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13. März 2014, 00:00 Movie

Kino: August: Osage County

Stefania Akrabova - Der Film „August: Osage County“ zeigt auf, dass keine Familie perfekt ist. Meryl Streep als pillenabhängige Mutter, Julia Roberts als betrogene Ehefrau und Sam Shepard als verzweifelter Ehemann, der nur einen Ausweg aus dem Irrenhaus sieht, welches sich seine Familie nennt.

Kino: August: Osage County
Es sind die heissesten Tage des Sommer in Osage County, Oklahoma. Aber die Familie Weston hat ganz andere Probleme: Mutter Violet (Meryl Streep) leidet an Mundhöhlenkrebs und behandelt sich, nach ihrer halbwegs erfolgreichen Chemotherapie, selbst mit allerlei Tabletten. Ehemann Beverly (Sam Shepard) hält es seit Jahren nur dank viel Alkohol mit ihr aus. An einem dieser heissen Augusttage reicht es ihm und er reisst von Zuhause aus.

Violet versammelt daraufhin die gesamte Familie, damit sie ihr beisteht. Ihre drei Töchter, die verschiedener nicht sein könnten, treffen bald darauf bei der Mutter ein. Gefolgt von Tante Mattie Fae samt Mann Charles und Sohn „Little“ Charles.Kurz nachdem sich die ganze Familienbande versammelt hat, erfährt man, dass Vater Beverly tot aufgefunden wurde. Als herauskommt, dass er Selbstmord beging, dauert es nicht lange und der Konflikt, der bis dato untergründig gebrodelt hat, bricht aus. Dabei kommen viele dunkle Geheimnisse ans Tageslicht.

August: Osage County von John Wells erzählt im gemächlichen Rhythmus des amerikanischen Südstaatenlebens die Geschichte einer komplizierten Familie. Er erschafft eine Sommeratmosphäre, die man am eigenen Körper spüren kann. Die vor Hitze flackernden Landschaften der Steppen von Oklahoma, ihre rot-beigen Farben im Kontrast mit Violets grauem Haus, tragen viel zum Wärmegefühl bei.

Den Rhythmus des Filmes gibt aber eindeutig Meryl Streep als Violet an. Sie bildet nach dem Tod ihres Ehemannes das Zentrum der Familie. Durch ihren Tablettencocktail benebelt und hemmungslos, lässt sie an niemandem ein gutes Haar. „Vi“ verkörpert auch den Stereotyp der Südstaatenfrau. Sie betont gerne und oft, wie ihre Generation hart arbeiten musste, um zu ihrem Geld zu kommen, ist eher konservativ und äussert sich politisch nicht immer korrekt. Sie scheint jedoch nicht immer bei sich zu sein, was wohl an der Mischung aus Beruhigungs- und Schmerzmittel liegt. Nach dem Tod von Beverly redet sie mit ihm, führt sogar Diskussionen. Sie ruft auch nach ihm, so als habe sie vergessen, dass er nicht mehr da ist. Sie ist eine alte Zynikerin, die ihre Verzweiflung über ihre Lebenssituation ironisiert und anfängt, allen Familienmitgliedern die Schuld an Beverlys Tod zuzuweisen. Am härtesten nimmt sie die älteste Tochter Barbara dran, die von der Familie weggezogen ist, um in der Stadt zu leben und dort ihre Tochter aufzuziehen. Die Beziehung zu Ehemann Bill (Ewan McGregor) scheint langsam auch in die Brüche zu gehen. Violet geniesst es, jedes noch so unangenehme Detail, beim Leichenmal ihres Mannes und vor versammelter Familie, aus Barbara heraus zu bekommen. Julia Roberts verkörpert sehr einfühlsam, eine verletzte Ehefrau, die mit einem Schicksalsschlag umgehen muss. Gleichzeitig aber, möchte sie die Pflichten der Mutter gegenüber nicht vernachlässigen. . In der Hälfte des Filmes, kommt der August: Osage County aus seinem, oben erwähnten, gemächlichen Rhythmus heraus. Die Dialoge sind sehr intelligent geschrieben und als Streitgespräche inszeniert, die den Zuschauer immer wieder fesseln. Auch werden ständig aufs Neue Geheimnisse aufgedeckt, welche die Spannung aufrecht erhalten.Den Höhepunkt des Filmes bildet eine solche Streitszene. Tochter Barbara hat genug von den Beleidigungen der Mutter und möchte ihr die Pillen wegnehmen, da diese laut ihr, ihre Denkweise verändern und beeinflussen. Die Situation eskaliert und zum Schluss liegen Mutter und Tochter raufend auf dem Boden. Diese Szene, wie so viele andere, besitzt eine tragische Komik. Ein tragisches Thema, wie hier die Tablettensucht von Violet, wird als Ausgangspunkt für eine Streikt gebraucht, den man in dieser Form auch bei Kindern sehen könnte. Dieses Konzept der Tragikomödie zieht sich durch den ganzen Film und ergibt, vermischt mit viel schwarzem Humor, eine gute Mischung.

Man könnte den Film als eine Art Milleustudie bezeichnen, da er, eine Südstaatenfamilie gekonnt in Szene setzt und in allen Einzelheiten beschreibt. Das Thema Familie steht ganz klar im Vordergrund. Man beginnt sich die Frage zu stellen, wie weit man eigentlich für den Segen seiner Liebsten gehen und was man ihnen verzeihen würde. Nach dem Schauen von August: Osage County hat man als Zuschauer kein befreiendes Gefühl. Dies liegt nicht nur an dem packend erzählten Drama, sondern weil man anfängt, sich über die eigene Familie Gedanken zu machen. Falls man beginnt Parallelen zu suchen, ist es vielleicht besser wenn keine zu Finden sind.


Bewertung: 4,5 von 5

  • Titel: August: Osage County
  • Land: USA
  • Regie: John Wells
  • Drehbuch: Tracy Letts
  • Darsteller: Meryl Streep, Julia Roberts, Ewan McGregor, Abigail Breslin, Margo Martindale, Benedict Cumberbatch, u.v.m.
  • Verleih: Ascote Elite
  • Start: 13.03.2014
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