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18. Januar 2015, 16:16 Music Interview

«Restriction ist etwas völlig anderes als AXIOM»

«Restriction ist etwas völlig anderes als AXIOM»
Interview von Hansjürg Stämpfli in Zusammenarbeit mit Bäckstage.ch

Beim letzten Mal, als wir zusammen ein Interview hatten, habt ihr eure Alben in England nicht rausgebracht. Dies hat sich geändert und ihr spielt in grösseren Lokalitäten, wie dem Roundhouse oder Shepherd’s Bush Empire in London. In einem Interview hat Darius gesagt, dass es sein Traum ist, in der Royal Albert Hall zu spielen. Ihr kommt diesem Traum also näher.

Darius: Ja wir kommen dem sehr nahe! Der Plan ist, dass wir 2016 dort spielen werden. Das wäre dann auch unser 20-jähriges Bandjubiläum und wir möchten in der Royal Albert Hall zusammen mit einem Orchester spielen. Bis dahin ist Daumen drücken angesagt, damit dies auch klappen wird. Mit Archive geht es aufwärts in England.

Danny: Es ist einfach auch schön, dass wir jetzt die Musik in England herausbringen können und die Leute es auch kaufen.

Was hat sich seit unserem letzten Interview in den letzten beiden Jahren bei Archive sonst noch so verändert?

Danny: Wir waren sehr fleissig!

Darius: Oh ja, wir waren sehr fleissig und haben auch einen Film gemacht. Es war schön, nicht so viel auf Tour zu sein. Nachdem wir für fast eineinhalb Jahre auf Tour waren, haben wir in diesem Jahr nur drei Konzerte gespielt und das war auch gut so. Wir haben mit anderen Künstlern gearbeitet und einige Sachen ausserhalb von Archive gemacht. Ich habe die letzten eineinhalb Jahre sehr genossen, da diese Zeit sehr kreativ war.

Etwas, dass sich aber nicht verändert hat, ist dass ihr immer voller Ideen seid. Im letzten Frühling habt ihr «AXIOM» herausgebracht und im Januar kommt bereits das nächste Album «Restriction» in die Läden. Bei Archive steht ja meist ein Konzept zum Album. Was war eigentlich das Konzept zu «Restriction»?

Beide zusammen: Es gibt kein Konzept bei «Restriction».

Darius: Nach «AXIOM» wollten wir einfach etwas machen, das sehr spontan ist. «AXIOM» war hingegen eigentlich auch sehr spontan, wurde jedoch danach zum Konzeptalbum durch den Film. Bei «Restriction» haben wir hingegen einfach Songs aufgenommen, die keine Verbindung untereinander hatten. Wir wollten einfach zwölf Musikstücke aufnehmen, die individuell voneinander funktionieren – das war der Plan dahinter. Bei «Restriction» seid ihr erstmals auf dem Album Cover – etwas ungewöhnlich für Archive.

Darius: Ja genau! Aber es ist ja alles ziemlich dunkel und man sieht eigentlich bloss die Silhouetten.

Danny: Wir sind nach Island geflogen und haben dort die Fotos aufgenommen. Zu Beginn waren wir uns nicht so wirklich sicher, ob wir selbst auf dem Cover sein sollten. Jedoch kamen die Bilder so gut heraus, dass wir sie genommen haben.

Darius: Es ist vor allem auch schön, wenn man sich auf der Front einer Vinyl Platte sieht. Wir sind aber auch auf dem Cover eines Vinyls in Finnland. Das hat mir Dave Pen gesagt. Da bin ich mir aber nicht ganz sicher, ob es stimmt. Jedoch ist es das erste Frontcover mit uns drauf.

Habt ihr auch in Island aufgenommen?

Darius: Das hätten wir sehr gerne gemacht, haben wir aber nicht. Jedoch ist dies eine sehr gute Idee, dies zu machen. Es hat dort sehr viele Eisflächen und wir planen, irgendwann dort an einem Festival zu spielen. Es gibt ein sehr bekanntes Festival dort.

Das Iceland Airwaves Festival?

Darius: Ja genau, dieses meine ich. Hoffentlich können wir im nächsten Jahr dort spielen – das wäre wunderbar. In Island hat es viele aussergewöhnliche Bands, wie Sigur Rós und natürlich Björk. Viele grossartige Bands kommen aus Island und wir würden gerne mal dort spielen.

Einige der Songs spielt ihr schon live seit der Tour zu «With us Until You’re Dead» in 2012, wie zum Beispiel «Black & Blue» und «Build and Construct».

Darius: Wir haben diese beiden Songs zu «WUUYD» aufgenommen, jedoch waren sie noch nicht fertig und es gab noch einige Ideen, an denen wir gearbeitet haben. «Black and Blue“ ist zum Beispiel durch viele Phasen gelaufen und kam dann endlich dort an, wo wir ihn haben wollten. Dieser Song hat viele Metamorphosen durchlebt, bis es zur finalen Version kam. Dieser Song war ja auch bereits auf eurer Live-EP drauf.Darius: Oh ja, das stimmt. Das habe ich völlig vergessen.

