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16. Oktober 2014, 17:07 Kultur

Bordell und Theater

Gregor Schenker - Das Studenten Theater Zürich führt dieser Tage Jean Genets "Der Balkon" aus. Es geht darin um ein Bordell, das in den Sturm einer Revolution gerät. Ein fragmentarischer Probenbericht.

Bordell und Theater
"Ich kriege einfach kein lustvolles Wiehern hin", beklagt sich die Rothaarige in knappem Oberteil und hohen Schuhen. Sie soll eine Prostituierte spielen, die im Auftrag eines Bordells für einen Kunden eine stolze Stute spielt, damit er einen grossen General spielen kann.

Doch dann kommt die Revolution über die Stadt, in der das "Haus der Illusionen" (wie Puffmutter Irma ihr Etablissement nennt) steht. Der echte General wird verrückt und verschwindet im Chaos des Aufstands - weswegen die menschlichen Übrigbleibsel des Staatsapparates, die im Bordell Zuflucht gefunden haben, aus dem falschen General einen echten machen. Ein Theater im Theater im Theater.

Letzten Frühjahr kam das Studenten Theater Zürich zusammen, um die nunmehr achte Aufführung des traditionsreichen Vereins zu planen (das StuThe feiert kommendes Jahr das zehnjährige Bestehen).

Man einigt sich nach langen, harten Diskussionen und einer Aufteilung der Gruppe (es waren einfach zu viele Interessierte für ein einzelnes Stück) auf Der Balkon von Jean Genet (hierzulande vor allem bekannt dank seines Romans Querelle, den Rainer Werner Fassbinder mal verfilmte).
Apropos Aufteilung: Die andere StuThe-Gruppe führt im kommenden Frühjahr auf.

"Ich fühl das noch nicht", sagt der Student im Graf-Dracula-Mantel und bricht mit dem Regisseur eine Grundsatzdiskussion darüber vom Zaun, worum sich die aktuelle Szene eigentlich dreht. Das StuThe versteht sich seit jeher als Basisdemokratie (mal mehr, mal weniger), also gibt es diese Diskussionen öfters. Immerhin steht hier das (blutige) Finale des Stückes auf dem Spiel.

Derweil sitzen ein paar Schauspieler draussen im Gang und nähen an den eindrucksvollen Roben herum: Die grüne Napoleons-Uniform des erwähnten Generals zum Beispiel, oder das blaue Gewand der neuen Königin - neu deshalb, weil die alte unter den Trümmern des explodierten Königspalastes liegt. Oder doch nicht? Aus dem rätselhaften Bericht der Gesandten des Palastes schlau zu werden, ist unmöglich.
Die harte Näharbeit zerrt an den Nerven. "Ich kann bald nicht mehr!", schreit einer auf.
"Wenn du irgendein Chinesenjunge wärst, könntest du das auch nicht sagen", kommt es zurück. Theater ist kein Ponyhof.

Ob lustvolles Wiehern oder explodierende Paläste: Der Balkon steht demnächst für das Publikum offen.


Aufführungen

  • 17.10.14, 19.30 Uhr
  • 18.10.14, 19.30 Uhr
  • 19.10.14, 17 Uhr
  • 23.10.14, 19.30 Uhr
  • 25.10.14, 19.30 Uhr

Ort: Theatersaal der Uni Irchel

Eintritt frei

Offizielle Website mit weiteren Infos

Facebook-Seite des StuThe

Bilder: André Hillers/Alex Grob

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