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25. Mai 2015, 22:35 Movie

Kino: The Babadook

Gregor Schenker - Rennt gefälligst ins Kino, denn „The Babadook“ ist der beste Film des Jahres. Ein unbeschreiblich schönes Horrormärchen aus Australien, das von einer hoffnungslos überforderten Mutter erzählt.

Kino: The Babadook
Seit ich ein kleines Kind war, hat mich kein Film mehr derart berührt und verängstigt. Im Zentrum von The Babadook steht die Altenpflegerin Amelia, gespielt von Essie Davis. Ihr Sohn, der kleine Samuel (Noah Wiseman), ist ein echtes Katastrophengör: Die ganze Zeit stellt er Unsinn an, schreit herum, streitet sich mit den anderen Kindern, lässt seine Mutter keine Nacht durchschlafen. Nicht einmal mehr in Ruhe masturbieren kann sie: Als sie gerade kommt, springt er in ihr Bett.
Und dazu redet er ohne Ende von irgendwelchen Monstern.

Die australische Schauspielerin Jennifer Kent hat hier ihren ersten Langspielfilm inszeniert (das Werk basiert auf ihrem eigenen Kurzfilm Monster). Sie beherrscht ihr Fach meisterhaft und hält einen innert weniger Minuten in ihrer Geschichte gefangen. Mit einer beeindruckend sparsamen, aber mitreissenden Erzählweise vermittelt sie einem alles, was man über Amelia wissen muss (und das dazu noch in traumhaft schönen, poetischen Bildern):
Dass sie ihren Mann bei einem Autounfall verloren hat, dass sie zuviel arbeitet, dass Samuel sie an den Rand des Wahnsinns treibt. Kein anderer Film zeigt einem derart nachfühlbar den Horror, den die alleinerziehende Mutter eines hyperaktiven Kindes durchmacht.

Da geht Amelia zum Beispiel mit Samuel zur Geburtstagsparty ihrer Nichte. Dort muss sie sich dem Mitleid der versammelten Mütter aussetzen, die alle von Friseurbesuchen schwätzen. Und was macht der miese kleine Hosenscheisser? Er schubst seine Cousine, so dass sie aus einem Baumhaus fällt und sich dabei die Nase bricht.
Die Regisseurin setzt durchaus auf Humor – aber es ist finsterster Galgenhumor.

Kein Wunder, geht einem Samuel zunächst ebenso auf die Nerven wie Amelia, die sichtlich damit kämpft, sich ihre Mutterliebe zu erhalten. Und doch können wir den Kleinen nicht hassen, denn anscheinend bemerkt er tatsächlich etwas, das der Frau entgeht. Eine lauernde, grässliche Gefahr, die sich subtil und kaum merklich ankündigt. Eine Bedrohung, angesichts derer sein Verhalten plötzlich Sinn macht.

Dann findet Amelia ein Buch. Ein Aufklappbuch für Kinder. Es handelt von einem Mister Babadook. Und es löst eine Kette von Ereignissen aus, an deren Ende das pure Grauen wartet.

The Babadook ist ein Gruselmärchen, das grossen Vorbildern wie The Shining, Dr. Caligari oder Black Sabbath (dem Film, nicht der Band) Tribut zollt – und ihnen gerecht wird. Das nicht auf billige Jump Scares setzt, wie so viele Horrorfilme der Gegenwart. Das einen psychisch fertig macht und bis in die Grundfesten erschüttert. Das man verdammt nochmal gesehen haben muss.

In Zürich läuft The Babadook im Stüssihof, jeden Abend um 21.15 Uhr.
(Zwar auch in der Arena, aber dort nur auf Deutsch.)


Bewertung: 5 von 5


  • Titel: The Babadook
  • Land: Australien/Kanada
  • Regie & Drehbuch: Jennifer Kent
  • Darsteller: Essie Davis, Noah Wiseman
  • Verleih: Praesens
  • Start: 7. Mai 2015

Fotos von Praesens
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