Etwas weiteres, dass ziemlich ungewöhnlich ist, ist dass ihr drei Musikvideos gleichzeitig herausgegeben habt. Was war die Überlegung dahinter?

Darius: Wenn wir einfach «Feel It» oder «Black and Blue» herausgegeben hätten, so hätten wir den Fans nicht wirklich einen Eindruck gegeben, in welche Richtung das Album geht. Die Fans hätten gedacht: Oh jetzt gehen Archive in Richtung Rock’n’Roll. Wir wollten ihnen einfach eine grössere Bandbreite des Albums zeigen.

Bei Archive ist es schon so, dass wir uns ändern und für Fans ist es manchmal schwierig, da sie gewisse Sachen von uns eher mögen. Deshalb war es uns wichtig, ihnen zu zeigen, dass das Album nicht einfach in eine Richtung geht. Es ist toll, mal so was zu machen und es hatte eine super Wirkung, indem wir plötzlich drei Songs herausgebracht haben. Das ist die Freiheit, die man als unabhängige Plattenfirma hat. Man machen kann, was man will.

Archive arbeiten normalerweise mit Übergängen zwischen den Songs, jedoch ist dies bei «Restriction» nicht der Fall. Was ist sonst noch ungewöhnlich bei «Restriction»?

Darius: Es ist vielmehr ein Mix. Manchmal sind die Songs zwar untereinander verbunden, jedoch sind sie musikalisch nicht wirklich vernetzt. Wir wollten es einfach lebendig und spontan halten. Das war der Plan hinter «Restriction». Man sollte nicht allzu viel darüber nachdenken – es ist etwas mehr Rock’n’Roll.

Nun wollen wir natürlich auch noch zu «AXIOM» Fragen stellen, da ihr zu dem Thema fast keine Interviews gegeben habt. Ihr hattet den Auftritt am Sundance, zwei Auftritte in der Schweiz und kürzlich noch in Paris. Weshalb seid ihr eigentlich mit dieser Show nicht mehr getourt?

Darius: Weil es abartig stressig war (lacht). Mit den Visuals war man sehr beschränkt in der Musik. Es war schon toll und ich habe es gerne gemacht und vielleicht machen wir es auch wieder einmal, jedoch eher gelegentlich. Ich freue mich jetzt darauf, einige normale Konzerte zu spielen, Einfach mit der Band und natürlich auch mit Visuals, jedoch nicht mit Visuals, bei denen alles synchron sein muss. Auch für die Fans ist es etwas mühsam, denn sie wollen eine Band sehen und dann läuft gleichzeitig auch noch ein Film – das ist etwas komisch. Deshalb haben wir nur diese paar wenigen Shows so gespielt.

Und für diese wenigen Shows musstet ihr wohl fast mehr üben, als wenn ihr auf eine grössere Tour geht?

Darius: Oh ja, wir mussten sehr viel proben!

Danny: Selbst für eine sehr kurze Musiksequenz braucht man so sehr viele Proben, weil wenn man etwas falsch macht, vermasselt man alles mit den Visuals des Films. Das war so extrem stressig.

Darius: Es ist deshalb schon stressig, weil man sich selbst unter Druck setzt, alles richtig zu machen. Wenn wir normal live spielen, so spielt es nicht wirklich eine Rolle, wenn etwas daneben geht, da es genügend Geräusche gibt und man es nicht wirklich merkt. Wenn man es aber mit den Visuals vermasselt, so ist man echt aufgeschmissen. Wir werden sowas wohl schon wieder machen, jedoch nun für lange Zeit nicht mehr.

Bei der kommenden Tour werdet ihr den Film vor der Show abspielen. Weshalb dies?

Darius: Dies machen wir, damit die Leute den Film mit einem hochklassigen Audio-System hören und sehen können. Denn die meisten schauen sich den Film auf ihrem Laptop an. So kriegen die Leute vor dem Konzert eine richtige Bassdröhnung (lacht).

Es ist schade, dass es keine Kinovorführungen des Films gab.

Darius: Ja, aber der Film wurde nur bei einigen Filmfestivals gezeigt und in wenigen Kinos an einem einzigen Abend für die Fans. Aber es ist halt auch schwierig, diesen Film in die Kinos zu bringen, da er nur 40 Minuten dauert. Das würde sich also nicht allzu gut verkaufen.

«AXIOM» macht ein wenig den Eindruck einer Fortsetzung zur Geschichte von «Controlling Crowds». War dies so geplant?

Danny: Nein, eigentlich überhaupt nicht. Wir haben das ursprünglich nicht so geplant.

Darius: Es hat sich einfach natürlich ergeben. Es fühlt sich aber schon ein wenig an wie ein Teil von «Controlling Crowds». Eigentlich sollten wir mal eine Verfilmung zu «Controlling Crowds» machen.

Danny: Darüber haben wir ja kürzlich gesprochen.

