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9. Juli 2015, 12:18 Movie

"Terminator: Genisys" im Kino

Gregor Schenker - Schwarzenegger tanzt den Robot! Im neuen Terminator-Film reisen Mensch und Maschine kreuz und quer durch die Zeit, um sich gegenseitig auszutricksen. Bei dem Kuddelmuddel blickt schon lang keiner mehr durch, aber lustig ist es trotzdem.

"Terminator: Genisys" im Kino
Terminator: Genisys ist gleichzeitig eine Fortsetzung und ein Remake. Wie damals James Camerons erster Terminator beginnt der Film damit, dass Kyle Reese (Jai Courtney) ins Jahr 1984 reist. Sein Auftrag besteht darin, einen mechanischen Attentäter aufzuhalten, der als Mensch getarnt ist und eine gewisse Sarah Connor (Emilia Clarke) um die Ecke bringen soll. Ihr noch ungeborener Sohn John (Jason Clarke) wird nämlich dereinst die Reste der Menschheit anführen, um erfolgreich die Weltherrschaft der Roboter abzuwenden. Soweit ist die Geschichte bekannt.

Doch sobald Kyle in der Vergangenheit ankommt, stellt sich heraus, dass alles anders ist als erwartet. Denn inzwischen sind derart viele Leute und Roboter kreuz und quer durch die Zeit gereist, dass die natürliche Entwicklung der Ereignisse völlig aus dem Ruder gelaufen ist. So wird der Originalterminator gleich als Erstes von Pops (Arnold Schwarzenegger) angeschossen, einem freundlichen Cyborg, der Sarah schon seit Kindertagen beschützt. Dafür rennt ein T-1000 (Byung-hun Lee) durch die Gegend, wie man ihn eigentlich erst aus Terminator 2: Judgment Day kennt.

Da ist nicht nur Kyle verwirrt, dabei wird das Kuddelmuddel noch viel schlimmer. Am Ende landen Kyle und Sarah jedenfalls im fernen Jahre 2017, wo bald das neue Betriebssystem Genisys online geht. Das Programm, eine unheilige Mischung aus Windows, Google und Facebook, soll die ganze Welt und alle Geräte vom Militärcomputer bis zum Kühlschrank vernetzen. Aber Überraschung, Überraschung: Hinter Genisys' benutzerfreundlicher Oberfläche versteckt sich Skynet (die böse künstliche Intelligenz, die seit zwanzig Jahren versucht, die Menschheit zu unterjochen).

Mit einem Blick auf die Leute, die allesamt am Smartphone hängen, meint Kyle nur: „Sie legen es darauf an, von Maschinen unterjocht zu werden.“ (Und wer Sex hat, legt es darauf an, AIDS zu kriegen.)

Zum Glück legt es Terminator: Genisys nicht darauf an, ernst genommen zu werden. Nach vier Filmen und einer Fernsehserie blickt schon langer keiner mehr durch in der Chronologie der Terminator-Reihe. Das logische Chaos verleugnen Regisseur Alan Taylor und seine Mittäter nicht, sondern heissen es mit einem launigen Augenzwinkern willkommen. Ihr Film ist weit entfernt vom brutalen Pessimismus, den Camerons Original ausmachte, sondern wirkt mehr wie ein klassisches Star Trek-Abenteuer: Jugendfrei, bewusst albern und voll mit pseudowissenschaftlichem Geschwätz.

Es gibt da zum Beispiel einen Moment, in dem Kyle feststellt, dass er sich zugleich an zwei verschiedene Zeitströme erinnern kann. Er und Sarah können sich daraus keinen Reim machen, aber Pops liefert ihnen dafür eine Erklärung, die sich um sogenannte Nexuspunkte im Zeitstrom dreht. Das haarsträubende Gerede ergibt keinerlei Sinn, aber es bringt die Handlung irgendwie weiter. Wie halt auch Chefingenieur LaForge in The Next Generation immer irgendwas von einer „Umkehr der Polarisierung“ daherredet, wenn sich die Autoren in eine Sackgasse geschrieben haben.

Eine Szene in der Mitte des Abspanns bereitet schon die Fortsetzung vor. Das Chaos kann weitergehen.


  • Titel: Terminator: Genisys
  • Land: USA
  • Regie: Alan Taylor
  • Drehbuch: Laeta Kalogridis, Patrick Lussier
  • Darsteller: Arnold Schwarzenegger, Emilia Clarke, Jason Clarke, Jai Courtney
  • Verleih: Universal
  • Start: 9. Juli 2015

Fotos von Universal
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