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3. März 2015, 00:00 Movie

Kino: Chappie

Gregor Schenker - Ein Kinderfilm mit brutalem Splatter und ironischem Gangsterrap: Die neue Regiearbeit von Neill Blomkamp („District 9“) ist eine ganz schön bizarre Mixtur.

Kino: Chappie
My bodyguard help me get to the bar
Neill Blomkamp's making me a movie star

So tönte es von Yo-Landi Visser im Song Baby’s on Fire. Zusammen mit Ninja bildet die Platinblondine die Rap-Rave-Gruppe Die Antwoord, die seit 2009 mit groteskem Hip-Hop und noch groteskeren Musikvideos auffällt. Nun spielen die beiden tatsächlich Hauptrollen im neuen Film von Neill Blomkamp, der sich mit District 9 zum Shooting-Stars unter den Regisseuren gemausert hat. Sein Zweitling Elysium war nicht ganz so erfolgreich, wurde aber immer noch halbwegs wohlwollend aufgenommen.

Jedenfalls, seine neuste Regiearbeit nennt sich Chappie. Darin spielen Yo-Landi Visser und Ninja zwei Gangster namens Yo-Landi Visser und Ninja (also sich selbst). Die verleben ihre Tage in der südafrikanischen Hauptstadt Johannesburg (im fernen Jahr 2016) und haben ein Problem: Seit neustem verwendet die Polizei sogenannte Droiden, also mannsgrosse Roboter, die stärker, schneller und besser als jeder menschliche Gesetzeshüter sind. Als die beiden einen Überfall verüben, heften sich die elektronischen Bullen sofort an ihre Fersen und nehmen ihren Kleinlaster auseinander. Sie kommen zwar gerade noch davon, aber die Beute sind sie los. So kann man einfach nicht arbeiten.

Also entführen Yo-Landi und Ninja den jungen Wissenschaftler Deon, der die Polizeidroiden entwickelt hat (Slumdog Millionaire-Star Dev Patel). Der soll ihnen gefälligst die Fernbedienung für die Roboter in die Hand drücken. So eine gibt es allerdings nicht, dafür fällt dem kriminellen Duo Deons neuste Erfindung in die Hände: Ein Droide, der mit künstlicher Intelligenz ausgestattet ist. Sie taufen ihn Chappie.
Am Anfang hat Chappie noch die Denkfähigkeit eines Babys, lernt aber schnell dazu. Und natürlich sind die Verbrecher genau das falsche Umfeld für den beeinflussbaren jungen Roboter. Bald läuft er mit Goldketten und aufgesprayten Tattoos herum, während er Ghettoslang schwätzt und Handzeichen macht.

Auf der einen Seite erinnert Chappie stark an Short Circuit: Hier wie dort macht sich ein naiver Polizei-, bzw. Armeeroboter selbständig und lernt, was Liebe ist. Da liest ihm Yo-Landi zum Beispiel vor dem Zubettgehen aus einem Kinderbuch vor, das von einem kleinen schwarzen Schaf handelt. Eine herzerwärmende Geschichte für die ganze Familie.

Auf der anderen Seite werden hier Leute erschossen (und mitunter in Stücke zerrissen), als hätte Blomkamp ein Remake von RoboCop im Sinn (will sagen, noch ein Remake). Das zukünftige Johannesburg erscheint als Zitat des zukünftigen Detroit aus dem Verhoeven-Film (beides veritable Höllenlöcher) und ein Cousin des berühmten Killerroboters ED-209 hat eine Nebenrolle. Den Erfinder des Metallmonsters gibt übrigens Hugh Jackman, hier mal als durchgeknallter Bösewicht mit Religionstick.

Und da wären eben noch Yo-Landi und Ninja, die herumfluchen, als würden morgen alle Schimpfwörter verboten. Die Mischung aus Kinderfilm, Splatter und ironischem Gangsterrap macht selten Sinn und ist hochgradig bizarr – aber mitunter auch extrem unterhaltsam.


Bewertung: 3 von 5



  • Titel: Chappie
  • Land: USA, Mexiko
  • Regie: Neill Blomkamp
  • Drehbuch: Neill Blomkamp, Terri Tatchell
  • Darsteller: Dev Patel, Yo-Landi Visser, Ninja, Hugh Jackman
  • Verleih: Disney
  • Start: 5. März 2015

Fotos von TMDB

Kommentare
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glaringfacts 30.03.2015 um 21:45
Neill Blomkamp is the shit. His work is almost always a masterpiece of epic proportions!