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24. Juli 2015, 12:44 Movie

Kino: La isla mínima

Lea Bosshart - Alberto Rodríguez' beklemmender und bildgewaltiger Thriller spielt im ländlichen Andalusien. Im Jahre 1980 ermitteln zwei Polizisten in einem Fall von verschwundenen Mädchen.

Kino: La isla mínima
Die Ermittler Juan (Javier Gutiérrez) und Pedro (Raúl Arévalo) haben den Auftrag, das Verschwinden zweier junger Mädchen aufzuklären. Dazu reisen sie in ein tristes andalusisches Nest, in dem ihre Anwesenheit alles andere als gerne gesehen wird. So stossen die beiden Detektive bei ihren Ermittlungen auf Widerstand: keiner ist bereit zu reden. Jedenfalls nicht ohne Gegenleistung. Der Bestechlichkeit sei Dank stellt sich nach und nach heraus, dass Jahre zuvor schon andere Mädchen verschwunden sind, deren Verbleib nie aufgeklärt worden ist.

Nicht nur die dunkle Vergangenheit des Dorfes wird aufgewirbelt wie Staub von einem gewaltigen Windstoss, sondern auch jene von Juan. Seine Rolle während der Franco-Diktatur, die nur fünf Jahre zurückliegt (die Handlung spielt im Jahre 1980), lässt Pedro an seiner Integrität zweifeln. Juans Methoden im Umgang mit Zeugen oder Verdächtigen sprechen ihre eigene Sprache.

Abgesehen von den schauspielerischen Leistungen ist die grosse Stärke des Films die geniale Kameraführung. Die Spannung wird durch die bedrückende Atmosphäre so gekonnt aufgebaut, dass man es im Kinosessel fast nicht aushält. Da ist zum Beispiel eine düstere Landschaft, einerseits wunderschön mit ihren flussdurchzogenen Strukturen, andererseits karg und ärmlich. Und die rauen und seltsamen Gestalten, die Dorfbewohner, scheinen alle ein Geheimnis in sich zu tragen.

Manchmal scheint es, als ob man in einen Albtraum versetzt sei. Die Szene, als ein bunt gefiederter Vogel zu Juan ins Zimmer flattert, lässt offen, ob dies nur eine Vison des Detektivs ist oder wirklich geschieht. Der Vogel setzt sich aufs Lavabo und bleibt dort sitzen, bevor er wild im Zimmer herumflattert. Entsetzt wirft sich Juan eine Pille ein und fällt dann in Ohnmacht. Albtraumhaft ist auch die Szene, in der Pedro auf einer Verfolgungsjagd das entführte Mädchen im Rücksitz des Citroën wie ein Geist erscheint, bevor das Auto vom Nebel verschluckt wird.

La isla mínima ist Rodríguez' sechster Langspielfilm und hat mit 10 Goya-Preisen Furore gemacht. Bereits mit Grupo 7 (2012), ein grosser Publikumserfolg, für den er gute Kritiken erhalten hat, etablierte sich der Regisseur als einer der wichtigsten spanischen Filmemacher unserer Zeit.

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