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7. März 2016, 18:14 Music Interview

Mir ist wichtig, dass ich Menschen berühren kann

Patrick Holenstein - Nickless ist harte Konkurrenz für Bastian Baker. Popsongs mit viel Flair und dahinter ein junger Mann, der smart und ehrlich über sich und seine Musik spricht. Frauenschwarm? Klar. Aber auch Musiker, der sein Handwerk von klein auf gelernt hat.

Mir ist wichtig, dass ich Menschen berühren kann
Nickless ist aktuell auf bestem Weg, die Schweizer Musikszene kräftig aufzurütteln. Mit der Debüt-Single «Waiting» konnte er bereits einen Swiss Music Award erobern und das erste Album «Four Years» ist ebenfalls im Handel erhältlich. Wir haben uns mit Nickless im Studio zusammengesetzt und über Vergangenheit und Zukunft gesprochen und darüber, was ihm seine Musik bedeutet.

Wie bist du zur Musik gekommen?

Ich habe mit sieben Jahren angefangen, Schlagzeug zu lernen, und mit acht hatte ich den ersten Auftritt. Mein Vater spielt zudem Klavier und wahrscheinlich habe ich schon bei der Geburt das erste Mal geschrien (lacht). Ich habe neun Jahre lang an verschiedenen Anlässen und in diversen Bands Schlagzeug gespielt und irgendwann begonnen, selbst Songs zu schreiben und langsam mit Klavier und Gitarre angefangen. Mit vierzehn oder fünfzehn habe ich die ersten Songs in Englisch geschrieben. Danach habe ich hier («571 Studios» von Thomas Fessler, Anm. der. Red.) für zwei Jahre als Praktikant gearbeitet und habe jetzt auch das Album hier aufgenommen. Später war ich 60% fest angestellt und habe daneben weiter an meinem Projekt gearbeitet. In der Studio-Zeit habe ich Songs für andere Künstler oder auch mal für Werbungen geschrieben. Und seit letztem Jahr bin ich selbstständig, weil die Musik so angezogen hat, dass ich inzwischen nur noch auf Freelance-Basis gelegentlich im Studio arbeite.

Was hat dir denn die Arbeit im Studio für die eigene Karriere gebracht?

Es hat mir sehr viel gebracht. Ich konnte so mein Netzwerk vergrössern und immer mehr Künstler und Bands kennenlernen. Daneben habe ich von Grund auf erfahren, wie das Musikbusiness funktioniert.

Wann war für dich klar, dass du auf die Musik setzen möchtest?

Das war eigentlich von Anfang an klar. Ich bin auf die Kunst & Sportschule in Zürich gegangen, mit Schwerpunkt Schlagzeug, und durfte dort zehn Stunden in der Woche spielen, damit ich kontrolliert weiterkomme. Dort hatte ich viele Freiheiten und bin darum schon mit vierzehn in diesem Studio angekommen, weil ich als Schlagzeuger einer Teenie-Rockband aufgenommen habe. Für mich war die Musik immer schon ein Traum, aber als ich im Studio gearbeitet habe, war es endgültig klar.

Hattest du einen Plan B? Was hättest du gemacht, wenn die Musik nicht so eingeschlagen hätte?

Ich hätte wohl trotzdem weitergemacht. Mir macht die Musik und die Arbeit mit anderen Künstlern so viel Spass, dass ich weiter Aufnahmen von anderen Musikern produziert hätte.

In Social Media Kanälen kann man lesen, dass du vor ein paar Wochen einige Schulen besucht hast. Wie kam das und wie war die Reaktion der Schüler?

Man darf nie vergessen, wie wertvoll Viert- bis Sechstklässler sind. Ich bin gerne mal in einer Schule, um den Schülern eine Perspektive zu geben, zu zeigen, was möglich ist, oder manchen auch Mut zu machen, indem ich zugebe, dass ich die Gymi-Prüfung nicht bestanden und trotzdem meinen Weg gefunden habe. In der heutigen Zeit ist für viele der Weg über ein Gymnasium die einzige Option und sie bekommen viel Stress deswegen. Ich will überhaupt nichts gegen Gymnasien sagen, das ist eine super Ausbildung, wenn jemand der Mensch dazu ist. Aber es gibt schon noch andere Möglichkeiten. Und dann ist es für die Schulen jeweils etwas Abwechslung, wenn statt Unterricht ein Konzert stattfindet. Es kommt von den Schülern jeweils auch eine unglaubliche Wertschätzung und das ist dann auch für mich sehr schön. Ich bin ja auch in der Schule, wo ich früher Schüler war, zu Besuch gewesen und auch die hatten alle richtig Freude. Das war super.

