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11. März 2014, 15:31 Konzert Music

Tanzen und singen als gäbe es kein Morgen mehr

Dominique Rais - Erfolg und Niederlage, versoffene Nächte und das Kopfweh danach, Liebe und Schmerz, Glück und Trauer. Selten wurden Gefühle so schön besungen und vom Publikum gefeiert. Aber Frank Turner hat den emotionalen Spagat mühelos geschafft.

Tanzen und singen als gäbe es kein Morgen mehr
„Willkommen zum xxx. Konzert. Sind ihr parat?“, so begrüsste Frank Turner mit seiner Band The Sleeping Souls das Publikum im Dynamo auf Schweizerdeutsch. Das wievielte Konzert es wirklich war, ging zwar bei Frank Turners Kauderwelsch-Schweizerdeutsch unter. Aber egal. Ziel erreicht: das Publikum hatte er damit direkt für sich gewonnen. Und es sollte an jenem Montagabend nicht das letzte Mal gewesen sein, dass er die Konzertbesucher mit seinem holprig charmanten Schweizerdeutsch entzückte.

Schon lange im Voraus war das Konzert ausverkauft und wie zu erwarten verwandelte sich das Dynamo innert Sekunden in einen dampfenden Hexenkessel, der zunehmend einer Sauna gleich kam. Die Luft zum Schneiden dick, die Stimmung am Kochen, wurde ausnahmslos jeder Song lautstark mitgesungen, mitgegrölt oder mitgeklatscht. Bei „Try This At Home“ ging dann so richtig die Post ab und die Menge pokte was das Zeug hält.

Schweisstropfend, aber noch lange nicht ausser Atem, gab es fürs Zürcher Publikum eine exklusive Version von „Eulogy“ auf Schweizerdeutsch. Je länger je mehr fühlte man sich wie in einer Seemannskneipe, mit einer grossartigen Cover-Version von Tom Jones „Delilah“ wurde genau dieses Gefühl noch untermauert. Wer sich zuvor noch fragte, wie es der 32-jährige Frank Turner schafft, in einer ausverkauften Wembley Arena zu spielen, war spätestens nach dem Konzert in Zürich über alle Zweifel erhaben.

„You'll live to dance another day // It's just now you'll have to dance“ heisst es in Frank Turners „Long Live The Queen“. Diese Zeilen nahm sich das Publikum schon lange zuvor zu Herzen. Tanzen, als gäbe es kein Morgen mehr. Von vielen lang ersehnt, kam zum Schluss „Recovery“. Erholung? – Weitgefehlt. Das Publikum drehte nochmals richtig auf und machte auf Aufforderung Frank Turners hin wortwörtlich den Hampelmann. Ob eingefleischter Fan oder blutjunger Turner-Frischling nach diesem Auftritt kommt man nicht drum rum, vom Briten entzückt zu sein. Nach 90 Minuten und einer dreifachen Zugabe war das Konzert zwar vorbei, aber den Folk-Rock-Punk im Blut wird man noch Tage später fühlen.

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