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16. Juli 2007, 00:00 Konzert

Review: Nguru @ Abart, 13.07.07

Dominik Mösching - Von wegen Freitag, der 13.: Glücklich, wer am Ska Summer Splash im Abart den Bündnern von Nguru lauschen durfte. Tolles Konzert. Nguru-Sänger Carlo Egle. (Bild: www.nguru.ch)Nguru. So heissen viele Orte in den Weiten Afrikas. Im Gegensatz zur Geografie besteht in der Schweizer...

Review: Nguru @ Abart, 13.07.07
Von wegen Freitag, der 13.: Glücklich, wer am Ska Summer Splash im Abart den Bündnern von Nguru lauschen durfte. Tolles Konzert.

Nguru-Sänger Carlo Egle. (Bild: www.nguru.ch)

Nguru. So heissen viele Orte in den Weiten Afrikas. Im Gegensatz zur Geografie besteht in der Schweizer Ska-Szene allerdings keine Verwechslungsgefahr, wenn man über Nguru spricht. So speziell wie der Bandname ist auch die Musik der sechs Bündner. Zwar ist ihr Mix aus Ska, Reggae, Punk und Rock an sich nichts Neues oder gar Revolutionäres. Aber es ist ein bisschen wie bei Jimi Hendrix: Es geht nicht darum, was gespielt wird, sondern wie es gespielt wird – oder etwas neunmalkluger formuliert ist es le ton qui fait la musique.

In der Tat weiss man stets nach zwei Takten Nguru, dass niemand anderes als Nguru am Werk sein kann. Zu charakteristisch sind die filigranen Drum-Patterns von Lukas Waldburger oder die Gitarrenparts von Gian Caduff, zu verdammt eingängig sind die dubbigen Basslinien von Roman Caduff, zu typisch ist dieser Mood, der jeden Song und jedes Bläser-Thema begleitet. Ist es Melancholie? Oder schon fast ein bisschen Verweigerung? Egal. Man war auf jeden Fall gespannt, wie sich das neue Album IV: With Bleeding Hearts Through Burning Skies live anfühlen würde. Ein gutes Stück rockiger und gleichzeitig Reggae-lastiger als die drei Vorgänger ist es geworden. Und tatsächlich – der Ska-Offbeat blieb im Abart vorwiegend den beiden Vorbands Stan Or Itchy und Superspy vorbehalten.

Denn nur selten griffen Nguru auf den schnelleren Ska aus den Zeiten Matthias Tscharners zurück, dem Leadsänger bis 2004. Von den Klassikern fehlten also einige, besonders vom 2000er Debut Twelvepack. Aber die Mitgsing-Garanten Fight For Your Right oder Coming Home von der zweiten Platte waren dabei, und die neuen Sachen, die das Set dominierten, gefielen: Wie gut sich Rock und Reggae ergänzen können, zeigten etwa No Mans Land oder Burning Skies, das sich ohne Weiteres in die Galerie der Nguru-All-Time-Favourites aufschwingen dürfte.

Carlo Egle – seit nun 30 Konzerten dabei – kann indes die charismatische (und durchaus polarisierende) Stimme Tscharners nicht ganz vergessen machen. Er passt aber absolut zu Nguru und ist mehr Bühnensau als sein Vokalistenvorgänger, eine Eigenschaft, die einem Frontmann sicherlich nie schadet. Sowieso gilt für die Nguru-Konzerte dasselbe wie für die Musik: Die charakteristische Stimmung ist das Entscheidende. Es gibt zuweilen schwächere Songs? Sind die Bläser-Soli ein bisschen zu selten? Egal. Gerade weil die Bünder einfach auf die Bühne stehen und das machen, was ihnen gefällt, überzeugen sie.

Das war auch am letzten Freitag der Fall. Als Egle um halb zwei zum Stagediving ansetzte und uns nach rund 75 Minuten noch einmal den Refrain von Cool But Dangerous zurief (Text – jawohl: „cool but dangerous“), wusste man endgültig: Tolles Konzert. Und während man sich zu den Rocksteady-Rhythmen der DJs langsam auf den Weg machte, hallte es im Kopf noch lange „Danka, Züüri“. Genau das wäre es doch: Afrikanischer Name, karibische Rhythmen und Bündnartüütschi Texte. Das wäre wirklich schon fast revolutionär. Oder vielleicht auch nur eine Bieridee nach dem letzten Abart-Konzertabend vor der Sommerpause.

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