«Waiting» ist ein riesiger Erfolg, deine Konzerte sind ausverkauft, du hast einen Swiss Music Award gewonnen. Wie fühlt sich das an?

Das ist ein Mega-Geschenk und das schon nach dem ersten Song. Danach muss ich erst einmal entspannen. Also klar, ich mache schon weiter (lacht), aber ich will mir keinen Druck machen. Damit hätte niemand gerechnet und es ist schon eine Bestätigung nach der ganzen Arbeit. Auch für das Team.

Du spürst aber schon einen Druck, weil jetzt das Debüt «Four Years» kommt und die Leute eine Erwartungshaltung haben?

Wahrscheinlich haben die Leute schon eine Erwartung, gerade, weil sie «Waiting» bereits kennen. Aber ich bin zwanzig Jahre alt und haben noch sehr viel Zeit, um Songs zu schreiben. Ich habe im Moment extrem Spass daran, den Leuten meine Musik vorzustellen und ich freue mich schon sehr auf das Album.

Was ist dir in deiner Musik wichtig?

Mir ist wichtig, dass ich die Menschen berühren kann. Ich hoffe, dass es mir gelingt, Emotionen zu vermitteln. Ich schreibe von Herzen über meine Alltagssituationen und auch über Sachen, die andere erleben. Mir ist dabei wichtig, dass die Leute sich angesprochen fühlen und vielleicht sich selbst in der einen oder anderen Situation erkennen. Die Besucher sind nach Konzerten sogar manchmal gerührt und kommen zu mir und das ist für mich eine sehr schöne Bestätigung.

Was ist für dich die Herausforderung beim Komponieren von Songs?

Sicher ist es eine Herausforderung, dass man sich nicht im Kreis dreht und sich entwickelt. Aber auch hier bin ich sehr entspannt, denn die Musik soll mir Spass machen. Natürlich überlegt man sich, wo man vom Songwriting her etwas verbessern und was funktionieren könnte, um das Publikum zu begeistern. Aber da gibt es verschiedene Möglichkeiten und die Herausforderungen sind schon da.

Kennst du so etwas wie Schreibblockaden?

Klar, kennt man schon, das ist logisch und dann darf man sich nicht zwingen. Sofern man keinen Druck hat und das Album bis zu einem fixen Termin fertig sein muss. Ich habe für mich gemerkt, dass es wichtig ist, zwischendurch mal rauszugehen, frische Luft bei einem Spaziergang zu schnappen und dann wieder neu ans Werk zu gehen.

Du hast vorhin schon erwähnt, dass du einige Instrumente spielst. Hast du ein Lieblingsinstrument?

Das Schlagzeug war halt schon mein erstes Instrument und dort kann man so richtig die Aggression rauslassen (lacht). Es hat eine eigene Energie. Aber am allerschönsten finde ich das Klavier. Damit hat man so viele Möglichkeiten, die verschiedenen Melodien und Akkordfolgen zum Beispiel.

Wie bist du auf deinen Künstlernamen gekommen?

Ich heisse eigentlich Nicola. Als ich eine Zeit lang in London gelebt habe, haben mir alle Nicolas mit der englischen Betonung gesagt und als ich wieder hier war, habe ich den Ausdruck als Namen genommen.

Was hast du für 2016 für Pläne?

Ganz wichtig ist mir, die Freude an der Musik zu behalten, egal, was passiert. Dann natürlich so viel zu spielen, wie es nur geht und eventuell passiert auch der Schritt ins Ausland. Ob das dann schon 2016 geschieht, werden wir sehen müssen. Wir machen das Step by Step.

Aber deine Songs zielen schon ein wenig auf den internationalen Markt. Das täuscht beim Hören schon nicht?

Das ist sicher ein Thema und es gibt auch bereits Anfragen aus dem Ausland. Es ist aber so, dass du in vielen Ländern genau eine Chance hast und dann ist Schluss. Der erste Eindruck zählt und darum ist wichtig, dass man nicht einfach diesen Schritt geht, bevor die Band wirklich bereit ist. Da muss das Konzept schon stimmen.

Nickless - «Waiting»

  • Das Album «Four Years» ist im Handel erhältlich.
  • Nickless ist aktuell auf Tour, zum Beispiel am 18. März im Salzhaus Winterthur. Alle Termine findet ihr auf der Website von Nickless.

Titelbild: Christoph Kostelin

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