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21. Juli 2010, 12:49 Music Festivals Interview

Gustav am Gurten 2010: „Ich bin nur der „Tätschmeister“

Patrick Holenstein - Die Wolken auf dem Gurten verdichteten sich zunehmend, als Gustav im Medienzelt eintraf. Trotz des sich andeutenden Wetterumschwungs war der sympathische Freiburger bestens aufgelegt und sprach über seine Funktion als Chorleiter bei SF, erzählte von seiner Liebe zu Heavy Metal ...

Gustav am Gurten 2010: „Ich bin nur der „Tätschmeister“
Die Wolken auf dem Gurten verdichteten sich zunehmend, als Gustav im Medienzelt eintraf. Trotz des sich andeutenden Wetterumschwungs war der sympathische Freiburger bestens aufgelegt und sprach über seine Funktion als Chorleiter bei SF, erzählte von seiner Liebe zu Heavy Metal und erklärte seinen Künstlernamen für students.ch noch einmal.

Auf deiner Homepage steht, dass du Menschen für einen Chor suchst. Was steckt hinter diesem Aufruf?

Wer interessiert ist, wird über den Link auf der Homepage zu SF geleitet und kann sich dort anmelden. Ich bin zwar kein Fernseh- oder Cervelatpromi, aber das Projekt ist sehr cool. Es ist ein Spiel, bei dem Chöre aus verschiedenen Regionen der Schweiz gegeneinander antreten. Jeder Musiker sucht sich seinen Chor selber aus und ich versuche gerade 20 Leute für meinen Chor zu finden. Mir ist wichtig, dass die Teilnehmer zu mir passen, da ich die Songs für den Wettbewerb aussuchen darf und diese sicher meine musikalische Welt zeigen werden. Aber singen werde ich nicht, ich bin nur der „Tätschmeischter“.

Was versprichst du dir von der Show?

Nur Spass. Ich finde die Idee witzig, dass Chöre gegeneinander antreten. Und es ist für mich als vielseitiger Musiker auch neu und spannend. Ich mache jetzt seit 15 Jahren Musik, nehme Platten auf, habe doch schon einige Bühnen gesehen und bin offen für alles. An dem Projekt reizt mich, dass es etwas völlig anderes ist. Der Grund, weshalb ich mitmache ist, dass die Idee für mich stimmt und es eine musikalische Herausforderung ist.

Du sagtest gerade selbst, dass deine Musik sehr vielseitig ist. Das hört man oft. Wie würdest du deine Musik beschreiben?

Diese Frage kommt bei fast jedem Interview. Als ich vor 15 Jahren angefangen habe, bin ich auf das musikalische Feld gekommen und habe halt überall das gepflückt, geschnitten und abgegrast, was mir gerade gepasst hat. Das war mal Elektro, mal orchestrale Musik, aber auch Metal und Chanson. Ich bin offen für alles und wenn mir eine Idee gefällt, dann verwurstle ich diese so lange, bis es zu Gustav passt. Oft habe ich dabei ein Konzept. Beim aktuellen Album war es 666 und umgekehrt 999, ein wenig teuflisch, aber auch hell. Dazu passend sind wir auf der Bühne auch schwarz gekleidet, wie ein grosses Monster, die Show beginnt mit Rauch und endet in Sonnenschein. Das ist meine Art Musik zu machen, ich habe ein Konzept und suche mir Musik, die dazu passt.

Ist denn der Titel 666 auch als Anspielung an Iron Maiden und deine Liebe zum Heavy Metal zu verstehen?

Ja, schon. Natürlich hat das Album musikalisch wenig mit Iron Maiden zu tun und ist auch nicht durch deren Inspiration entstanden. Aber ich komme aus einer Zeit und einer Region, in der Iron Maiden und wie die Bands alle heissen, total „in“ waren. Natürlich war Number of the Beast eine Hymne in den 80ern. Ich bin in dem Strom mitgeschwommen, nicht, weil ich diese Art extrem gut fand, sondern weil alle um mich herum die Musik gehört haben. Als Teenager hinterfragt man das wenig. Wir haben Number of the Beast aber sogar gecovert. Vielleicht bringen wir die Version nach der Tour als Download auf unsere Seite.

