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14. April 2014, 17:16 Bücher Kultur

Buchkritik: K. oder Die verschwundene Tochter

Claudia Maag - Der Ladenbesitzer K. wartet seit längerem auf ein Lebenszeichen seiner Tochter. Die Suche nach ihr bringt rasch zu Tage, dass sie ein Doppelleben führte und mit ihrem Mann, während der brasilianischen Militärdiktatur, versteckt politisch aktiv war. Packend und aufwühlend.

Buchkritik: K. oder Die verschwundene Tochter
São Paulo in den Siebzigerjahren. Seit zehn Tagen hat seine Tochter nicht angerufen. Ungewöhnlich für sie. An einem Sonntagmorgen verspürt K. erstmals die Angst, die ihn für lange Zeit nicht mehr aus ihren Fängen freigeben wird. K., Besitzer eines Geschäfts für Herrenmode, begibt sich auf die Suche nach seiner Tochter, Dozentin an der Universität São Paulo. Er befragt ihre Freundinnen an der Chemischen Fakultät, seine Freunde, Verwandte, Kunden und geht mit einem Foto zur Polizei. Doch das Verhalten des Umfelds verändert sich rasch, als wären die Menschen zurückgepfiffen worden. Über Umwege erfährt er, dass seine Tochter seit Jahren ein Doppelleben führte und mit ihrem Mann – von dem er nichts wusste – versteckt politisch tätig war.

Ausgerechnet sein Lieblingskind, zärtlich mein liebes Töchterchen (mayn tayer tekhterl) genannt, das er zu kennen glaubte und für gänzlich unpolitisch hielt. Gerade er hätte es merken müssen, er, der Mitte der Dreissigerjahre in Polen selbst ein Mitglied einer jüdischen Widerstandsgruppe und nach seiner Haftstrafe nach Brasilien geflohen war.

Der Autor Bernardo Kucinski gilt als wichtige Stimme der Angehörigen der desaparecidos, der Menschen, die in der Zeit der brasilianischen Militärdiktatur (1964-1985) gefangen genommen oder verschleppt wurden und seitdem als vermisst gelten. Die Tochter im Roman trägt Züge von Bernardo Kucinskis Schwester Ana Rosa Kucinski Silva, welcher dieses Schicksal widerfahren ist. Er beschreibt die Suche seines Vaters nach seiner Schwester. Durch die Suche werden verdrängte Erinnerungen an dessen Jugend wach, wodurch sich brasilianische mit europäischer Geschichte verbindet.

«K. oder Die verschwundene Tochter» ist aufwühlend, faszinierend, verstörend, spannend wie ein guter Krimi und herzzerreissend. Menschlich in jeder Hinsicht. Und doch von Würde durchzogen. Der Roman ist literarisch hervorragend umgesetzt. Mehrfach wechselt Kucinski die Perspektiven. Bemerkenswert, wie er gar in die Täter schlüpft und versucht, deren Sicht der Dinge zu beschreiben. Der Autor schrieb eingangs: Alles in diesem Buch ist erfunden, doch fast alles ist geschehen.
Fazit: Nichts für Zartbesaitete, aber definitiv für solche, die sich für historische Romane und die politische Situation in Brasilien interessieren.

Buchinfos
Bernardo Kucinski, K. oder Die verschwundene Tochter, 144 Seiten, Roman, ISBN 978-3-88747-288-7
Deutsche Übersetzung 2013 (Sarita Brandt)
http://www.transit-verlag.de
Beitrag 3Sat Kulturzeit:
http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=42770
Kommentare
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BuchSuch
BuchSuch 18.04.2014 um 12:27
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