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6. April 2009, 21:02 Kultur

Das botanische Lustspiel

Robert Salzer - Ausnahmsweise keine Figuren im Theater Stadelhofen, dafür ein unterhaltsames und abwechslungsreiches Lehrstück über die Pflanzenkunde, das die Sehnsucht nach der Natur (wiederer-)weckt.„Flatterbinse!“, „Stinkesche!“ „ Jesuitennuss!“ Frau Jasmin Strauch und Herr Joh...

Das botanische Lustspiel
Ausnahmsweise keine Figuren im Theater Stadelhofen, dafür ein unterhaltsames und abwechslungsreiches Lehrstück über die Pflanzenkunde, das die Sehnsucht nach der Natur (wiederer-)weckt.

„Flatterbinse!“, „Stinkesche!“ „ Jesuitennuss!“ Frau Jasmin Strauch und Herr Johannes Kraut beschimpfen sich leidenschaftlich gerne mit Pflanzennamen. Heute feiern sie ihren Jahrestag und da er behauptet es sei der 15.te und sie der 14.te werfen sie sich die hässlichsten Namen an den Kopf, welche die Botanik hervorgebracht hat. Die Schönheit der Natur suchen die beiden in ihren angrenzenden Schrebergärtchen in der Siedlung „Paradiesli“. Wie so viele dieser grünen Inseln im Grosstadtdschungel liegt auch das „Paradiesli“ gleich neben der Eisenbahnlinie. Neben dem Kreischen der Gleise hört man aber auch Vogelgezwitscher, vorzugsweise aus dem Schallplattenspieler von Frau Strauch.

Viele wissenschaftlichen Anekdoten aus dem Pflanzenreich hört man an diesem Abend. Vor Allem aus dem Munde von Herrn Kraut, der sich wünscht, „er könne in Versen sprechen“, es in Tat und Wahrheit aber fast das ganze Stück durch tut, wenn er beispielsweise lateinische Biologieweisheiten von sich gibt oder über das Herbarium referiert, das „lebendige Gedächtnis des Botanikers“ (ein Herbarium ist der gehobene Ausdruck für eine getrocknete Pflanzensammlung, wie viele von uns sie in der Kindheit in Büchern besassen). Auch Jasmin Strauch berichtet gerne über die Pflanzenwelt. Ihr Fachgebiet scheint das Liebesleben der grünen Lunge zu sein. Sie weiss nicht nur über Aphrodisiaka bestens Bescheid, sondern auch über die Gifte der verschiedenen Kräuter. Zwischen den botanischen Belehrungen kriegt der Zuschauer auch mit, dass Kraut und Strauch mal mehr waren als Schrebergartennachbarn und sich neben den pflanzlichen auch den fleischlichen Lüsten hingaben.

Die Texte des botanischen Lustspiels stammen aus vorhandenem Textmaterial, wenn möglich aus der Feder der zitierten Botaniker selber. Das Bühnenbild des von Patrick Boltshauser konzipierten, produzierten und inszenierten Stückes besteht nicht wie angenommen aus einem satten Grün, sondern aus scherenschnittartigem weiss ausgeschnittenem Karton, mit dem die Pflanzen angedeutet werden – eine Projektionsfläche für eine blühende Phantasie. Krishan Krone spielt Johannes Krauts Rolle, die mit botanischen Zungenbrechern nur so gespickt ist, mit grosser Überzeugung, so dass man ihm ohne zu zögern einen Rosenstrauss abkaufen würde. Judith Niethammer, die sowohl am Konzept mitgearbeitet hat, als auch die Rolle der Johanna Strauch übernimmt, ist etwas zurückhaltender und ruhiger in ihrer Interpretation des weiblichen Gegenstückes. Das stachlige Buschwerk trifft sozusagen auf das zarte Pflänzlein.

Am Schluss liegen sich die beiden wie zwei Gewächse in den Armen und umranken sich. Der trennende Gartenzaun und die botanischen Schimpfwörter sind längst überwunden.

  • „Das botanische Lustspiel“
  • Regie: Patrick Boltshauser
  • Premiere: 19.März (Theater Stadelhofen)
  • weitere Vorstellungen in Zug: 13./15./16. Mai (Theater im Burgbachkeller);
  • weitere Vorstellungen in Zürich: 21./23./28./29./30. Mai; 5./6. Juni (Alter Botanischer Garten Universität Zürich)
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