Die Illustrationen des Albums stammen ja auch von dir. Wie kam es dazu?

Ich habe mit diesem Album das Zeichnen wieder entdeckt. Früher habe ich oft gezeichnet und wollte sogar mal die Kunstgewerbeschule machen. Bei der Prüfung war ich allerdings so nervös, dass mir kein gerader Strich gelang. Danach ist es etwas versandet. Für das aktuelle Album wollte ich so authentisch wie möglich sein und alles geben. Als mir plötzlich wieder einfiel, wie gerne ich früher gezeichnet habe, dachte ich mir, ich könnte auch gleich das Design selbst entwerfen, sodass auch das Artwork etwas mit mir persönlich zu tun hat. Das hat sich also Strich für Strich entwickelt, bis ich ein ganzes Buch mit Skizzen hatte. Diese gingen an ein graphisches Team weiter und diese haben daraus das Artwork sowie T-Shirts gefertigt. So hat das Album für mich eine extreme Bedeutung bekommen.

Eine weitere Frage, die du sicher noch nie gehört hast: Wieso hast du dich Gustav genannt?

(lacht laut) Es ist „natürlich“ das erste Mal, dass mir jemand diese Frage stellt. Das ist in der Zeit entstanden, als ich mein erstes Projekt gestartet hatte: Gustav & das Kummerorchester. Mir hat schlicht der Mut gefehlt, mit meinem eigenen Namen auf die Bühne zu stehen, also habe ich mir ein Pseudonym gesucht. Gustav hat irgendwie gepasst. Die Musik ging damals ein wenig in Richtung Jacques Brel oder Berthold Brechts Dreigroschenoper, mit viel Streichern und Akkordeon und da schien der Name ideal. Gustav ist halt dann mit der Musik gewachsen und ich wurde immer mehr zu Gustav. Jetzt ist es nicht mehr die Bühnenfigur, sondern auch ein Teil von mir. Es kommt gelegentlich sogar in meiner Familie vor, dass Leute mich mit Gustav ansprechen. Das finde ich sehr schön, weil es schon seine Zeit gebraucht hat, bis ich verstanden habe, dass ich auf der Bühne auch ich selbst bin. So ist die Musik auch ein wenig Selbstfindung für mich und ich erkenne mich in jedem Album mehr.

Was steht in Zukunft bei dir an? Gibt es schon Pläne für ein neues Album?

Mein Fokus liegt im Moment wirklich bei Kampf der Chöre. Mal schauen, was daraus wird, weil es für mich rein musikalisch ein Abenteuer ist. Was nachher ansteht, nehme ich, wie es kommt. Plötzlich ist dort ein Auftritt gebucht oder dort steht ein Interview an und wer weiss, vielleicht erscheint eine Platte im Ausland. Momentan sind keine neuen Songs in Planung, aber ich nehme ständig Demos auf, bin aber nicht aktiv an einem neuen Album. Erst spielen wir das aktuelle in Grund und Boden.

Danke für das Interview und viel Spass bei deinem Auftritt auf der Waldbühne.

  • Das Album "666" ist im Handel erhältlich.
  • Kampf der Chöre mit Gustav läuft ab 24.10. immer Sonntags auf SF1.


Gustav ist u.a. live zu sehen:

- 25.07. Festival am Schluss 19 in Thun

- 30.07. Open air Etziken

- 07.08. Jazztage in Liechtensteig

- 11.08. Open Air im Fluss, Basel

- 18.08. Winterthurer Festwochen (Gratiseintritt)

- 22.08. Open Air Gampel

  • Alle weiteren Infos und Tourdaten sind auf Gustavs Homepage zu finden.
Livebild: www.konzertbilder.ch

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