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26. März 2014, 00:00 Movie

Kino: Her

Stefanie Füllemann - Joaquin Phoenix verliebt sich in sein Betriebssystem und gewinnt dadurch seine Lebensfreude zurück. Regisseur Spike Jonze inszeniert eine aussergewöhnliche, feinfühlige Liebesgeschichte, für die er mit dem Oscar für das beste Originaldrehbuch belohnt wurde.

Kino: Her
Eine vom Menschen erschaffene Maschine entwickelt ein Eigenleben und nimmt sich zum Ziel, ihren Schöpfer zu ermorden. So kennt man Filme, die von künstlicher Intelligenz handeln. Spike Jonze schlägt mit Her eine ganz andere Richtung ein: Er erzählt die Geschichte eines freudlosen Briefautoren und seinem körperlosen Betriebssystems, die sich ineinander verlieben.

Theodore (Joaquin Phoenix) arbeitet in einer Firma, die im Namen ihrer Kunden persönliche, handgeschriebene Briefe für deren Liebsten verfasst. Seit der Trennung von seiner Frau Catherine (Rooney Mara) hat er jede Lebensfreude verloren und kaum noch Kontakt zu anderen. Dies ändert sich, als Samantha (Scarlett Johansson) in sein Leben tritt. Sie sprüht vor Energie und Lebensfreude, ist humorvoll und einfühlsam – und ein Betriebssystem.

Samantha gehört zur neuesten Generation einer hochkomplexen künstlichen Intelligenz. Sie ist so konzipiert, dass sie durch ihre Erfahrungen tagtäglich dazu lernt und sich kontinuierlich weiterentwickelt. Die naive, offene Art Samanthas und ihre Neugierde auf die Welt lassen Theodore sich selbst, seinen Alltag und seine Umgebung durch andere Augen sehen. Langsam beginnt er, sich aus seiner Isolation zu lösen, geht wieder nach draussen und verbringt Zeit mit seiner besten Freundin (Amy Adams).

Produktionsdesigner K.K. Barret schuf ein farbenfrohes L.A. der nahen Zukunft, das durch den Retro-Look an die 1970er Jahre erinnert und dadurch kaum futuristisch, sondern sehr vertraut und durch die dominierenden Rottöne sehr gemütlich wirkt.
Die Menschen jedoch, die diese Zukunftswelt bewohnen, scheinen sich nur noch mit ihren elektronischen Geräten zu befassen, bauen freundschaftliche, teils sogar romantische Beziehungen zu ihnen auf. Jonze zieht hier zweifellos Parallelen zur heutigen Gesellschaft, wirkt diesbezüglich aber nie moralisierend. Vielmehr sieht er diese Entwicklung als konsequente Weiterführung heutiger Tendenzen. So wird die Liebesbeziehung zwischen Theodore und Samantha nie als abwegig oder gar pervers, sondern als real und ernst zu nehmend dargestellt. Die Personen in Theodores Umfeld reagieren dann auch nicht sonderlich erstaunt, als er ihnen offenbart, dass seine neue Freundin ein Betriebssystem ist.

Her ist also eine warmherzige und bittersüsse Liebesgeschichte, manchmal nachdenklich, dann wieder voller romantischen Übermuts. Besonders schön ist eine Sequenz, in der Theodore mit geschlossenen Augen das nächtliche L.A. entdeckt, geführt von Samantha, die ihn mit Hilfe der Kamera in Theodores Smartphone-ähnlichen Gerät leitet. In diesen berührenden Momenten scheint es nur die beiden zu geben und als Zuschauer vergisst man fast, dass Samantha bloss eine körperlose Maschine ist.

Scarlett Johansson gelingt es, lediglich durch ihre Stimme die vielen unterschiedlichen Gefühle auszudrücken, die Samantha in ihrer Entwicklung und der Beziehung mit Theodore durchlebt, und ihr somit ein Gesicht zu geben. Bei ihren gemeinsamen Gesprächen wird Theodore oft in Grossaufnahme gezeigt, sodass trotz der körperlichen Abwesenheit Samanthas eine zärtliche Intimität zwischen den beiden entsteht. Die Emotionen in Theodores Gesicht zeigen nicht nur seine Liebe zu ihr, sondern tragen auch dazu bei, Samantha eine Gestalt zu verleihen.



Bewertung: 5 von 5



  • Titel: Her
  • Land: USA
  • Regie: Spike Jonze
  • Drehbuch: Spike Jonze
  • Darsteller: Joaquin Phoenix, Rooney Mara, Scarlett Johansson, Amy Adams
  • Verleih: Ascot Elite
  • Start: 27.03.2014
Fotos von Ascot Elite
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