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17. Juli 2007, 00:00 Movie

The Host

Christina Ruloff - Die Amerikaner sind an allem schuld: Ein mutiertes Monster frisst sich quer durch Seoul, während eine Familie um ihr Überleben kämpft: Der koreanische Blockbuster schlechthin steckt das ganze Spielberg-Kino locker weg. Actionreich, politisch und unterhaltsam. Der Anti-Held sta...

The Host
Die Amerikaner sind an allem schuld: Ein mutiertes Monster frisst sich quer durch Seoul, während eine Familie um ihr Überleben kämpft: Der koreanische Blockbuster schlechthin steckt das ganze Spielberg-Kino locker weg. Actionreich, politisch und unterhaltsam.

Der Anti-Held staunt und wir staunen mit: Das Monster ist umwerfend!

Im Jahre 2000 befiehlt der amerikanische Mediziner McFarland im Leichenschauhaus auf einer US-Basis in Südkorea seinem koreanischen Assistenten 470 Flaschen Formaldehyd ins Spülbecken zu entsorgen. Der Koreaner wendet höflich aber bestimmt ein, die hochgiftige Substanz – die üblicherweise zum Konservieren von Leichen gebraucht wird, eine sehr amerikanischen Prozedur – würde direkt ins Abwasser und somit in den Fluss Han gelangen, der durch die Hauptstadt Seoul fliesst! Doch der Amerikaner bleibt stur, macht ein paar arrogante und schnippische Bemerkungen und der Befehl wird mit Gasmaske und Handschuhen ausgeführt.

Sechs Jahre später ist aus der giftigen Brühe ein widerliches Wesen mutiert, eine Mischung aus Riesenalligator und Tyrannosaurus Rex, das sich durch den Fluss Han an die Uferpromenade Seouls geschafft hat und dort zu seinem ersten und historischen Auftritt kommt. Athletisch wie ein Ninja, elegant wie ein Ballett-Tänzer und gefrässig wie ein Filmmonster steigt es mit seinem beweglichen Riesenschwanz aus dem Wasser und macht Jagd auf Fleisch, auf Menschenfleisch. Die eben noch neugierige Menge, die das Biest euphorisch mit Bierdosen gefüttert und angeheizt hat, ergreift panisch die Flucht... doch entkommt sie dem Monster nicht.

Die Koreaner unter der Ägide der Amis räumen auf und wollen das hochgiftige Gas 'Agent Yellow' versprühen. Das kommt einem doch irgendwie bekannt vor, oder?

Gang-du versucht gerade noch seine geliebte Tochter zu retten. Doch das Monster verschleppt das Kind, die kaputte Familie schliesst sich zusammen und schwört, die verschollene Tochter zu finden und das Biest eigenhändig abzuschlachten... und die übliche Anti-Alien-Familien-Zusammenführungs-Dramaturgie nimmt ihren Lauf.

Die Szene, die das Monster leichtfüssig durch Uferpromenade springend, beim Menschen-Pflücken zeigt, ist wunderschön, irrwitzig und urkomisch – ja es ist wahrscheinlich eine der schönsten Monster-Szenen überhaupt. Und es gibt überhaupt viel zu lachen, auch wenn einem das Lachen oftmals im Hals steckenbleibt, im südkoreanischen Monster-Blockbuster, der bei uns unter dem freundlichen Namen The Host läuft.

Stirb endlich! Der Spass währt ganze 119 Minuten und macht... Spass.

Dass der Film in seiner Heimat so ziemlich alle Kino-Rekorde überhaupt gesprengt hat, liegt aber weniger an der 0815 Handlung, als an der politischen Aussage. 13 Millionen Menschen, von einer Bevölkerung von insgesamt 48 Millionen – Säuglinge und Greise eingeschlossen! – wollten endlich einmal öffentlich ihre Meinung über das arrogante und Korea verachtende Amerika und den korrupten und unfähigen Staat auf Grossleinwand bestätigt sehen. Dabei wird vor deutlich, wie sehr der „grosse Bruder“ auch in der asiatischen Wahrnehmung allen Kredit verspielt hat, weil er sich ständig in die fremde Innenpolitik einmischt und die Regierung Südkoreas verächtlich bevormundet.

The Host spiegelt die Befindlichkeiten der zerfallenden koreanischen Gesellschaft und unterhält nebenbei auf hohem Spielberg-Niveau.

Die ungeheuerliche Geschichte um den Mediziner McFarland ist übrigens wahr; McFarland konnte sich jedoch mit Hilfe des amerikanischen Militärs sowohl seinem Prozesses in Seoul als auch der fälligen Haftstrafe entziehen, ist er doch amerikanischer Staatsbürger.

Bewertung: 4 von 5

Gerade eben war noch Strandidylle, jetzt ist der Horror los. Das Monster geht Menschen pflücken!

Originaltitel: Gwoe Mul

Land: Südkorea

Genre: Monsterfilm

Dauer: 119 Minuten

Regie: Joon-ho Bong

Darsteller: Kong-ho Song, Hae-il Park, Du-na Bae, Hie-bong Byeon, Ah-sung Goh

Verleih: Ascot-Elite

Kinostart: 19.7.2007

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