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13. Juni 2011, 13:57 Festivals

Greenfield: Legendäre Bands, lumpiges Festival

Andreas Rohrer - Helden der Vergangenheit trafen auf Idioten der Gegenwart. Mit Social Distortion und den Foo Fighters glänzten legendäre Rockbands auf der Bühne. Miserable Soundqualität und Security-Schikanen liessen jedoch kaum Stimmung aufkommen. Man fragt sich: Wieviel darf sich ein Festivalbetreiber erlauben?

Greenfield: Legendäre Bands, lumpiges Festival
Es gibt mehr «Heavies» als du denkst und die Spacken der Turbojugend tragen tatsächlich noch immer ihre Jäckchen. Hallo Greenfield! – im Rockmusik-Sumpf lebt man eben länger – und trinkt ein bisschen härter. Nach drei Tagen Schnapsalarm läutet die Glocke heftigst. Die Gefühle sind gemischt. Eindrücke geordnet nach Zeit. Ungefähr.

Der Regen ist gut auszuhalten, Donnerstag 18.21 Uhr, die Landebahn auf dem Militärflugfeld Interlaken hält. Mit Schlamm kämpft hier niemand.

The Gaslight Anthem zeigten sich am früheren Donnerstag Abend als Punkrock-Songwriter alter Tradition und erzählten anscheinend wunderschöne Geschichten zwischen ihren Songs. Hören konnte sie niemand, weil sich die Typen vom Ton allesamt auf den Lautstärke-Knopf von Sänger Brian Fallons Mikrofon gesetzt haben. Ein grober Tiefschlag.

The Gaslight Anthems Alex Levine: Bass mit Stil
The Gaslight Anthems Alex Levine: Bass mit Stil

Die Festival Headliner Foo Fighters spielen ein fast dreistündiges Monster-Set. Eine grosse Freude, Dave Grohl und seine Mitstreiter mit dem neuen Album Wasting Light live zu sehen. Die Show stinkt leider nach U2: Einstudiert und langweilig. Die Tontechniker liegen zu der Zeit schlafend auf dem Mischpult und massieren sich die Zehen: der Sound ist einfach irgendetwas.

Ein Besuch bei der Club Stage während dem Gig der Ami-Rocker Silverstein zeigt: Der Club respektive das in früheren Jahren vorhandene Zelt wurde weggespart. Im Feld steht eine kleine Bühne. Gespielt wird auf Zimmerlautsärke, getanzt gar nicht. Zum weggehen.

Die Nächte am Greenfield sind lang, laut und ein Mords-Gaudi. Wie an jedem Festival kann man zwischen dem Rockzelt vom Rockstar-Magazin mit Rockmusik und Rockern oder dem Bacardi-Dome von Bacardi mit den Backen von «Jung, Wild und Sexy» feiern. Dank Bier, Vödi-Bull und einer Prise Schnupftabak liegt man sich in den Armen bis es morgens graut.

Stichwort Schnupftabak: Die am Greenfield richtende Staatssicherheit aus dem grossen Kanton, die gekennzeichnet durch rote Leuchtwesten und forschen Akzent für akzeptable Disziplin auf dem Festivalgelände sorgt, hat jedes Jahr neue Tricks, die feiernde Jugend im Ansatz runter zu holen. Diesmal schön: Schnupftabak («Wir wissen nicht was das ist, das soll Tradition haben?») und Marihuana (ein schönes Wort, so korrekt aufnotiert) werden am Eingang konfisziert. Helden waren all jene, die nicht erwischt wurden und dann schelmisch und umso lauter SVP-gefärbte «Schnupfsprüchli» johlten.

So, jetzt aber wieder Musik: Die dümplige Club-Stage konnte wider erwarten mit zwei Festival-Highlights brillieren: Die wieder vereinigten Boysetsfire aus Delaware in den USA und die wieder erstarkten Lausanner Favez liessen Erinnerungen an die Teenager-Jahre aufkommen. Im Publikum viele lachende Gesichter über 25.

Grosse Bühnenshow: Headliner Volbeat
Grosse Bühnenshow: Headliner Volbeat

Am Samstag brach dann ein erster Teil der 25'880 Besucher frühzeitig die Zelte ab. Die Dänen Volbeat sind sehr wohl gut, aber kein Headliner, der die Massen halten kann. Vor dem verkleinerten Publikum kamen am Schlusstag noch zwei mit Spannung erwartete Bands aus dem südkalifornischen Legenden-Kabinett: Die Ska-Helden der 90er Sublime tun wieder mit neuem Sänger als Sublime With Rome. Ob diese Rückkehr nötig war, liess ihr Greenfield-Set nur unschlüssig zu beantworten. Grosse Klasse dann dafür die Punkrocker Social Distortion, die trotz sichtlich zehrendem Zahn der Zeit noch immer die alten Flausen im Kopf und den Rock’N’Roll im Herzen haben.

An Herz mangelt es unter dem Strich leider dem Greenfield. Aus vergangenen Jahren hat man nichts gelernt und das Label «schlechteste Soundqualität» bleibt haften. Forsch-Deutsche Securities lassen komplett vergessen, dass man eigentlich im Berner Oberland steht – dem nicht nur wunderschönen sondern auch sympathischsten Flecken Schweiz. Zum Glück ist das Rockmusikpublikum gutmütig genug, die Stimmung friedlich zu halten. Einzig, dass sich auf dem Zeltplatz alle gegenseitig ans Zelt «bislen» ist unschön. Da man es nicht schafft, Pissoirs aufzustellen aber auch nicht verwunderlich.

Greenfield Festival: Offizielle Homepage

Fotogalerien von usgang.ch:
Greenfield Festival 2011 - Donnerstag
Greenfield Festival 2011 - Freitag
Greenfield Festival 2011 - Samstag

Kommentare
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typisch_lola 08.07.2011 um 09:10
haha, sehr schön andi.. lass deinem ärger mal richtig dampf. war auch husch dort und musste einbisschen lachen ab den doofen seciis.