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29. Dezember 2015, 22:30 Kultur Movie

Kino: The Big Short

Christine Albrecht - Abstrakte Wirtschaftstheorien, viel Mathematik und ein Ende, das wir alle schon kennen. Klingt nicht gerade nach einem spannenden Drama und doch ist The Big Short genau das und noch mehr. Kein Wunder wurde der Film für vier Golden Globes nominiert.

Kino: The Big Short
Regisseur Adam McKay hat sich diesem scheinbar unphotogenen Stoff aus Prozentzahlen und undurchsichtigen Wirtschaftstheorien angenommen und hat aus dem gleichnamigen Roman von Michael Lewis einen gleichermassen unterhaltsamen und lehrreichen Film geschaffen. Wie aber ist es McKay gelungen, der bis jetzt vor allem durch die Anchorman-Filme bekannt wurde, eine hochtheoretische und abstrakte Geschichte zu erzählen und dabei den Zuschauer bei Laune zu halten?

Bereits beim Casting fährt McKay mit schwerem Geschütz auf: Christian Bale, Brad Pitt, Steve Carell und Ryan Gosling sind in den Hauptrollen zu sehen. Das Publikum ins Kino zu locken, sollte mit einem so eindrücklichen Cast ein leichtes Spiel sein.

Damit die Zuschauer nicht nur ins Kino gehen, sondern auch da bleiben, wenn mit Prozentzahlen und Wirtschaftsausdrücken nur so herumgeworfen wird, hat sich McKay einiges einfallen lassen: Zum einen gibt sich Ryan Goslings Figur des Investors Jared Venett grosse Mühe uns laufend zu erklären, was gerade wirtschaftstechnisch passiert, was aber in längerer Hinsicht nicht ausreichen kann. Bevor man also gänzlich den Faden zu verlieren droht, verlässt sich The Big Short auf eine Art Finanzkrise für Dummies-Trick. So erklärt Venett beispielweise: „I know this sounds confusing. So here’s Margot Robbie in a bubble bath to explain it to you.“ - und Wort wird gehalten! Dieser simple und doch geniale Trick bricht gekonnt den Lauf des Films und hält einem bei Laune.

Noch geschickter, ja fast dreister, von Lewis ist es, dass er uns für die angeblichen Underdogs hoffen lässt. Wir wünschen den armen Aussenseitern sehnlichst ihren Erfolg, je mehr sie von den „Grossen“ ausgelacht werden. Obwohl Jared Venett (Gosling) früh unverblümt zugibt, es gehe ihm lediglich um den Gewinn, lassen wir uns dazu hinreissen, sie in unserer geformten Filmvorstellung als die Guten zu betrachten. Nur um am Schluss von Ben Rickert (Pitt) daran erinnert zu werden, dass jeder verdiente Dollar von einer Familie ohne Zuhause kommt. Sicher, die Protagonisten haben die Krise nicht verursacht, aber von ihr, die tausenden von Menschen ihr Heim oder ihren Job gekostet hat, ein goldenes Näschen verdient. Der Film kann und muss eben auch ernst und holt uns doch auf den Boden der kalten Realität zurück. Das „Happy End“ entpuppt sich rasch (und logischerweise) als kein wirkliches und hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack für Protagonisten und Zuschauer.

Bewertung: 4.5 von 5

  • Titel: THE BIG SHORT
  • Land: USA
  • Regie: Adam McKay
  • Drehbuch: Adam McKay, Charles Randolph
  • Darsteller: Christian Bale, Ryan Gosling, Steve Carell, Brad Pitt
  • Verleih: Universal
  • Start: 31. Dezember 2015

Bilder: Getty Images / Universal

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