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Etudes

Psychologie
Universität Bern

Vie amoureuse

Je ne le dévoile pas

......

14.09.2008 à 19:40

„Als er dieses Bild malte, sah sich Leonardo da Vinci vor eine grosse Schwierigkeit gestellt. Er musste das Gute in der Gestalt Jesu und das Böse in der Gestalt des Judas darstellen, Christi Freund, der während des letzten Abendmahls beschliesst, ihn zu verraten.
Er unterbrach seine halbfertige Arbeit und machte sich auf die Suche nach möglichen Modellen für diese zwei Figuren.
Eines Tages sah er bei einem Chorkonzert einen jungen Choristen, der für ihn das vollkommene Bildnis Christi verkörperte. Er lud ihn in sein Atelier und machte Studien und Skizzen von ihm.
Drei Jahre vergingen. Das Abendmahl war fast fertig, doch das ideale Modell für den Judas hatte Leonardo noch immer nicht gefunden. Der Kardinal, der für die Kirche zuständig war, drängte den Maler, das Wandbild schnellstmöglich zu vollenden.

Nachdem er erneut viele Tage gesucht hatte, traf der Maler auf einen verlebten und zerlumpten Mann, der betrunken im Rinnstein lag. Er bat seine Gehilfen, ihn direkt in die Kirche zu bringen, da er keine Zeit mehr hatte, um Skizzen anzufertigen.

Der Bettler begriff nicht, wie ihm geschah. Die Gehilfen hielten ihn aufrecht, während Leonardo die Züge der Gottlosigkeit, der Sünde, des Egoismus malte, die sich in dem Gesicht so deutlich abzeichneten.Als er fertig war, öffnete der Bettler, der inzwischen wieder nüchtern war ,die Augen und sah das Bild vor sich.
Und sagte mit einer Mischung aus Erstaunen und Traurigkeit:

'Dieses Bild habe ich schon einmal gsehen!'

'Wann?' fragte Leonardo überrascht.

'Vor drei Jahren, bevor ich alles verlor, was ich besass. Damals sang ich in einem Chor, hatte viele Träume, und Sie luden mich ein, um für das Gesicht Jesu Modell zu stehen.'“

(Paulo Coelho, der Dämon und Fräulein Prym)

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