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6. Juli 2016, 15:09 CD / Vinyl Music International

Red Hot Chili Peppers bleiben sich treu

Patrick Holenstein - Nach 33 Jahren im Geschäft könnte man meinen, die Red Hot Chili Peppers würden sich wiederholen. Wir verlosen das neue Album «The Getaway».

Red Hot Chili Peppers bleiben sich treu
Kürzlich meinte Chad Smith, seines Zeichens Drummer der berühmtesten Funk-Rock-Band der Welt, der Red Hot Chili Peppers, in einem Interview, dass sie ja bloss eine Gruppe Jungs aus Kalifornien seien, die Musik machen will. Damit spielt er natürlich den Status der Band schon ein wenig runter, unterstreicht aber durchaus den ersten Eindruck beim Hören der neuen Scheibe. «The Getaway» heisst sie und klingt berauschend unspektakulär, also nicht, als ob man knorzend die eigene Historie bestätigen oder übertreffen wollte. Alle Teile greifen, wie bei einem Uhrwerk. Da kommt über Jahre gereifte Präzision zum Zug.

Der Titeltrack eröffnet das elfte Studioalbum der Chilis und man weiss genau, was Chad Smith mit der Aussage meint. Selten hat die Band entspannter gewirkt. Da klingt nichts aufgesetzt, es wird eher entspannt gejamt. Der Funke springt aber sofort über, denn das Quartett ist alles andere als faul und, was so chillig klingt, ist präzise aufgebaut. Vom «Gss-Gss» beim Einstieg über das zurückhaltende, aber maximal effiziente Schlagzeug bis zum unaufgeregten Gesang von Anthony Kiedis. Einzig beim Refrain fallen ungewohnte Elemente auf, irgendwie verspielte, feine Elektroansätze und eine minim kontrastierende Background-Stimme, geschickt offene Stellen färbend. Ist hier schon der Fingerabdruck von Danger Mouse zu erkennen, der die Platte produziert hat? Der Einstieg in das Album zeigt jedenfalls die Qualität dieser Band. Die Kalifornier sind im 33. Jahr als Band noch immer auf dem Level, das sie einst selbst festgelegt haben. So viel lässt sich definitiv sagen.

Red Hot Chili Peppers - «Dark Necessities»

Eventuell ist «The Getaway» nicht der ideale Einstieg in die Welt der Red Hot Chili Peppers, geschenkt, denn auch wenn Schnellzünder wie «Give It Away» fehlen, man eine Hymne wir «Californication» vergebens sucht, wer ihren Crossover-Funk bereits liebt, wird schnell glücklich mit der neuen Platte und etwa die Klavierpassage bei «Dark Necessities» bricht sogar leicht mit den gewohnten Chili Peppers und bestätigt, wie subtil das Mosaik ist, dass «The Getaway» entfaltet.

Als bestätigt wurde, dass Danger Mouse produzieren würde, befürchteten einige, dass die Wahl nicht ideal sei und der Sound der Red Hot Chili Peppers verfälsch würde. Das ist nicht passiert. Danger Mouse hat das Album nicht abgestempelt, sondern hat im Sound der Kalifornier feine Lücken gefunden, nur Nuancen ergänzt, die die Songs dichter machen, aber zu keinem Zeitpunkt ist die Identität, die sich die Chili Peppers aufgebaut haben und für die sie verehrt werden, von den Produzentenhänden von Danger Mouse zu stark verbogen worden. Allerdings muss man schon festhalten, dass die Platte gegen Schluss ein paar Längen hat, zu ziellose Passagen, die selbst der kultige Danger Mouse nicht lenken konnte. Sei der Band gegönnt. Denn sind die kurzen Längen vorbei, läuft die Band nochmals zu Hochtour auf.

Brillante Gratwanderung bei «The Hunter»

«The Hunter» ist episch und sphärisch, von der schwebenden Gitarre eines Ry Cooders gestreift und von grenzenloser Melancholie geprägt, gleichzeitig aber doch nicht düster, sondern von viel Gefühl getragen. Gut möglich, dass sich genau hier zeigt, wie solide die Red Hot Chili Peppers kreativ sind und wie gute Songs entstehen, wenn sie darauf aufbauen. «The Hunter» ist einer der besten Momente der Platte, weil die Gratwanderung zwischen Kitsch und Brillanz perfekt gelingt und in keiner Sekunde der Absturz droht.

«Dreams Of A Samurai» hat es danach leicht und schliesst das Album mit viel Gefühl rund ab. Zwar ist der Track keine klassische Chili-Peppers-Ballade, hat aber schon seine ruhigen Momente, darf dafür auch mal ausbrechen und mit einem Triple-Paukenschlag endet ein reifes Werk einer Band, die auch im vierten Band-Jahrzehnt relevant ist und bleibt.


  • «The Getaway» ist ab sofort im Handel erhältlich
Titelbild: Waner Music
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