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20. April 2009, 17:41 Music Interview

Interview mit Milow

Silvan Gertsch - Milow steigt mit seiner Coverversion von „Ayo Technology“ immer weiter nach oben in den europäischen Charts. Im Interview erklärt der belgische Musiker, der Political Sciences studiert hat, dass er jeden Hip-Hop-Song in ein folkiges Stück verwandeln könnte. Und er spricht...

Interview mit Milow
Milow steigt mit seiner Coverversion von „Ayo Technology“ immer weiter nach oben in den europäischen Charts. Im Interview erklärt der belgische Musiker, der Political Sciences studiert hat, dass er jeden Hip-Hop-Song in ein folkiges Stück verwandeln könnte. Und er spricht über sein neues, selbstbetiteltes Album, das seit wenigen Tagen im Handel ist.

Siehst du dich selber als Singer-Songwriter oder als Geschichtenerzähler?

Milow: Ich bin von beidem etwas. Der Begriff Singer-Songwriter ist sehr breit. James Blunt, Jack Johnson, Bob Dylan – sie alle sind Singer-Songwriter. Aber abgesehen von der akustischen Gitarre haben sie nicht viel gemeinsam. Ich selber bin, obschon ich eine Band habe, auch häufig solo unterwegs. Und so sind meine Songs entstanden – alleine, mit der akustischen Gitarre. Der Geschichtenerzähler in mir wird auf der anderen Seite immer wichtiger. In den letzten Jahren habe ich bewusst versucht, Geschichten in meinen Songs zu erzählen.

Das spürt man beispielsweise in „Canada“. Darin erzählst du, wie du Neil Young kennen lernst und erfolgreich wirst.

Diese Worte sollte man nicht für bare Münze nehmen. „Canada“ habe ich in einer Phase geschrieben, in der ich noch überhaupt keinen Erfolg hatte. Das war Ende 2006, mein Durchbruch in Belgien kam erst im Herbst 2007. Der Text ist also ironisch zu verstehen. Und er handelt auch nicht von mir. Die Hauptperson schiebt ihre Pläne immer wieder nach hinten. Das ist ein zentrales Thema auf meinem Album. Das andere wichtige Thema handelt vom Erwachsenwerden.

Das Thema des Songs dürfte aber auch andere Musiker ansprechen...

Jeder, der Musik macht, kennt dieses Thema und erkennt sich in dem Text wieder. Egal, wo und wie man seine Songs schreibt – man kennt diese Unsicherheit, ob ein Song gut genug ist. Und alle haben den Wunsch, weltweit erfolgreich zu werden. Einige äussern dies öffentlich, andere behalten es für sich.

Du hast deine Karriere als Sänger vor fünf Jahren an einem belgischen Rockwettbewerb gestartet.

Genau. Dieser Wettbewerb hatte nichts zu tun mit den heutigen Talentshows. Es war ein alternativer „Battle of the Bands“-Contest. Über 1000 Bands haben teilgenommen, ich kam unter die ersten zehn und stand dort alleine mit der Gitarre vor 2000 Leuten auf der Bühne. Das hat vieles ins Rollen gebracht. Aber im Endeffekt dauerte es dann doch noch weitere Jahre, bis der Erfolg kam.

Du bist in der Nähe von Brüssel aufgewachsen, wo auch die belgische Rockband „The Black Box Revelation“ her kommt. Ihr Sänger, Jan Paternoster, meinte, dass es dort für junge Bands extrem schwierig sei, bekannt zu werden. Siehst du das auch so?

Belgien ist nicht Irland, bei uns gibt es keine so grosse Musiktradition. Es ist sehr schwierig, in Belgien den Durchbruch zu schaffen und Konzerte zu spielen. Aber The Black Box Revelation sind auf dem richtigen Weg, die sind ja noch keine zwanzig Jahre alt. Im Grunde genommen sind sie und ich die einzigen Musiker, die in den letzten Jahren den Sprung über die belgischen Landesgrenzen hinaus geschafft haben. Es ist lustig, dass du The Black Box Revelation erwähnst. Ich habe sie erst vor kurzem in den USA kennen gelernt – obschon wir beide aus der selben Gegend kommen.

