefrau, welche mit den Kindern die Wohnung der Affäre ihres Mannes aufsucht („Can I see the whoring bed?“).

Natürlich ist das alles nicht philosophisch tiefgründig, macht aber einfach sehr viel Spass. So prägen sich die „skandalträchtigen“ Szenen der Bodydoubles weniger ins Gedächtnis ein, als all die lustigen Sprüche und pseudowissenschaftlichen Erkenntnisse, welche Joe und Seligman im Laufe ihrer gemeinsamen Nacht ziehen.



  • Titel: Nymphomaniac
  • Land: Dänemark/Deutschland/Frankreich/Belgien/Grossbritannien
  • Regie: Lars von Trier
  • Drehbuch: Lars von Trier
  • Darsteller: Charlotte Gainsbourg, Stellan Skarsgård u.a.
  • Verleih: Ascot Elite
  • Start: 27. Februar 2014 (Teil 1)
  • Start: 3. April 2014 (Teil 2)
Fotos von Ascot Elite
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