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27. Mai 2015, 00:00 Movie

Kino: San Andreas

Gregor Schenker - Brad Peyton, der visionäre Regisseur von "Cats & Dogs: The Revenge of Kitty Galore", schenkt uns ein berührendes Familiendrama mit Dwayne "The Rock" Johnson: "San Andreas" handelt von der Unfähigkeit, den Tod eines Kindes zu verarbeiten, und kritisiert patriarchale Geschlechterbilder.

Kino: San Andreas
Die Bilder der Erinnerung schlagen wie ein Blitz in Rays Seele ein: Er war zusammen mit seiner jüngeren Tochter auf einer Kanutour. Da wurde das Boot von den Stromschnellen erfasst. Das Mädchen ertrank.

Ray wird gespielt von Dwayne Johnson, bekannt geworden als Wrestler unter dem Namen The Rock. Er ist ein Schrank von einem Mann, seine Muskeln sind bis zum Bersten aufgepumpt. Er spielt hier den Rettungspiloten Ray, der beste seines Fachs. Früher war er ein Offizier der Armee, seine ehemaligen Untergebenen sind ihm auch jetzt im zivilen Leben treu ergeben. Er ist das, was man einen richtigen Mann nennt.

Und doch, all seiner Kraft, all seinen Fähigkeiten zum Trotz: Er war nicht dazu in der Lage, seiner kleinen Tochter das Leben zu retten. Schlimmer noch: Geprägt von klassischen Bildern von Männlichkeit, internalisiert er seine Trauer und verschliesst sie im steinigen Abgrund seines Herzen.

Am Unwillen, ja an der tiefgreifenden Unfähigkeit, seinen Emotionen Ausdruck zu verleihen, scheitert seine Ehe mit Emma (Carla Gugino).
Als ihm die Scheidungspapiere geliefert werden, zerreisst es ihn sichtlich von innen. Aber er kann nicht weinen. Dafür bricht das Publikum in Tränen aus.

Emma lernt einen anderen kennen: Daniel Reddick (Ioan Gruffudd). Der Firmenbesitzer sieht aus, als hätte er in seinem Leben noch keine Hantel in die Hand genommen. Aber während Ray ihn schweigsam in den Blick nimmt, reicht Daniel dem Ex-Mann seiner Partnerin sofort freundlich die Hand.
Auch gegenüber Blake (Alexandra Daddario), der verbliebenen Tochter von Ray und Emma, kennt der Neue keine falsche Zurückhaltung. Mit grosser Offenheit sagt ihr Daniel, dass er nicht versuchen werde, ihr den Vater zu ersetzen. Das ist einer, der keine Probleme damit hat, über Gefühle zu reden.

Da erschüttert eine Reihe gewaltiger Erdbeben ganz Kalifornien. Die Details der Katastrophe sind nicht von Belang, wichtig ist nur: Daniel erweist sich als Feigling, der die junge Blake in den Trümmern eines Gebäudes zurücklässt. Zwar kann er seine Emotionen artikulieren, aber sein Mangel an Muskelmasse zeitigt, dass er als Mann nichts taugt.
Stattdessen tun sich die Ex-Partner Ray und Emma zusammen, um wenigstens dieses Kind zu retten.

Auf der Reise nach San Francisco führen die beiden gezwungenermassen lange Gespräche, denn im Lichte der bestehenden Umstände kann Ray der verbalen Auseinandersetzung nicht ausweichen.
Schliesslich ist es soweit: Als die beiden in einem Kleinflugzeug sitzen, schüttelt es den gewaltigen Muskelprotz. Tränen strömen ihm übers Gesicht und er gesteht Emma, wie sehr ihn der Tod des Kindes belastet. Endlich überwindet er die fest eingegrabenen patriarchalischen Muster, ohne dass seine Männlickeit in Frage gestellt würde.
Wir verstehen die clevere Botschaft des Filmes: Nur wer dicke Muskeln hat und emotional offen ist, ist ein ganzer Mann.

Regisseur Brad Peyton (Cats & Dogs: The Revenge of Kitty Galore) und Drehbuchautor Carlton Cuse (Lost) schenken uns ein ergreifendes Charakterdrama, das zugleich eine erschütternde Allegorie auf die Schädlichkeit althergebrachter Männlichkeitsvorstellungen, aber auch auf die Gefahr blosser Emotionalität ohne die Kraft des männlichen Körpers ist.


Bewertung: 5 von 5


  • Titel: San Andreas
  • Land: USA
  • Regie: Brad Peyton
  • Drehbuch: Carlton Cuse
  • Darsteller: Dwayne Johnson, Carla Gugino, Ioan Gruffudd, Alexandra Daddario
  • Verleih: Warner Bros.
  • Start: 27. Mai 2015

Fotos von Swisspressportal
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