Wie schaffst du es, deine Musik und die Arbeit für dein eigenes Label unter einen Hut zu bringen?

Das war in der Anfangszeit sehr schwierig. Aber es war rückblickend betrachtet die richtige Entscheidung. In Belgien muss man nicht bei einem Major-Label anheuern, um europaweit erfolgreich zu werden. Ich habe deshalb direkt in Deutschland und in Frankreich nach einem Vertrieb gesucht.

Aber ist das nicht zu viel Arbeit für eine Person?

Doch. Und ich bin neugierig, zu sehen, wie lange ich das machen kann. Aber ich würde mich nie an den traditionellen Weg gewöhnen können. Es gibt so viele Beispiele von guten Bands, die es nie zu etwas gebracht haben, weil sie ihre Musik den falschen Leuten anvertraut haben. Ich will die Kontrolle über das, was ich mache, behalten.

Du hast „Ayo Technology“ von 50 Cent, Justin Timberlake und Timbaland neu aufgenommen. War es das richtige Cover zum richtigen Zeitpunkt?

Auf jeden Fall. Diese Coverversion ist ja nur aus Spass entstanden. Nur die Musik und der Fun standen im Zentrum, so sollte es immer sein. Und der Song passt ja vom Text her überhaupt nicht zu dem, was man von einem Singer-Songwriter erwarten würde. Ich bin damit meinen Instinkten gefolgt. Ich habe ein Album aufgenommen, auf das ich sehr stolz bin. Aber ich brauchte einen Song, der mir helfen würde, es bei einem breiten Publikum bekannt zu machen.

Könntest du aus jedem beliebigen Hip-Hop-Track einen Folk-Song machen?

Wenn mir jemand vor wenigen Jahren gesagt hätte, dass ich jemals 50 Cent covern würde, dann hätte ich den nicht ernst genommen. Aber Jaz-Z hat mit Coldplay zusammen gearbeitet, Chris Cornell mit Timbaland – es gibt heute weniger Grenzen. Um auf deine Frage zu antworten: Ich denke, das ist möglich. Und genau aus diesem Grund würde ich es auch nicht mehr machen. Es gibt zwar noch eine Version von mir, wie ich „Drop It Like It’s Hot“ von Snoop Dogg spiele. Die entstand etwa ein Jahr nach „Ayo Technology“. Und dieser Song hat ja eigentlich gar keine Melodie, trotzdem habe ich ihn umsetzen können. Ich bin aber froh, dass meine nächste Single, „You Don’t Know“, ein eigener Song ist.

Im Song „Born In the Eighties“ singst du: „Instead of a future I’ve got a guitar.”

Mir haben alle erzählt, dass es unmöglich sei, von der Musik zu leben. „Born In the Eighties“ ist einer meiner ersten und wichtigsten Songs.

Ist der Text ironisch zu verstehen?

Nein. Ich versuche Songs zu schreiben, die nicht beim einen Ohr reingehen und beim anderen wieder raus. In dem Stück geht es um Generationen, um Träume, die man in jungen Jahren hat. Was meinst du mit ironisch?

Dass du die Option hast, entweder erfolgreich zu werden oder Musiker zu sein.

Ich hatte nie einen Plan B neben dem Studium. Ich wollte meine Gitarre, sonst nichts. Aber es war ein langer Weg, den ich gehen musste.

In einem Interview hast du erwähnt, dass du gerne Holden Caulfield treffen würdest, die Hauptperson aus „Catcher In the Rye“.

Hab ich das gesagt (lacht)? Ich mag das Buch, aber es ist halt auch sehr klischiert, dieses Werk zu seinen Favoriten zu zählen. „Catcher In the Rye“ ist gut, aber etwas altmodisch und auch nicht mein Lieblingsbuch. Als es veröffentlicht worden ist, da hat es allerdings viel bewegt.

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MySpace.com/milowbe

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