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23. März 2013, 14:59 Konzert Music Festivals

Der m4music-Freitag: Foals top, Lidell flop.

Fabian Keller - Der erste Festivaltag des m4music in Zürich hatte es in sich. Mit Jamie Lidell, Foals, Totally Enormous Extinct Dinosaurs waren gleich drei schwere Kaliber des Musikschaffens auf der Hauptbühne zu erleben. Einer davon fiel musikalisch etwas aus dem Rahmen.

Der m4music-Freitag: Foals top, Lidell flop.
Der Zürcher-Teil des m4music ist ja jeweils streng genommen gar nicht der erste Festivaltermin. Bereits haben ausgewählte Headliner am Donnerstag in Lausanne das Festival eröffnet und damit die Brücke über den Röstigraben gelegt. Wie man gestern Freitag in Zürich erleben durfte, konnten sich die Acts in der Westschweiz bereits gut aufwärmen. Nur einer von dem man es überhaupt nicht erwartet hätte, ist komplett aus dem Rahmen gefallen: Jamie Lidell.

Das Stehaufmännchen mit Gutelaunefaktor 10, hat im Rahmen seines neuen Longplayers eine komplett neu konzipierte Show gespielt. Noch finden wohl einige, welche die Show gesehen haben nicht die richtigen Worte für das was sich da abgespielt hatte. Ein sehr polygonangehauchtes Bühnenbild zeigte einen Lidell versteckt inmitten seiner Geräte leider jedoch ohne Band. Dafür aber mit wuchtigen, schon fast schon eptileptische Anfälle verursachenden Visuals. Den kreativen Improvisationsteil, den die meisten Lidell-Fans, als abgefahrene Abwechslung in klassischen Sets sehen, hat Jamie Lidell schlichtweg zum Hauptteil gemacht und kräftig mit elektronischen Beats und deplatzierten House-Tunes unterlegt.

Man kann wirklich nicht so recht beschreiben, wie die Show gewesen war. Sicherlich kein Jamie Lidell-Konzert, sondern bestenfalls ein DJ-Set mit ein paar Gesangseinlagen. Wunderschöne Songs wie «Compass» oder «Multiply», sind komplett in den wirren Beats und Grooves untergegangen, so dass der ganze Auftritt zu belanglosem Electronica-Brei wurde und sich ein Lidell im Wettstreit mit seinen Beats selber um Kopf und Kragen gesungen hat. Entsprechend haben die Besucher dankend nach Alternativen gesucht.

Auch wenn der Auftritt etwas enttäuscht hat, konnten zumindest mich die Indie-Rocker von «The Legendary Lightness» in den richtigen Sphären schweben lassen. Obwohl keiner der Headliner und Urschweizer Band die den Zürchern mehr als bekannt ist, hatte man eher der Eindruck ein Indie-Schwergewicht aus den USA vor sich zu haben. Wobei «Schwergewicht» hier eigentlich komplett falsch als Bezeichnung platziert ist. Die Musiker samt Glockenspiel und Sängerin haben die Leute in einer ganz anderen Sphäre voller Leichtigkeit schweben lassen. Klänge die so fein und zart sind, dass einfach alles stimmt und harmoniert und man sich wünscht, dass das Konzert nicht so schnell enden würde. Damit konnten sich die Gäste schonmal gut auf das britische Indie-Highlight des Abends einstimmen: FOALS!

Was die britischen Indie- & Mathrocker fast 90 Minuten von sich gaben, hat einfach für alles was Lidell verpatzt hat entschädigt. Spätestens beim allerseits bekannten Hit «Spanish Sahara» hatte die Halle das maximale Fassungsvermögen und die Stimmung im Publikum das obere Limit erreicht. Hat aber alles irgendwie perfekt zu den epischen Kompositionen, den ruhigen und teilweise extrem rockigen Passagen gepasst. Kurzum – es war einfach unglaublich. Yannis Philippakis Stimme in einem Farbenmeer zwischen blau und rot und ebenso energetischeren bis ruhigen Songs und Passagen, hat Zeit und Raum stillstehen und vergessen lassen.

Danach ging es Schlag auf Schlag bis Orlando Higginbottom, der Brite mit dem scheuen Aussehen, besser bekannt als «Totally Enormous Extinct Dinosaurs» in einem kleinen Neonumspielten-DJ Booth begleitet von zwei Tänzerinnen – jedoch dieses Mal ohne Kostüm, die Bühne betratt.

Nachdem ich mich im Vorfeld eher auf eine seichte langweilige Dancesession eingestellt hatte, wurde ich mehr als positiv überrascht. Der Brite hat dem mittlerweile sehr tanz- und feierwütigen Volk gezeigt, dass er gerne mal die bombastische Soundanlage an ihr Limit bringt. Und gerade dies wirkte mehr als elektrisierend. Satte Basspassagen und Grooves haben sich mit Higginbottoms zarter, beinahe schon an «Röyksopp» oder «The Whitest Boy Alive» erinnernde Stimme abgewechselt. Ganz ehrlich: für mich persönlich die Überraschung des Abends und im Nachhinein ein mehr als empfehlenswerter Act. Auch wenn man es dem schmächtigen Kerlchen hinter seinem DJ-Booth nicht zutraut, kann er mit Songs wie «Household Goods» dem Publikum ganz schöne Elektro-Bretter hinschmettern und es kurz darauf mit groovigen, lieblichen Klängen von Tracks wie «Garden» wieder relaxen lassen. Ein perfektes Zusammenspiel von Höhen und Tiefen und ein phänomenaler Closing-Auftritt in der Halle am Freitag Abend.

Heute Samstag geht es energetisch weiter. Neben den Dubsteppern von «Chase & Status», die mit einem DJ-Set auffahren, darf man sich vor allem auf die unkonventionellen Electronica-Popper «FM Belfast» aus Island und den quirligen Mundakrobaten «Beardyman» freuen. Mit von der elektronische Partie sind auch die Jungs von der «Schlachthofbronx», so dass heute sicherlich ein eher tanzbarer Abend prognostiziert werden kann.

Da es gestern bereits kurz nach öffnen der Abendkasse nur noch Late-Tickets gab, empfiehlt es sich allen, die den Samstag ohne Stress geniessen möchte, sich im VVK eines der Abendtickets zu sichern.

Was: Foals (UK), Delphic (UK), Totally Enormous Extinct Dinosaurs (UK), FM Belfast (IS), Jamie Lidell (UK), Walk Off The Earth (CA), The Jezabels (AU), Steff La Cheffe (CH), The Legendary Lightness (CH), Kellerkommando (DE), Beardyman (UK), Schlachthofbronx (DE), Labrador City (CH), Jimi Jules (CH) uvm.
Wo: Schiffbau, Moods im Schiffbau und Exil-Club, Zürich
Wann: 22-23. März, jeweils ca. ab 20.00 Uhr
Vorverkauf: Starticket
Offizielle Website: http://www.m4music.ch

Bildmaterial: Offizielle Pressebilder
Videomaterial: fabiankeller

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