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2. September 2015, 14:44 Kultur Music Interview

Die Stimme sollte ein bisschen arbeiten.

Patrick Holenstein - In der Schweiz hat sich die Songwriterin Lina Button mit zwei hochgelobten Alben einen sehr guten Namen erarbeitet. Für das dritte Album hat sie ihren Stil mit neuen Facetten ergänzt. Wir haben sie zum Interview getroffen.

Die Stimme sollte ein bisschen arbeiten.
Es ist der letzte Augusttag, als wir Lina Button auf der Students-Redaktion zum Interview empfangen. Die sympathische Musikerin erzählte von den musikalischen Veränderungen auf der aktuellen Platte und wir haben sie gefragt, wie sie den neuen Sound auf die Bühne bringt.

Bekannt geworden bist du mit einer Mischung aus Songwriter-Pop und Folk. Für das neue Album hast du Synthesizer und elektronische Klänge dazu genommen? Wie ist diese Entwicklung gekommen?

Nach den letzten beiden Alben, die sehr in Richtung von Musik mit klassischen Bandinstrumenten gegangen sind, hatte ich Lust, neue Sounds zu probieren. Bereits beim Songwriting habe ich gemerkt, dass die Songs, die entstanden sind, ein neues Gewand brauchen und so hat sich das ergeben.

Hast du dich im Entstehungsprozess für das neue Album als Künstlerin auch neu gefunden?

«Neu gefunden» ist ein grosses Wort. Aber ich denke, ich habe mich schon weiterentwickelt. Vor allem war mir wichtig, mich herauszufordern.

Wie lange hat es gedauert, bis du den Sound hattest, den du dir vorgestellt hast?

Ich habe am Album zwei Jahre gearbeitet. Also von den Anfängen mit dem Schreiben der Songs bis zum Ende der Studiozeit.

Du hast mal gesagt, dass es dir schwer fällt, Musik in Worte zu fassen. Wie hart ist für dich das Schreiben eines Textes heute?

Eigentlich schon. Besonders die eigene Musik zu beschreiben finde ich sehr schwierig. Aber auch andere Musik zu beschreiben, ist nicht einfach. Musik muss man spüren und muss sie hören. Dabei ist für mich schwer, die Musik in Einzelteile und Einzelwörter zu zerlegen. Texte sind für mich eigentlich spannender, wenn man sie im Zusammenspiel mit der Musik und der Melodie hört, als wenn man sie beschreibt.

Auf der deiner neuen Platte «Misty Mind» ist mir «Walking in the Shade» besonders aufgefallen. Er bringt quasi deine musikalische Vergangenheit und die neuen Entwicklungen schön zusammen. Täuscht der Eindruck?

Nein. Für mich ist «Walking in the Shade» auch ein Song, der nicht auf dem letzten oder sogar vorletzten Album hätte sein könnte. Mir war dabei besonders wichtig, auch mit der Stimme Wege zu finden, die ich bisher noch nicht gefunden habe. Es war mir wichtig, auszuprobieren und zu experimentieren. Dazu kommt das Orchestrale im Lied, das fast in die Filmmusik geht, und das mich ebenfalls sehr gereizt hat an diesem Song.

Hast du dafür die Stimme noch speziell schulen lassen?

Ich arbeite immer wieder mit der Stimme, aber im Bezug auf das Album war es eher so, dass ich dachte, ich nehme nicht gerade das Erste, was aus mir heraus kommt. Ich komme ja sehr vom Blues und diese Blues-Phrasings gehen mir sehr einfach von der Hand. Doch dieses Mal dachte ich mir, «jetzt nimmst du nicht gleich das Erste, sondern suchst noch weiter. Die Stimme soll jetzt auch ein bisschen arbeiten». (lacht)

Für die erste Single «Misty Mind» habt ihr einen sehr aufwändigen Clip gedreht. Wie schnell war klar, dass es ein Kostüm-Video werden wird?

Dass es ein Kostüm-Clip wird, war nicht so schnell klar. Es ging vordergründig darum, dass wir das Video schräg, witzig und surreal umsetzen wollten, damit die Fokusverschiebung, von der «Misty Mind» ja spricht, stattfindet. Also dass man sich nicht immer dort konzentrieren kann, wo man eigentlich möchte und manchmal etwas in den Wolken ist. So hat das angefangen und dann haben wir gedacht, dass die Kostüme nochmal zusätzlich etwas Schräges einbringen würden. Darum haben wir das so probiert.

Wie lange habt ihr gedreht?

Wir hatten einen Drehtag. Natürlich sind Drehtage immer lang, aber hier war die Vorbereitung viel intensiver.

Du hast dich irgendwann entschieden, ganz auf die Karte Musik zu setzen. Wie war dieser Schritt für dich?

Es hat mir schon Angst gemacht. Aber die Dringlichkeit, es zu probieren, war wie grösser als die Unsicherheit. Dazu kommt, dass ich ja einen Beruf habe, ich bin Musik- und Bewegungspädagogin, und daher hatte ich immer die Möglichkeit, in meinen Beruf zurück zu gehen. Die Schweiz ist so ein sicheres Land, da gehst, du nicht so schnell verloren. Klappt es nicht, ist es kein Problem, aber wenn ich es nicht probiert hätte, dann wäre es eine Tragödie.

Hast du den Schritt jemals bereut?

Nein, bis jetzt nicht.

Du hast einen Tweet gepostet, in dem man Hendrix Ackle im Studio sieht. War er am Album beteiligt?

Ja, er spielt bei ein paar Songs mit.

Woher kennt ihr euch?

Ich kannte ihn nicht persönlich. Aber mein Produzent, Thomas Fessler, hat schon mit ihm gearbeitet und fand, dass Hendrix für den einen oder anderen Songs gut passen würde.

Demnächst steht eine Tour an. Wie bringst du den neuen Sound auf die Bühne? Hast du neue Musiker in der Band?

Wir sind immer noch gleich viele Leute auf der Bühne. Aber ich habe jetzt jemanden an den Tasten, der sehr gut mit Keyboards, Synthesizern und den ganzen elektronischen Sachen umgehen kann, sodass wir diesen Aspekt gut einbeziehen können. Von daher denke ich, werden wir die Chance haben, die Songs umzusetzen, wie sie auf dem Album sind. Allerdings ist ein Konzert natürlich live und so möchten wir uns die Freiheit auch nehmen, dass nicht alles gleich klingen muss, wie auf der CD.

Lina Button - Misty Mind




Lina Button auf Tour:

  • 19. September / Eisenwerk in Frauenfeld
  • 25. September / Mahogany in Bern
  • 1. Oktober / Obere Mühle in Dübendorf
  • 2. Oktober / Wetterhorn Hasliberg
  • 10. Oktober / Kellertheater in Brig
  • 23. Oktober / Moods in Zürich
  • 24. Oktober / Salzhaus in Brugg
  • 5. November / Chollerhalle in Zug
  • 13. November / La Singe in Biel
  • 23. Dezember / Zauberwald in Lenzerheide
  • Für weitere Termine, checkt die Website von Lina Button.

Foto: Mali Lazell (malilazell.com)

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