Darius: Oh ja, das wäre grossartig!

War es eigentlich nie ein Thema, einen Cameo-Auftritt in dem Film zu haben?

(Beide lachen)

Darius: Für mich wäre dies viel zu weit weg.

Danny: Wir sind ja normalerweise nicht mal auf den Plattencover, von dem her wäre dies etwas zu viel für uns.

Darius: Wenn wir ein Remake von «The Big Lebowski» machen würden, so könnte Danny den Dude spielen (lacht).

Danny: Oh ja, das würde ich sehr gerne machen!

Auch der Titel des neuen Albums «Restriction» (Einschränkung) spielt mit der Szenerie einer kontrollierenden Kraft. Ist «Restriction» mit «AXIOM» verbunden?

Darius: Nein, das ist was völlig anderes. Wir haben zwar gleichzeitig aufgenommen, jedoch ist «Restriction» nur ein Song und kein Konzept des Albums. Für mich war es sehr ironisch, die Fotos aus Island zu haben, mit der Freiheit und dem Raum, und dabei das Album «Restriction» zu nennen. AXIOM war nicht euer erster Soundtrack. Ihr habt den Soundtrack für Luc Bessons Film «Michel Vaillant» gemacht. Jedoch habe ich gelesen, dass ihr den Film nicht gemocht habt.

Darius: Ich glaube nicht wirklich viele Leute mochten diesen Film. Der Soundtrack ist ja ganz in Ordnung, aber der Film ist wirklich schlecht. Es hat aber auch einige schlechte Songs auf dem Soundtrack dabei. Ich hasse diesen Französischen Song – der ist gottsjämmerlich. Jedoch sind auch ein paar gute Songs dabei.

Seid ihr bei «AXIOM» mehr in den Film involviert gewesen?

Danny: Wir hatten mit dem Film gar nichts zu tun. Wir haben Regisseur Jesus Hernandez einfach das Album übergeben und er hat aufgrund der Songs eine Geschichte kreiert. Die Songs waren ursprünglich nicht miteinander verbunden und er hat danach einige Songs genommen und diese zusammen gebracht. Sechs Monate später haben wir uns wieder getroffen und da waren die Dreharbeiten schon beendet und der Film fertig gestellt. Es ist grossartig, was der Regisseur gemacht hat und wie er sechs zusammenhanglose Songs in einem Film verarbeitet hat.

Darius: Er ist ein sehr talentierter und kluger Mann. Der hat noch eine grosse Karriere vor sich, da bin ich überzeugt.

Danny: Er hat auch unsere drei neuen Musikvideos gemacht. Wir wollen also weiterhin mit ihm arbeiten, da wir ihm und seiner künstlerischen Integrität vertrauen. Der Regisseur ist Spanier und alles wurde in Spanien abgedreht bis auf ein paar wenige andere Orte. Auch die drei neuen Videos haben wir alle in Madrid abgedreht.

Bei «AXIOM» sind die Glockengeräusche ein sehr zentrales Thema. Diese hattet ihr auch bereits auf eurer letzten Tour als Ton dabei.

Darius: Ja, das stimmt. Wir hatten die Glockenklänge als Intro und Übergang zu der Zugabe. Ursprünglich haben wir die Glocke auch für die Show aufgenommen. Als wir nach der Tour ins Studio gegangen sind, wollten wir sie unbedingt in einen Song einbauen. So hat also eigentlich alles begonnen. Durch die Glockenklänge der Greenwich Kirche.

Danny: Es sind momentan einige Dinge am laufen.

Für das nächste Jahr steht eine riesige Tour an. Jedoch ist der Sommer noch frei…

Darius: Ja, aber das wird wohl nicht allzu lange so bleiben. Wir werden auf jeden Fall an einigen Festivals spielen. Das wird ein sehr ausgelasteter Sommer werden.

Danny: Jedoch ist es im Moment noch etwas früh, mehr darüber zu sagen.

Somit wird wohl nach «Restriction» nicht so schnell ein neues Album herauskommen?

Darius: Es sind momentan einige Dinge am laufen und wir machen auch einiges, jedoch muss man mal abwarten und sehen, was kommen wird. Doch wir arbeiten wir bereits an neuen Sachen.

Beim letzten Interview hat Danny beispielsweise gesagt, dass das neue Album bereits geschrieben ist und nur noch aufgenommen werden muss. Ist dies somit auch wieder der Fall?

Darius: Nein, diesmal ist es nicht ganz so. Aber wir entwickeln momentan eine Idee.

Danny: Wir sind momentan mittendrin in einer Idee und wann immer wir die Zeit haben, so gehen wir ins Studio und arbeiten daran. Was jedoch nicht allzu einfach sein wird, wenn wir auf Tour sein werden.

Dann werden wir uns hoffentlich wieder treffen, wenn dieses Projekt herauskommt, um darüber zu sprechen. Besten Dank für das Interview.


Archive spielen am 9. März im X-Tra.


Bildcredit: © Dominique Rais
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